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Knochenmark: Stäbchen rein – vielleicht ein Retter sein - 19-Jähriger spendet Knochenmark

Benjamin aus Lahr hat Knochenmark gespendet und damit vielleicht einem Kind aus Frankreich das Leben gerettet. Der 19-Jährige hofft nun, dass sein Beispiel Nachahmer findet.
„Stäbchen rein, Spender sein“, mit diesem Slogan wirbt die DKMS für die Registirerung in ihrer Datei. Foto: (166813397) „Stäbchen rein, Spender sein“, mit diesem Slogan wirbt die DKMS für die Registirerung in ihrer Datei.
Lahr. 

Eigentlich möchte Benjamin seine Geschichte nicht an die große Glocke hängen. Eigentlich. Denn der 19-Jährige aus Lahr hält nichts von „Selbstbeweihräucherung“, wie er immer wieder betont. Darum möchte er nicht mit einem Foto und seinem vollen Namen in der Zeitung stehen. Aber erzählen möchte er dann doch – um anderen Mut zu machen, sich als Stammzellenspender zu registrieren. „Ich will den Leuten sagen: Das ist eine gute Sache, macht mit!“ Und sein Vater ergänzt: „Wenn sich auf diesem Weg nur ein weiterer Spender findet, hat es sich schon gelohnt.“

Gut acht Millionen potenzielle Spender waren bis Anfang August in der Datei der DKMS, die bis 2016 Deutsche Knochenmarkspenderdatei hieß, gelistet, mehr als fünf Millionen davon kommen aus Deutschland. Bis jetzt konnten über die DKMS Deutschland etwa 70 000 Stammzellspenden an Krebspatienten weltweit vermittelt werden.

So kann man Spender werden

Auf der Homepage der DKMS (www.dkms.de) kann man per Fragebogen sehr schnell überprüfen, ob man als Knochenmarkspender in Frage kommt.

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Benjamin hat sich erst im Februar registriert, als die DKMS in der Friedrich-Dessauer-Schule in Limburg über ihre Arbeit informiert hat. „Ein Mitschüler, der schon eine kleine Tochter hat, hat gesagt: ,Vielleicht könnte mein Kind das auch mal brauchen’ und hat mich dann einfach mitgenommen“, erinnert sich der inzwischen ausgelernte Werkzeugmechaniker.

Bei den meisten Menschen passiert nach der Typisierung erst einmal nichts. „Nach unserer Erfahrung kommt es bei höchstens fünf von hundert potenziellen Stammzellspendern innerhalb der nächsten zehn Jahre zu einer Stammzellspende. Für junge Spender beträgt die Wahrscheinlichkeit etwa ein Prozent innerhalb des ersten Jahres nach der Typisierung“ heißt es bei der DKMS.

Genetischer Zwilling

Doch bei Benjamin meldete sich die Gesellschaft schon im Mai. Er kam als Spender infrage, weitere Untersuchungen folgten, dann stand fest: Der 19-Jährige hat irgendwo auf der Welt einen genetischen Zwilling, der an Blutkrebs erkrankt ist und dem Benjamins gesundes Knochenmark vielleicht das Leben retten könnte. Zu diesem Zeitpunkt ahnt der Patient noch nichts von seinem Glück – zu groß wäre die Enttäuschung, wenn der Spender jetzt noch einen Rückzieher macht.

Doch für den jungen Mann mit den braunen Haaren ist klar, dass er die Sache durchzieht. „Stäbchen rein, Spender sein“, mit diesem Slogan wirbt die DKMS. „Doch so einfach ist es dann doch nicht“, sagt Benjamins Vater. Eigentlich können die Stammzellen aus dem Blut gewonnen werden – das dauert zwar mehrere Stunden, erfolgt aber in der Regel ambulant.

Eine Stunde Vollnarkose

Bei Benjamin musste das Knochenmark dagegen aus dem Beckenkamm entnommen werden. Das bedeutet eine Stunde in Vollnarkose und drei Tage Krankenhausaufenthalt. Danach bleiben noch einige Tage Schmerzen, die einem Muskelkater ähnlich sind. Der Hobbyfußballer muss sich weiterhin schonen, doch in der Regel regeneriert sich das Knochenmark laut DKMS in zwei bis vier Wochen vollständig. „Stolz“, sagen Benjamins Eltern gleichzeitig, wenn man sie fragt, wie sie sich gefühlt haben, als der Sohn in der Klinik lag. „Stolz, dass er das macht!“ Da rückten die Sorgen wegen einer Vollnarkose dann auch schnell in den Hintergrund.

Benjamin weiß inzwischen, dass sein Knochenmark an ein Kind aus Frankreich gegangen ist. Eine Information, die die Spender erst nach dem Eingriff bekommen. Frühestens nach drei Monaten kann er nachfragen, wie es „seinem“ Empfänger geht. Die deutschen Richtlinien sehen vor, dass sich Spender und Patient erst zwei Jahre nach der Spende persönlich kennenlernen dürfen – wenn beide Parteien das möchten. In der Zwischenzeit ist nur ein anonymer Kontakt möglich. In Frankreich gelten andere Bestimmungen, deshalb weiß Benjamin nicht, ob er je erfahren wird, wer sein Knochenmark bekommen hat.

Dabei hätte er so viele Fragen. Zuallererst natürlich, wie des dem Kind geht. Aber er würde auch gerne mehr über die Krankheitsgeschichte erfahren und wie seine Familie mit dem Schicksal umgeht. Erst im Krankenhaus ist Benjamin richtig bewusst geworden, welche Tragweite seine Entscheidung hat. „Das hat mich emotional schon ziemlich umgehauen“, erinnert er sich. Bedenken hatte er wegen der Vollnarkose, doch die hat er hintenangestellt. „Aus Angst jemanden sterben lassen? Nein!“, sagt Benjamin entschieden – und hofft, das viele genauso denken.

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