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Selterswasser – wer kennt das nicht?

Wer die spannende und wechselhafte Geschichte eines der einstmals erfolgreichsten Mineralbrunnen Deutschlands näher kennenlernen will, der sollte einen Besuch im 2011 eröffneten Selterswassermuseum auf keinen Fall verpassen. Dies ist der vierte und letzte Ausflugstipp unserer kleinen Serie im Goldenen Grund.
Der 1907 im Jugendstil erbaute Brunnentempel. Fotos: J. Rauch Der 1907 im Jugendstil erbaute Brunnentempel. Fotos: J. Rauch
Selters-Niederselters. 

Viel zu entdecken gibt es bei einer Führung durch die alte Lagerhalle und den 1907 erbauten Brunnentempel, dessen markante Jugendstil Fassade jedem Besucher wohl zuerst ins Auge fällt.

Bereits 1536 wurde der Mineralbrunnen erstmals urkundlich erwähnt und im Zeitraum von 1581 bis heute wurden über 200 Schriften über das Mineralwasser aus Niederselters verfasst. "Das Wasser aus unserem Brunnen wurde aufgrund seines hohen Mineralgehalts von vielen als Heilwasser betrachtet", erklärt Dr. Norbert Zabel, der regelmäßig Besucher durch die Anlage führt, diesen Umstand. "Angesehene Ärzte und auch Chemiker, wie der bekannte Dr. Remigius Fresenius, haben sich mit diesem Sachverhalt beschäftigt." Jener Ruf verhalf dem Wasser aus dem Niederselterser Mineralbrunnen zu großer nationaler und sogar internationaler Beliebtheit. Bis nach Nordamerika und China wurde das Getränk geliefert. Doch ein solcher Bekanntheitsgrad brachte auch Nachteile mit sich. "Im 19. Jahrhundert wurde das Wasser vielfach analysiert", so Zabel. Ziel dieser Analysen sei es gewesen, mit Hilfe der herausgefundenen Bestandteile ein künstliches Selterswasser herzustellen. "Ein Versuch, der durchaus erfolgreich war und dessen Ergebnis sich auch gut verkaufte."

Zwangsarbeiter

Ein weiterer Einschnitt in der Geschichte des Mineralbrunnens stellt die Übernahme durch Hitlers Schutzstaffel, die "SS", dar. Diese hatte damals eine ganze Reihe von Brunnen beschlagnahmt, um die im Ausland kämpfenden Truppen mit deutschem Mineralwasser versorgen zu können. Ein dunkler Teil der Geschichte, da zur Arbeit im Mineralbrunnen auch russische Zwangsarbeiterinnen herangezogen wurden, die dort unter schlimmen Bedingungen, teilweise mit Säuglingen und Kleinkindern, in Arbeitslagern leben mussten. Heute erinnert eine Gedenktafel in Niederselters an diese Ereignisse.

Wendepunkt 2001

1990 übernahm schließlich eine namhafte hessische Brauerei den Brunnen, stellte jedoch bereits aus betriebswirtschaftlichen Gründen nach neun Jahren die Produktion ein. 2001 wurde das alte Wahrzeichen von Selters durch die Gemeinde aufgekauft und die teils maroden Gebäude saniert. "Wir haben uns damals für die Anlage ein ganz neues Konzept ausgedacht. Neben dem Museum gibt es einen Haustrunkraum und zwei Gesellschaftsräume, in denen Geburtstage, Hochzeitsfeiern oder Weinproben stattfinden", sagt Zabel. Das Museum werde sehr gut angenommen. "Im Sommer haben wir jede Woche zwei bis drei Führungen, in denen die Besucher eine Einführung in die Wirtschaftsgeschichte des Goldenen Grundes erhalten."

Das Museum ist von Anfang April bis Ende Oktober immer samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet, Führungen können auf Anfrage für Gruppen ab etwa zehn Personen stattfinden.

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