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WERKStadt-Erweiterung rückt näher

Für die Erweiterung der WERKStadt mit mehr Einzelhandel und Gastronomie zeichnet sich eine politische Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung ab. CDU, FWG und FDP sind dafür, Grüne und BZL sind dagegen, die SPD wünscht sich eine kleinere Lösung, hat aber noch Beratungsbedarf. Deshalb wird es am Mittwoch eine einstündige Sondersitzung der zuständigen Ausschüsse geben.
So könnte sie einmal aussehen, die große WERKStadt: Vorne links, hinter dem Posthof, soll der zweite Bauabschnitt entstehen, mit der gläsernen Passage und einem Zugang zum alten Teil. So könnte sie einmal aussehen, die große WERKStadt: Vorne links, hinter dem Posthof, soll der zweite Bauabschnitt entstehen, mit der gläsernen Passage und einem Zugang zum alten Teil.
Limburg. 

"Der Ängstliche stirbt 1000 Tode", zitierte Gerhard Stamm "ein altes russisches Sprichwort". Das machte der CDU-Politiker in seiner Funktion als Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Bauausschuss am Mittwochabend im Rathaus deutlich. Und es war als eine Art Fazit der gut zweistündigen Diskussion über die geplante Erweiterung der WERKStadt zu verstehen.

Stamm sagte dies offenkundig an die Adresse von SPD, Grünen und BZL. Diese hatten zuvor Fragen an die Gutachter gestellt und vor allem Bedenken geäußert. Die Gutachter hatten untersucht, welche Auswirkungen die Erweiterung der WERKStadt in einem zweiten Bauabschnitt auf den Verkehr, die Luftqualität und die Kundenströme in der Innenstadt hat. Wie berichtet, haben die Gutachter keine Hindernisse für eine Erweiterung der WERKStadt mit einer Verkaufsfläche von dann 14 500 Quadratmetern festgestellt.

"Salami-Taktik"

Doch überzeugt haben die Gutachter die drei Fraktionen nicht. Paul-Josef Hagen, SPD-Stadtverordneter und Vorsitzender des Bauausschusses und Einzelhändler in der Altstadt, sagte in der Sitzung: "Ich vermisse in diesem Verfahren an der einen oder anderen Stelle die Ehrlichkeit." Er sprach von einer "Salami-Taktik", die dazu führe, "dass Misstrauen gesäht wird".

Zuvor hatte SPD-Fraktionschef Peter Rompf darauf hingewiesen, es seien einmal insgesamt 8000 Quadratmeter Verkaufsfläche angekündigt worden, doch nach dem zweiten Bauabschnitt seien es schon 14 500 Quadratmeter.

Der SPD-Stadtverordnete Dr. Marius Hahn sorgte sich um die Belange der Anwohner in der Diezer Straße, die schon jetzt unter dem starken Verkehr litten, der durch den Einzelhandel in der WERKStadt noch mehr zunehme. Da in dem Zentrum im ehemaligen Ausbesserungswerk hinter dem Bahnhof neben dem Einzelhandel auch Flächen für eine alternative Nutzung vorgesehen seien, die noch nicht feststeht, stelle sich für ihn die Frage: "Was passiert, wenn dort eine Discothek kommt?" Dann gebe es doch noch mehr Verkehr.

Die Vertreter der Grünen betonten, sie seien nicht grundsätzlich gegen die WERKStadt, aber das Hauptproblem sei die Zunahme des Verkehrs in der ohnehin stark belasteten Innenstadt. "Die Verkehrsströme werden schon jetzt nicht mehr bewältigt", sagte Dr. Judith Eidt-Wendt (Grüne). Aber es gebe keine Antworten darauf, wie dieses Problem zu lösen sei. Durch eine größere WERKStadt werde zudem der Rest der Innenstadt, vor allem der Neumarkt, "abgehängt", befürchtet sie. Auch ihre Fraktionskollegin Barbara Sylla-Belok mahnte, die Sorgen der Limburger Einzelhändler in der Innenstadt vor der WERKStadt ernstzunehmen.

Die BZL-Fraktionsvorsitzende Sigrid Schmüser kritisierte, die Gutachter hätten den negativen Stellungnahmen der umliegenden Kommunen zur WERKStadt nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt. Wenn von Anfang an bekannt gewesen wäre, dass in der WERKStadt einmal 14 500 Quadratmeter Verkaufsfläche für den Einzelhandel geschaffen werden würde, "wäre das nie genehmigt worden". Limburg müsse einen Luftreinhalteplan aufstellen, stattdessen sorge eine noch größere WERKStadt für noch mehr Verkehr. "Die Limburger haben ein Recht auf gesunde Luft", sagte sie.

Es folgte die Stunde der Befürworter von CDU, FWG und FDP, die zusammen über 23 Stimmen und damit die Mehrheit verfügen. "Die Bürger wollen und lieben die WERKStadt", sagte Sigi Wolf, Ortsvorsteherin und CDU-Stadtverordnete. "Es sind schon Geschäfte kaputt gegangen, als es noch gar keine WERKStadt gab." Das Problem seien die zu hohen Mieten in der Innenstadt. Und im Übrigen steige durch das Zentrum hinter dem Bahnhof die Vielfalt in der Einkaufsstadt Limburg. "In der Altstadt finde ich für mich kein relevantes Geschäft", sagte sie in Anspielung auf das Warenangebot in vielen Altstadt-Geschäften.

Die WERKStadt sei eine "Riesenchance" für Limburg, sagte die FDP-Fraktionschefin Marion Schardt. Das Zentrum hinter dem Bahnhof sei eine "tolle Aufwertung der Innenstadt als Einkaufsziel". Der zweite Bauabschnitt sei sehr wichtig, "weil er die Verknüpfung mit der Innenstadt bedeutet".

Darauf wies auch Bürgermeister Martin Richard (CDU) hin. Das Städtebauförderprogramm, mit dem Altstadt, Neustadt und WERKStadt besser miteinander verbunden werden sollten, diene dazu, die gesamte Innenstadt aufzuwerten. "Wir betreiben mit der WERKStadt Stadtplanung", sagte Richard. Viele Autofahrer, die an der WERKStadt parkten, würden von dort zu Fuß in die Innenstadt laufen.

200 Arbeitsplätze

Es müsse einmal positiv zur Kenntnis genommen werden, dass in die WERKStadt insgesamt 20 Millionen Euro investiert und 200 Arbeitsplätze geschaffen würden, sagte die FDP-Fraktionschefin Schardt. Falls der zweite Bauabschnitt abgelehnt werde, würde es auch keine staatlichen Fördermittel für ein Mechanikum, ein Mitmach-Museum, mehr geben, das doch von allen Fraktionen begrüßt worden sei, betonte Schardt. Und was den Verkehr betreffe: "Die WERKStadt ist nicht verantwortlich für das Verkehrsproblem in der Innenstadt."

Den Argumenten von Marion Schardt "kann ich nur beipflichten", sagte CDU-Fraktionschef Michael Köberle. Die Gutachten hätten gezeigt, dass die Erweiterung der WERKstadt funktioniere.

"Die Stadt Limburg sollte sich weiterentwickeln und nicht stagnieren", sagte FWG-Fraktionschef Werner Laux. "Die WERKStadt wertet die Stadt für die Zukunft auf." Die Einzelhändler sollten das Zentrum hinter dem Bahnhof als "Chance" ansehen. Seine Fraktion werde der Erweiterung zustimmen.

Auf Antrag der SPD wird es am kommenden Mittwoch, 18.15 Uhr, im Rathaus eine weitere gemeinsame Sitzung des Stadtentwicklungs- und Bauausschusses zum Thema WERKStadt-Erweiterung geben. Am darauffolgenden Montag stimmen die Stadtverordneten dann über den ersten von mehreren Planungsschritten ab. dick

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