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Werte voller Widersprüche

Bis zu 46 Prozent weichen die Werte des von der Stadt in Auftrag gegebenen Verkehrsgutachtens der Firma VERTEC von denen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) ab. Das behauptet der Verein "Keine Südumgehung Limburg", der am Donnerstagabend auf merkwürdige Differenzen und Widersprüche hinwies.
Die Infoveranstaltung stieß bei zahlreichen Bürgern auf Interesse.	Foto: Fischer Die Infoveranstaltung stieß bei zahlreichen Bürgern auf Interesse. Foto: Fischer
Limburg-Linter. 

An der Gutachterfirma VERTEC ließen die Vorstandsmitglieder bei ihrer Informationsveranstaltung am Donnerstagabend in der Gaststätte "Zur Post" kein gutes Haar. Vereinsvorsitzender Ralf Jung-König verglich die Zahlen des von der Stadt eingeholten Gutachtens über das Verkehrsaufkommen an bestimmten Stellen in und rund um Limburg mit den Werten der BASt, die ihre Verkehrsmessungen im Fünfjahresrhythmus durchführt. Das Ergebnis: "An fast allen Stellen, wo es für die Südumgehung interessant ist, weichen die Werte von VERTEC meist deutlich zweistellig ab. Dort, wo die Werte gar nicht in Richtung Südumgehung weisen können, stimmen sie erstaunlicherweise überein."

Daten völlig überholt

Der Vereinsvorsitzende kritisierte weiterhin, dass die Werte von VERTEC, auf denen die Entscheidung der Stadt basiere, völlig überholt seien: "Die neuesten Werte stammen aus dem Jahr 2005. Danach folgen nur noch Prognosewerte, obwohl die BASt längst neuere Zahlen gemessen hat, die in noch höherem Maße von den prognostizierten VERTEC-Werten abweichen als bei den gemessenen Ist-Werten."

Auch warf der Vorstand von "Keine Südumgehung Limburg" dem VERTEC-Gutachter Klaus Kohm Widersprüche in seinen Aussagen vor: Dieser war im Zuge der Diskussion um die WERKStadt von der NNP mit der Erwartung zitiert worden, dass die allgemeine Verkehrsentwicklung in Limburg wegen des demographischen Wandels zurückgehe. Tatsächlich belegen diesen Rückgang auch Zahlen der Landesagenturen des Kreises Limburg-Weilburg und des Rhein-Lahn-Kreises, die der Vereinsschriftführer Jörg Dönges ebenfalls vorstellte. In dem Verkehrsgutachten von VERTEC für eine Umgehungsstraße seien nun ganz andere Zahlen aufgetaucht, nach denen die Bevölkerungsentwicklung von 2005 bis 2020 sogar noch um fünf Prozent zunehmen werde.

Demonstrativ Saal verlassen

Nach der Präsentation dieser Zahlen – in deren Verlauf Amtsträger wie etwa die Limburger Ortsvorsteherin Sigi Wolf (CDU) demonstrativ den Saal verlassen hatten – sprach Ralf Jung-König sein Anliegen offen aus: "Es geht uns darum, dass diese fragwürdigen Werte in den Entscheidungsprozess eingehen sollen." Auch der stellvertretende Vorsitzende Professor Dr. Jürgen Distler kritisierte, dass man sich nie 100-prozentig auf ein Gutachten verlassen sollte, das zu großen Teilen auf Prognosen basiert.

Es sei bekannt, dass bei jedem Gutachten die Richtung vorgegeben werde und sich der Auftraggeber von vornherein für den Gutachter entscheide, mit dem er gute Erfahrungen gemacht habe: "Man kann fast alles mit einem Verkehrsgutachten belegen." Er zeigte die Vorteile einer schon in den 90er-Jahren diskutierten und dann verworfenen Westumgehung auf, deren Umsetzung damals zu lange gedauert habe. Heute böten sich jedoch bestehende Straßen an wie das ehemalige Bundeswehr-areal rund um die Freiherr-vom-Stein-Kaserne Diez, verbunden mit einer Anbindung an die geplante Elzer B-8-Umgehung. "Diese Lösung hat zumindest einen gewissen Charme", sagte Distler.

Der CDU-Fraktionschef Michael Köberle äußerte sein Unverständnis darüber, das der Verein die vorgestellten Unstimmigkeiten nicht bei einer früheren Runde im Beisein der Gutachter vorgetragen habe. "Es wäre schön gewesen, wenn derjenige, der hier beschuldigt wird, auch anwesend ist", sagte Michael Köberle. Auch aus dem Publikum regte sich Unmut: "Sie haben zu Beginn gesagt, dass Sie den schwarzen Peter nicht nach dem Florianprinzip einfach auf andere schieben wollen", hieß es aus dem Publikum, "dabei ist das genau das, was Sie nun tun. Wenn nicht die Leute im Süden betroffen sind, sind es halt die im Westen."

FDP-Fraktionschefin Marion Schardt versuchte, die Wogen zu glätten. Es werde einen weiteren öffentlichen Beratungsgang mit allen Gutachtern geben. "Wir sollten jetzt erst einmal alle noch offenen Fragen zur Südumgehung, wie etwa die nach den Kosten, klären", sagte sie. "Vorher möchte ich mich mit Überlegungen zur Westumgehung nicht beschäftigen."

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