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Konflikt: Verweigert "Schäfer Dein Bäcker" Tariferhöhungen?

Von Zahlt das Unternehmen „Schäfer Dein Bäcker“ seinen Mitarbeitern, die Mitglied der Gewerkschaft sind, zu wenig Stundenlohn und missachtet damit den Tarifvertrag? Das behauptet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Das Unternehmen weist den Vorwurf zurück.
Mit nach eigenen Angaben mehr als 900 Mitarbeitern und rund 95 Fachgeschäften gehört das in Elz gegründete Limburger Unternehmen „Schäfer Dein Bäcker“ zu den größten Bäckereien der Region. Foto: Anette in Concas Mit nach eigenen Angaben mehr als 900 Mitarbeitern und rund 95 Fachgeschäften gehört das in Elz gegründete Limburger Unternehmen „Schäfer Dein Bäcker“ zu den größten Bäckereien der Region.
Limburg. 

Für die Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ist die Sache eindeutig: Eine Bäckerei, die Mitglied der Bäcker-Innung ist, verpflichte sich, den tariflich vereinbarten Stundenlohn zu zahlen, und zwar allen Angestellten, die Mitglied der Gewerkschaft sind. Die NGG behauptet nun in einer Presseerklärung, das Unternehmen „Schäfer Dein Bäcker“ würde wiederholt die vereinbarten Tariferhöhungen verweigern, und zwar zuletzt die seit dem 1. Juni geltenden höheren tariflichen Stundenlöhne.

Für das Unternehmen ist die Sache ebenfalls eindeutig: „Der bestehende Tarifvertrag ist nicht allgemeinverbindlich. So haben wir die Form unseres eigenen Haustarifs gewählt in Anlehnung an den Tarifvertrag“, teilen Senior-Chef Johannes Schäfer und Junior-Chef Johann Schäfer auf Anfrage mit. In den vergangenen drei Jahren habe es drei Gehaltsanpassungen gegeben, zuletzt zum 1. Januar dieses Jahres, „und auch 2019 steht eine weitere Anpassung bevor“.

NGG: Kein Haustarif

Das Unternehmen mit Sitz im Gewerbegebiet im Elbboden und mehr als 900 Mitarbeitern errichtet derzeit eine neue Produktionsstätte und will nach Angaben des Senior-Chefs im Limburger ICE-Gebiet „eine der modernsten Bäckereien Europas“ bauen. Neben der Backstube sollen dort auch die Verwaltung sowie ein Schulungscenter untergebracht werden.

NGG-Gewerkschafter Peter-Martin Cox, der für das Bäckerhandwerk zuständig ist, betont, von einem „Haustarif“ könne keine Rede sein, denn es gebe keine schriftliche Vereinbarung zwischen dem Unternehmen und der Gewerkschaft über einen Haustarifvertrag. Vielmehr handle es sich um eine eigene Lohntabelle, die „willkürlich“ sei.

In der Regel ist es üblich, dass Arbeitgeber, die über einen Verband tariflich gebunden sind, den mit den Gewerkschaften vereinbarten Lohn allen Mitarbeitern zahlen, unabhängig von deren Gewerkschaftsmitgliedschaft. Verpflichtet sind diese Arbeitgeber aber nur, Angestellten den Tariflohn zu zahlen, die Gewerkschaftsmitglied sind.

Rabatte und Geschenke

Das Problem aus Sicht der NGG: Wer sich bei „Schäfer Dein Bäcker“ als Gewerkschaftsmitglied zu erkennen gebe und den tariflich vereinbarten Lohn für sich einfordere, werde unter Druck gesetzt, was dazu führe, dass manche dieser Mitarbeiter auf den ihnen zustehenden Tariflohn verzichten. Die NGG hatte sich bereits im vergangenen Jahr darüber beklagt, ihre Gewerkschaftsarbeit im Unternehmen sei mehrfach behindert worden.

Zwischen der Bäckerinnung Hessen, der auch „Schäfer Dein Bäcker“ angehöre, und der NGG ist nach Cox’ Angaben tarifvertraglich vereinbart worden, dass zum 1. Juni 2018 eine weitere Stufe der Tariferhöhung in Kraft tritt. Löhne und Gehälter in der Branche seien um weitere 2,6 Prozent für gelernte Fachverkäufer, um 2,4 Prozent für Verkäufer und um 2,2 Prozent für Fahrer und Bäcker erhöht worden.

„Diese Erhöhung haben offensichtlich die Beschäftigten von ,Schäfer Dein Bäcker‘ nicht erhalten“, mahnt Cox an. Alle Bereiche, sei es im Verkauf, im Fuhrpark oder in der Produktion seien davon betroffen. „Damit werden bei ,Schäfer Dein Bäcker‘ den Beschäftigten erneut bis zu 40 Cent die Stunde vorenthalten“, teilt Cox mit. „Hinzu kommt, dass häufig die Stundenlöhne, die bereits zuvor tariflich vereinbart waren, nicht gezahlt werden. Es gibt nicht wenige Fälle, wo mindestens ein Euro am Stundenlohn fehlen.“

Das Unternehmen wiederum weist in seiner Stellungnahme auf Sonntags-, Nacht- und Feiertagzuschläge hin, die fester Bestandteil der Vergütung seien. Außerdem gebe es „großzügige Mitarbeiterrabatte“, die ebenso selbstverständlich seien wie „kleine Geschenke“ zu Ostern und Nikolaus „oder Kästen Wasser in der Sommerzeit“. Auf freiwilliger Basis sei das Thema Weihnachtsgeld umgesetzt worden. „Der Urlaubsanspruch liegt sehr über den gesetzlichen Anspruch. Eine Beteiligung an der Altersvorsorge wird von uns angeboten. Unsere Azubi-Gehälter liegen weit über Tarif. Wir investieren regelmäßig in Fort- und Weiterbildungen.“

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