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Villa im Verkehrschaos

Welche Folgen hätte eine Südumgehung auf der sogenannten Alttrasse? Der Verein "Bürger gegen die Südtangente/Alttrasse" hatte die Limburger Stadtverordneten zum Ortstermin geladen – rechtzeitig vor der Sitzung des Verkehrsausschusses.
Wenn sie das gewusst hätten, hätten sie die Villa Scheid nicht gekauft: Wenn die Alttrasse der Südtangente Wirklichkeit wird, wären Uta Kramer und Carsten Reitz von wenigstens zwei Seiten vom Straßenverkehr eingeschlossen.	Foto: Koenig Wenn sie das gewusst hätten, hätten sie die Villa Scheid nicht gekauft: Wenn die Alttrasse der Südtangente Wirklichkeit wird, wären Uta Kramer und Carsten Reitz von wenigstens zwei Seiten vom Straßenverkehr eingeschlossen. Foto: Koenig
Limburg. 

Im Garten steht eine sechs Meter hohe Lärmschutzwand, aber die hilft auch nicht viel, denn hinter der Wand ist ein Verkehrskreisel, auf dem pro Tag rund 36 000 Fahrzeuge unterwegs sind. Ansonsten könne die Anwohner aber nicht viel gegen den Verkehrslärm machen, dreifach verglaste Fenster sind nicht erlaubt, ihr Haus, die "Villa Scheid" steht nämlich unter Denkmalschutz. Dieser Alptraum könnte für die Eheleute Uta Kramer und Carsten Reitz bald Wirklichkeit werden.

Denn am 15. Mai wird der Limburger Verkehrsausschuss erneut über die geplante Südumgehung beraten. Und es besteht die Möglichkeit, dass die Gutachter den Ausbau der Südtangente auf der sogenannten Alttrasse empfehlen, also auch auf der Wiesbadener Straße.

Kreisel im Garten

Für Uta Kramer und Carsten Reitz würde das heißen, dass ein Großteil des Verkehrs von der Autobahn in Richtung Limburger Innenstadt über einen Verkehrskreisel in ihrem Garten rollen würde. Denn wenn es so kommt, würden wenige Meter weiter die Aus- und Zufahrten des geplanten Zubringertunnels entstehen, der den Autobahnverkehr von der Frankfurter Straße in Richtung Holzheimer Straße lenken soll. Autofahrer mit dem Ziel Innenstadt müssten dann direkt vor der Villa Scheid abbiegen. "Als wir vor zwei Jahren das Haus kauften und mit der Renovierung anfingen, war davon aber keine Rede", sagte Uta Kramer. Erstaunlich sei zudem, dass der Denkmalschutz ihnen Auflagen mache, während die Stadt offenbar problemlos Verkehrskreisel und Lärmschutzwand auf ihrem Grundstück errichten könne.

"Auch die anderen wussten beim Kauf der Grundstücke nichts von der geplanten Südtangente", sagte Klaus Bohatscheck, Nachbar und Vorstandsmitglied des Vereins "Bürger gegen die Südtangente/Alttrasse". Wenn diese Trasse gebaut würde, könnte er von seinem Balkon aus direkt auf eine Tunnelzufahrt blicken. "Das wird keine Umgehungsstraße, sondern eine Stadtautobahn", sagte Ulrich Schulz, Sprecher des Vereins. Konkret kritisiere der Verein unter anderem, dass die Südtangente viel zu nah am Wohngebiet vorbeiführe. Und diese Variante hätte noch mehr Folgen: Der Eduard-Horn-Park und das "Paradies", zwei der letzten größeren Grünflächen der Kernstadt, würden zerstört. Dies alles schaffe aber nur eine "marginale Entlastung" für die Bewohner der Diezer Straße und der Schiede, denn ein Großteil der Autofahrer, die in Richtung Autobahn wollen, kämen immer noch durch Limburg.

"Für eine Umgehung befürworten wir eine Prüfung der sogenannten Variante 3 um Linter herum, unterhalb des Mensfelder Kopfes mit einem Anschluss an die Umgehungsstraße Lindenholzhausen", erklärte Ulrich Schulz. Diese Variante sei aber schon in der Vorprüfung als "zu weitläufig" abgelehnt worden. Überhaupt müssten Alternativen jetzt relativ zügig abgearbeitet werden. Denn die Südumgehung soll als "ein vordringlicher Bedarf" in den Bundesverkehrswegeplan 2015 aufgenommen werden. Das heißt, die Unterlagen müssten spätestens 2013 beim Verkehrsministerium eingehen. "Baubeginn ist aber wahrscheinlich nicht vor 2025 und ab 2022 wird aufgrund des demographischen Wandels mit einer erheblichen Abnahme des Verkehrs gerechnet", sagte der Vereinsvorsitzende Volkmar Wruck. Wenn die Südtangente endlich fertig ist, wird sie dann vielleicht gar nicht mehr gebraucht, weil das Verkehrsaufkommen auch mit intelligenten Lenkungssystemen bewältigt werden könnte. "Aber wenn die Südtangente baurechtlich erst einmal festgeschrieben ist, wird die Umgehung exakt an dieser Stelle gebaut, egal ob sie gebraucht wird oder nicht". koe

(Johannes König)
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