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Wann gibt‘s den Kreisel-Kollaps?

Von In den kommenden Woche biegt die Diskussion um die Erweiterung der WERKStadt auf die Zielgerade ein. Ein wichtiges Thema dabei ist auch die Frage des Verkehrs. Und es gibt Zweifel an den Aussagen der Gutachter.
Ein Rückstau hinter dem Kreisel hat sich schnell gebildet. Die Situation werde jedoch subjektiv falsch beurteilt, heißt es in der Stellungnahme der Stadt. Nach dem Kreisel folgt die Ampelanlage an der Schiede-Kreuzung.	Foto: Laubach Ein Rückstau hinter dem Kreisel hat sich schnell gebildet. Die Situation werde jedoch subjektiv falsch beurteilt, heißt es in der Stellungnahme der Stadt. Nach dem Kreisel folgt die Ampelanlage an der Schiede-Kreuzung. Foto: Laubach
Limburg. 

"Hinsichtlich der Belastung des Kreisverkehrsplatzes Diezer Straße/Joseph-Schneider-Straße bewegt man sich in einem Schwellenbereich, der – als Zone ausgedrückt – als Bereich der Grenzleistungsfähigkeit gilt. Von Beobachtern vor Ort wird dies als schwerer Mangel empfunden. Gutachterlich konnte jedoch die Grenzleistungsfähigkeit des Knotenpunkts nachgewiesen werden", heißt es in einem Abwägungsvorschlag der Stadt. Damit werden Bedenken, in diesem Fall einer angrenzenden Grundstücksgemeinschaft, ins Lot gerückt.

Abgestimmt wird über die Einwände zur Erweiterung der WERKStadt um eine Verkaufsfläche von 10 000 Quadratmeter und die jeweils vorgelegten Abwägungsvorschläge der Stadt am Montag, 6. Februar. Dann entscheidet die Stadtverordnetenversammlung über den Satzungsbeschluss für den zweiten Bauabschnitt. Passiert der Bebauungsplan die Versammlung, erhält er Rechtskraft. Die eingehende Diskussion beginnt am Dienstag, 31. Januar, wenn die Ausschüsse für Stadtentwicklung und Bau um 19.15 Uhr im Rathaus zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen kommen.

Falsche Bewertung

In den Abwägungsvorschlägen zu den im Verfahren eingegangenen Bedenken und Anregungen macht die Stadt darauf aufmerksam, dass sich die Bemessung an der Belastung des Kreisels keineswegs an den höchstbelasteten Stunden des Jahres ausrichtet. Staus nach Unfällen, an Adventssamstagen, nach Kolonnen oder bei widrigen Witterungsverhältnissen seien hinzunehmen. Dazu gehöre auch, dass nicht allein aus dem Rückstau auf das zu schließen sei, was ein Verkehrsknoten verkrafte. Rückstaus, so die Begründung in der Abwägung, würden subjektiv falsch bewertet. Bei Kreisverkehren komme es je nach sehr kurzfristiger Verkehrslage eben zu Rückstaulängen zwischen sehr lang und kurz.

Der Altstadtkreis, der die Erweiterung der WERKStadt um eine Verkaufsfläche von 10 000 Quadratmetern ablehnt, hält es weder für seriös noch für zukunftsorientiert, wenn der Kreisel mit einer Auslastung von 97 Prozent als noch ausreichend eingestuft wird, ohne dass die nun dazu kommende Mehrbelastung verlässlich in die Prognosen eingearbeitet wurden. Als ungeklärt stuft der Altstadtkreis die Verkehrsentwicklung durch den zusätzlichen Anlieferverkehr für die erweiterte WERKStadt an, den Verkehr in Verbindung mit dem Generationenzentrum, die Belastung durch Lastwagen für die Erweiterung der Firma und die Zunahme des Verkehrs mit Entwicklungen auf dem Schafsberg (St.-Vincenz-Krankenhaus).

Gezielt angefahren

Erhebliche Zweifel an dem Gutachten gibt es auch aus dem Biwak Bike und Outdoor Zentrum. Die Annahme, wonach vier von zehn Kunden die WERKStadt nicht mit dem Wagen erreichen, erscheint der Geschäftsführung absolut unrealistisch. Auch der so genannte Mitnahmeeffekt von 30 Prozent (wonach rund jedes dritte Fahrzeug, dass das Einkaufszentrum besucht, ohnehin dort vorbeigefahren wäre) entspreche nicht der Realität. "Die WERKStadt wird von ihren Besuchern gezielt angefahren und nicht weil sie zufällig ,auf dem Weg liegt‘", heißt es in dem Einwand.

Nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer, die der Erweiterung um 10 000 Quadratmeter grundsätzlich positiv gegenüber eingestellt ist, muss die Stadt sicherstellen, dass mit dem zusätzlichen Verkehr nicht eine erhebliche Beeinträchtigung der Erreichbarkeit der Innenstadt sowie der dort bestehenden Betriebe und Einrichtungen verbunden ist. Die Gremien der Kammer nehmen die Aussagen der Gutachter zur "Grenzleistungsfähigkeit" des Kreisels zur Kenntnis, mehrheitlich bestehe jedoch der Eindruck, als werde diese Grenzleistungsfähigkeit bereits ohne den zweiten Bauabschnitt überschritten. Die Gremien der Kammer fordern eine Entlastung der Innenstadt und eine schnellstmögliche Umsetzung der Südumgehung.

Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) hingegen warnt vor den Folgen einer Ausweitung der Verkaufsflächen. "Schon heute gibt es Probleme mit der Luftreinhaltung, mit der Diezer Straße und dem Kreisel an der Zufahrt zur WERKStadt", erklärt Werner Hartmann, Sprecher des VCD-Kreisverbands. Bei einer Erweiterung der WERKStadt dürften nicht alle freien Kapazitäten des Hauptverkehrsnetzes gebunden werden. Es müsse noch Spielraum bleiben für die Aufwertung innerstädtischer Geschäftslagen in der Graben- und Hospitalstraße. Ein Einbahnstraßenreglung wird dabei als sinnvoll eingestuft oder auch die abschnittsweise Sperrung der Grabenstraße.

Busangebot ausbauen

Nach Einschätzung von Werner Hartmann vom Verkehrsclub sei dringend eine Ausweitung der Busangebote in Limburg notwendig und ebenso die konsequente Bereitstellung städtischer Verkehrsflächen für die Radler. Weniger Verkehr gebe es auch dann, wenn ein Teil der WERKStadt-Flächen zum Wohnen zur Verfügung gestellt würde.

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