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Glyphosat: Unkraut verliert ärgsten Feind

Von Der Kampf gegen Unkraut wird für die Stadt Limburg deutlich schwieriger. Vom 1. Juli an werden die städtischen Mitarbeiter auf bestimmten Plätzen und Wegen auf den Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat verzichten.
Das Label zeigt es: Glyphosat ist gefährlich. Foto: Christian Ohde (chromorange) Das Label zeigt es: Glyphosat ist gefährlich.
Limburg. 

Im April, spätestens im Mai fängt es an. Bürger rufen bei der Stadt an und beschweren sich über sprießendes Unkraut. Auf Friedhofswegen, auf Treppen oder gepflasterten Flächen.

Für die Verwaltung war das bislang kein allzu großes Problem – Glyphosat sei Dank. Wer Unkraut vernichten will, schwört auf das giftige Zeug. Auch wenn es gesundheitlich als hoch bedenklich eingestuft wird.

Weil Landwirte Glyphosat weiter einsetzen dürfen und auch besondere Unternehmen wie die Bahn das Vernichtungsmittel auf ihren Gleisanlagen einsetzen dürfen, hatte eine Kommune wie Limburg kein schlechtes Gewissen, jedes Jahr 23 Liter Glyphosat zu versprühen. Es gilt als hocheffizient. Einmal versprüht, herrscht bis zu einem Jahr lang Ruhe.

Das ändert sich spätestens im Sommer. Ende Juni läuft eine Ausnahmegenehmigung für den Einsatz von Glyphosat im Limburger Stadtgebiet aus. Die Signale aus dem Umweltministerium Wiesbaden und dem Regierungspräsidium Gießen waren eindeutig: Es wird für Kommunen wie Limburg keine Ausnahmegenehmigung mehr geben. Trotzdem wollte die Stadt eine Verlängerung beantragen, hat davon jedoch Abstand genommen. „Wir beantragen keine Verlängerung, das macht keinen Sinn“, sagte der Erste Stadtrat Michael Stanke (CDU) am Montagabend im Umweltausschuss.

Einsatz auf Friedhöfen

Welche Auswirkungen hat das? Entweder die Stadtverordneten stellen im nächsten Haushaltsjahr mehr Geld zur Verfügung, weil die Bekämpfung von Unkraut deutlich aufwendiger und dadurch personalintensiver wird. Oder die Bürger bringen mehr Verständnis dafür auf, dass an der einen oder anderen Stelle Unkraut sprießt.

Bislang hat die Stadt Glyphosat auf folgenden Flächen eingesetzt:

  sämtliche Friedhöfe;

  alle Domtreppen;

  Mühlberg;

  Schlosshof;

  Brückenturm;

  Geisenweg;

  Hartplatzanteile und Tartanbahnen auf allen Sportplätzen

  ICE-Gelände;

  Bahnhofsplatz;

  Freiherr-vom-Stein-Platz;

  Egenolfanlage;

  Großbachtal;

  Stadtpark Blumenrod

  alle Flächen, die landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt werden.

Als alternative, giftfreie Unkrautbekämpfung ist die Stadt gewillt, auf das sogenannte Heißschaumverfahren zu setzen. Der Leiter der Stadtgärtnerei, Matthias Beul, kündigte an, die Verwaltung denke darüber nach, zwei Heißschaumgeräte anzuschaffen, die 16 500 Euro pro Gerät kosten. Diese Investition müsste aber von den Stadtverordneten für das nächste Haushaltsjahr genehmigt werden. Weitere Alternativen, sagte Beul gestern auf Anfrage dieser Zeitung, seien thermische Geräte, die das Unkraut durch Hitze zerstören, und – ganz profan – hacken.

Alternative Heißschaum

Bereits 2015 hatte Stanke in einer Vorlage für die Stadtverordneten erklärt, wie das Heißschaumverfahren funktioniert: Damit werde das Eiweiß der Unkräuter zur Gerinnung gebracht, „sodass die Pflanzen an ihrer Oberfläche absterben“. Die Wirkung sei jedoch begrenzt, sodass dieses Verfahren innerhalb einer Vegetationsperiode fünf bis sechs Mal wiederholt werden müsse. Zum Vergleich: Bei Glyphosat reichen ein bis zwei Anwendungen pro Jahr.

Stanke hatte 2015 am Beispiel der Friedhöfe verdeutlicht, wie sich der Verzicht auf Glyphosat betriebswirtschaftlich auswirkt. Bei rund 57 000 Quadratmeter Wegefläche koste eine jährliche Behandlung mit Glyphosat 16 000 Euro. Der Einsatz giftfreier Alternativen koste dagegen insgesamt 114 000 Euro. Der Differenzbetrag entspreche einem zusätzlichen Personalbedarf von zwei Mitarbeitern allein für den Bereich aller Friedhöfe.

Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Kai-Hagen Maiwald, begrüßt den Verzicht auf Glyphosat. Viele Bürger würden das auch so sehen, weil sie kein Problem mit Unkraut hätten. Auch der Fraktionschef der Grünen, Alfred Wirth, ist zufrieden; Glyphosat sei ein „Pflanzenvergiftungsmittel“. Er wünscht sich eine neue Vorlage des Magistrats, wie die Stadt gegen Unkraut vorgehen will, wie hoch der Personaleinsatz wird und wie beim Bürger mehr Akzeptanz geschaffen werden könne. Der Erste Stadtrat kündigte in der nächsten, spätestens der übernächsten Sitzungsrunde eine aktuelle Vorlage an.

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