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Dekret des Bischofs: St. Maximin wird Pfarrkirche

Der Bischof hat entschieden: St. Maximin in Niederbrechen wird die Pfarrkirche der neuen Pfarrei „Heilig Geist Goldener Grund/Lahn“. Damit folgt er dem Votum des Pastoralauschusses, der sich im Mai für das Gotteshaus ausgesprochen hatte. Villmar geht bei der Verteilung des Pfarrei-Kuchens somit erst einmal leer aus.
St. Maximin in Niederbrechen wird die Pfarrkirche der neuen Pfarrei im Goldenen Grund. St. Maximin in Niederbrechen wird die Pfarrkirche der neuen Pfarrei im Goldenen Grund.
Brechen/Villmar. 

Noch ein knappes halbes Jahr ist es hin, bis am 1. Januar 2019 der offizielle Startschuss zur Gründung der Pfarrei neuen Typs „Heilig Geist Goldener Grund/Lahn“ fällt. Sie vereint die bestehenden Pfarreien und Kirchengemeinden in Villmar, Langhecke, Runkel, Arfurt, Niederbrechen, Oberbrechen, Aumenau, Werschau und Kirberg mit insgesamt etwa 12 000 Katholiken.

Seit Jahren ist darüber gestritten worden, wo in Zukunft welche zentralen Einrichtungen der neuen Pfarrei sein werden. Nachdem bereits im Oktober 2017 feststand, dass der Priesterliche Leiter in Niederbrechen wohnen wird, hat Bischof Georg Bätzing jetzt per Dekret verfügt, dass auch die dortige Kirche, benannt nach dem Heiligen Maximinus, zur Pfarrkirche für alle Kirchorte werden soll. Darüber hinaus legte er fest, dass das zentrale Pfarrbüro zukünftig in Oberbrechen eingerichtet werden soll. „Das ist das Ende eines langen Weges, an dessen Ende nun eine Entscheidung steht“, kommentierte Bistumssprecher Stephan Schnelle den Erlass.

Altes Dekret außer Kraft

Der Bischof hat damit ein Dekret des ehemaligen apostolischen Administrators Manfred Grothe vom Juni 2014 außer Kraft gesetzt. Darin war noch Villmar als Standort für die Pfarrkirche, das zentrale Pfarrbüro und als priesterlicher Wohnsitz genannt worden – ein Wunsch des ehemaligen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst. Bätzing folgt mit seiner Entscheidung dem Abstimmungsergebnis des Pastoralauschusses. Der hatte im Mai mit neun Stimmen (bei sechs Gegenstimmen sowie einer Enthaltung und in Abwesenheit der Villmarer Vertreter) für St. Maximin votiert.

„Wir haben die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen“, betont der Vorsitzende des Pastoralauschusses, Marc Schütz. Man habe allein eine Sitzung darauf verwendet, einen Kriterienkatalog für die spätere Entscheidung zusammenzustellen. „Die Auswahl sollte so transparent und nachvollziehbar wie möglich erfolgen“, so Schütz.

Neben der Lage und der Größe des Gotteshauses haben auch die technische Ausstattung und die Wahrnehmung in der Bevölkerung bei der Auswahl eine Rolle gespielt. Aus der Pfarrgemeinde Niederbrechen sei eine ausdrückliche Einladung erfolgt – „in dem Bewusstsein, dass damit die bisherige gewohnte Nutzung durch ,übergeordnete’ Anforderungen und Bedürfnisse eingeschränkt werden kann“, heißt es unter anderem in der Begründung des Pastoralauschusses für St. Maximin, die im Juni veröffentlicht wurde.

2016 hatte sich das Gremium noch für die Berger Kirche in Werschau ausgesprochen – doch das Bischöfliche Ordinariat lehnt ab. Der romanische Bau, eine der ältesten erhaltenen Kirchen der Region, war den Verantwortlichen als zentrales Gotteshaus unter anderem zu klein und verfügte nicht über ein festes Taufbecken.

„Was bleibt, ist die Sorge, wie es mit den Villmarer Immobilien weitergeht. Das lässt hier niemanden kalt“, erklärt Marc Schütz. Dass man in Villmar mit der Entscheidung nicht glücklich ist, liegt auf der Hand. Zu lange hatte man im Marktflecken geglaubt, das Pfarrhofensemble oberhalb der Lahn würde zum Zentrum der geplanten Pfarrei neuen Typs, später hatte man immerhin noch auf einen Kompromiss gehofft.

Nun hat sich der Süden in der Standortfrage klar durchgesetzt, obwohl die neue Pfarrei mit ihren drei großen katholischen Gemeinden Niederbrechen, Oberbrechen und Villmar eher „polyzentrisch“ aufgebaut ist, wie es Dr. Bernhold Feuerstein ausdrückt. Dazu kommt für den Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates Villmar die Angst, dass der Komplex mit Pfarr- und Schwesterhaus sowie Kirche in Zukunft verfallen könnte. „Die Enttäuschung ist groß“, sagt Feuerstein. „Auch darüber, dass der Bischof seine Entscheidung getroffen hat, ohne Villmar je offiziell besucht zu haben oder der Einladung zu einem klärenden Gespräch nachzukommen.“

Hoffen auf ein Konzept

Die Villmarer wünschen sich nun vom Bistum ein belastbares Nutzungs- und Finanzierungskonzept für ihr Pfarrhofensemble. Im Mai hatten die Vertreter der Kirchengemeinde den Pfarreiwerdungsprozess für gescheitert erklärt und in einem Brief an Weihbischof Dr. Thomas Löhr ihren Ausstieg verkündet. Bis jetzt hat Villmar auch die Gründungserklärung zur neuen Pfarrei nicht unterschrieben – „aber uns ist klar, dass wir das nicht verhindern können“, so Feuerstein.

Doch es gibt auch etwas Bewegung an den Fronten: Nach Aussage von Berthold Feuerstein sind der Priesterliche Leiter, Pfarrer Ernst-Martin Benner, und die Verantwortlichen aus Villmar inzwischen zu Konfliktbewältigungsgesprächen bereit.

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