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"Was geplant wird, bestimmen wir"

Von Heute fällt im Rathaus die Entscheidung darüber, auf welche Trasse die Südumgehung weiter geplant wird. Kein neues Thema in Limburg. Die "Bürger gegen die Südtangente/Alttrasse" weisen auf die Diskussion in den 1960er-Jahren hin.
Der Illustrator Michi Schmitt aus Limburg hat den vergangenen Kommunalwahlkampf in Limburg in ein Aquarium verlegt. Heute werden der schwarze oder graue und der rote Fisch gemeinsam schwimmen. Der Illustrator Michi Schmitt aus Limburg hat den vergangenen Kommunalwahlkampf in Limburg in ein Aquarium verlegt. Heute werden der schwarze oder graue und der rote Fisch gemeinsam schwimmen.
Limburg. 

Seit Jahrzehnten wird über die Trasse der Südumgehung diskutiert, heute Abend wird es zum ersten Mal eine deutliche Mehrheit geben, die sich für einen Verlauf der Straße auf der so genannten Alttrasse ausspricht. CDU und SPD haben sich im Vorfeld der Stadtverordnetenversammlung, die heute um 19.15 Uhr im Rathaus beginnt, klar für diese Variante ausgesprochen und unterstreichen ihren politischen Willen auch mit einem gemeinsamen Antrag. Auf dieser Variante sollen die Planungen einer Umgehung dann weiter vorangetrieben werden. Allerdings haben Vertreter der bestehenden Vereine gegen die Alttrasse und die Südumgehung um Blumenrod angekündigt, gegen "eine Umgehung auf der Alttrasse zu kämpfen".

Antworten der Fraktionen

Die "Bürger gegen die Alttrasse/Südtangente" haben inzwischen Antworten auf ihren verschickten Fragebogen erhalten. Sie sind keine Überraschung. FDP, BZL und Grüne sind entschiedene Gegener einer Umgehung auf der Alttrasse und der damit verbundenen Auswirkungen auf den Eduard-Horn-Park, das Paradies, sind gegen eine offene Bauweise des Tunnels und gegen dessen Verlängerung, wie er von der SPD ins Spiel gebracht wird.

CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Köberle, der Stadtverbandsvorsitzende Michael Stanke sowie die SPD mit Peter Rompf (Fraktions- und Stadtverbandsvorsitzender) und Dr. Marius Hahn benötigen für ihre Antworten mehr Platz, als auf dem verschickten Fragebogen mit sechs Fragen und den Möglichkeiten, jeweils Ja und Nein anzukreuzen, vorgesehen ist.

CDU und SPD machen dabei deutlich, dass die Alttrasse keineswegs eine Wunschtrasse ist, sondern die verbleibende Möglichkeit, dass Limburg weiter auf eine Umgehung hoffen kann. Zudem glauben sie, im weiteren Verlauf der Planungen noch Änderungen erreichen zu können, um einen Monsterkreisel zu verhindern, die Frankfurter Straße nicht abgehängt wird und mehr. Die CDU macht zudem deutlich, dass der Verzicht auf eine Vorzugsvariante, die möglichst in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen werden soll, bedeute, sich die Option einer wirksamen Entlastungsmöglichkeit zu versagen.

Die Alttrasse soll durch das Wohngebiet Blumenrod verlaufen. Dabei steht die Frage im Raum, ob die Flächen für eine Straße freigehalten wurden und was die Bauwilligen von einer möglichen Straße wussten. Klar ist, dass erste Pläne in den 1930er Jahren militärischen Charakter hatten, um die neue Autobahn möglichst schnell mit den Kasernen in Diez zu verbinden.

Diskussion im November 1967

Der Verein "Bürger gegen die Südtangente/Alttrasse" weist nun noch einmal auf die Diskussion in den 1960er Jahren hin. Im November 1967 hatte die CDU Bürger aus der Südstadt ins Vereinsheim des VfR 07 eingeladen, um die Probleme dieses Stadtteils zu diskutieren. Es gab ganz offensichtlich nur ein Thema: Die Südumgehung. Auch damals ging es darum, viel Verkehr, der mitten durch die Stadt lief und nicht dort hingehöre, möglichst umzuleiten. Allerdings war zu dieser Zeit der Schiedetunnel noch nicht gebaut und so gab es die Hoffnung, doch einen Teil der Limburger Verkehrsprobleme damit zu lösen.

Und auch im November 1967 war es ein Thema, ob die Hausbesitzer darüber informiert worden waren, dass eine Straße droht. Fraktionsmitglied Werner Schmich räumte ein, dass den Bauwilligen, die damals in gutem Glauben dort ihr Anwesen errichtet hätten, nicht gesagt worden sei, dass in diesem Bereich eine Umgehungsstraße geplant sei. Nur von einem Grüngürtel sei die Rede gewesen. Doch in den Plänen der Straßenbauverwaltung seien die Flächen für eine Straße reserviert gewesen.

In der Versammlung machte die CDU deutlich, dass sie den Magistrat dazu veranlasst habe, einen Bebauungsplan für Blumenrod aufzustellen, um die freigehaltenen Flächen als Grünflächen auszuweisen. Und alle Stadtverordneten seien der Meinung, dass die Umgehungsstraße eine andere Linienführung finden müsse. Stadtverordnetenvorsteher Christ wird in der Zeitung zitiert: "Was geplant wird, bestimmen wir, selbst auf die Gefahr hin, dass dann nichts geschieht".

Unbekanntes Ausmaß

Ob die mögliche Straße den neuen Hausbesitzern nun bekannt war oder nicht, das ist für Werner Laux, Vorsitzender der FWG-Fraktion, völlig egal. Denn selbst wenn es das Wissen um die Straße gegeben habe, niemand hätte vor 30 oder 40 Jahren erahnen können, mit welchen Ausmaßen sie einmal durch Blumenrod führen wird, wenn sie gebaut wird. Auf vier Spuren, mit Einhausungen, Tunnel, Anschlüssen und noch mehr. Das habe mit einer Straße, wie sie möglicherweise einmal in der Vergangenheit angedacht war, nichts mehr gemein.

Im Vorfeld der heutigen Abstimmung haben sich Industrie- und Handelskammer und die Werbegemeinschaft CityRing klar zu einer Entscheidung für die Alttrasse bekannt. Sie ermögliche eine Umverteilung des Verkehrs, eine spürbare Entlastung der Diezer Straße und biete schließlich auch die Chance, einen Großteil des Lastwagenverkehrs nicht durch die Innenstadt zu führen. Positiv merkt der CityRing zudem an, dass sich zum ersten Mal eine deutliche politische Mehrheit für eine Trassenführung abzeichnet.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz hingegen (BUND) hält gar nichts davon, die Planungen für eine Südumgehung auf der Alttrasse weiter zu verfolgen. Die damit verbundenen Schäden und Eingriffe in die Naherholungsgebiete stünden in keinerlei Verhältnis zur doch eher bescheidenen Verkehrsentlastung.

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