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Theateraufführung geht unter die Haut: Tragikomische Wirklichkeit des AfD-Programms

Eine Theateraufführung, die unter die Haut ging: Mit „Was ihr wählt!“ erlebten die Zuschauer in der Evangelischen Kirche in Limburg eine bewegende Auseinandersetzung mit den Inhalten und Zielen der „Alternative für Deutschland“.
„Hüte dich davor, was du dir wünscht, denn es könnte wahr werden.“ Johanna Kollet und Alena Bacher brillierten als gewissenlose PR-Beraterinnen. Bilder > Foto: Johannes Koenig „Hüte dich davor, was du dir wünscht, denn es könnte wahr werden.“ Johanna Kollet und Alena Bacher brillierten als gewissenlose PR-Beraterinnen.
Limburg. 

Was tun, wenn alle (politischen) Träume in Erfüllung gegangen sind und sich als absoluter Alptraum erweisen? Dieses Szenario durchlebten die Zuschauer des Theaterstücks „Was ihr wählt! Eine tragikomische Wirklichkeit des AfD-Programms“ in der evangelischen Kirche am Bahnhof.

Auf Einladung DGB Limburg-Weilburg zauberten die Schauspielerinnen Johanna Kollet und Alena Bacher vom „theater odos“ in Münster eine bizarre Mischung zwischen abgedrehter Satire und bedrohlicher Dystopie auf die Bühne. Ein Auftritt, der mit seiner rohen, ungefilterten Emotionalität auch den Zuschauern einiges abverlangte.

Damit begann das von Heiko Ostendorf geschriebene und inszenierte zweiteilige Stück harmlos genug: Zwei fiktive PR-Beraterinnen der „Alternative für Deutschland“ nehmen sich das Parteiprogramm vor, um es möglichst massenkompatibel unters Volk zu bringen. Dabei blödelten sie fröhlich drauf los und übertrieben hemmungslos.

Blondinenwitz für Demagogen

Absolut sehens- und hörenswert war vor allem der „Blondinenwitz für Demagogen“: Dabei stülpten sich die beiden Schauspielerinnen blonde Perücken über und gaben im naiv-mädchenhaften Säuselton eines bekannten Reality-TV-Stars Passagen des Parteiprogramms wieder. Frei nach dem Motto „Was so blöd und unscheinbar daherkommt, kann nicht wirklich gefährlich sein.“ Ob Familienpolitik, Umweltpolitik oder Ausländerpolitik, alles wirkt halb so schlimm, wenn es mit einem freundlichen treu-doofen Lächeln vorgetragen wird. Lediglich, der immer wieder reflexhaft vorgetragene Ruf „Ausländer raus!“ störte die einsetzende Idylle und trug zum verstörenden Unterton des Auftritts bei.

Gar nicht freundlich und witzig, sondern geradeheraus panisch, dunkel und bedrohlich gab sich der zweite Teil der Inszenierung. Laut Drehbuch hatte die AfD inzwischen die absolute Mehrheit im Bundestag errungen und begonnen, ihre bisher theoretische „Alternative“ in die Realität umzusetzen. Eine Realität, an der die von Johanna Kollet verkörperte PR-Beraterin zerbricht. Vorbei sind die Szenen lustvoll-beschwingter Demagogie, die die stumpfe Banalität der Stammtischparolen noch gekonnt überspielt. Stattdessen frisst die Revolution ihre Kinder und der überzeugten Aktivistin dämmert allmählich, dass sie ein Monster geschaffen hat. Denn, trotz all ihrer Fähigkeiten und Leistungen, hat die schöne neue AfD-Welt für sie nur eine Rolle übrig: Die der Hausfrau und Mutter, welche Karriere und Beruf ihrem Mann überlassen muss. Und wenn Frau sich damit nicht zufriedengibt, landet sie im Umerziehungslager ...

„Die familienpolitischen Vorstellungen der AfD erinnern tatsächlich stark an den Zeitgeist der 1950er und 60er Jahre“, erklärte dann auch nach der Aufführung der Politikwissenschaftler und DGB-Gewerkschaftssekretär, Sascha Schmidt. Für seinen Vortrag „AfD: Vertreterin der kleinen Leute oder demagogische Partei?“ hatte er akribisch die Wahlprogramme der Partei untersucht. „Ein Spitzensteuersatz von 25 Prozent, ein weiteres Aussetzen der Vermögenssteuer sowie die geforderte Abschaffung der Erbschafts- und der Gewerbesteuersteuer zeigen, dass die AfD keine Politik für den ,kleinen Mann‘ macht, sondern vielmehr die soziale Spaltung im Land vorantreiben würde.“

Zwar bekenne sich die Partei zur Demokratie, wolle Zugewanderten aber Rechte aberkennen und habe ein fragwürdiges Verständnis von Meinungsfreiheit. „Angestrebt wird eine völkische, ethnisch homogene Nation, was die AfD auch für Republikaner interessant macht.“

(koe)
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