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Wie teuer wird eine Südumgehung?

Am Ende der Ausschusssitzung wurde es wieder etwas ruhiger im Rathaus. Hessen Mobil wird eine Vorzugsvariante der Limburger Südumgehung nicht ohne entsprechenden Beschluss der Stadtpolitik an das Bundesverkehrsministerium melden.
In der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses im Limburger Rathaus hielten die Gegner einer Südumgehung Protestplakate hoch.	Foto: jl In der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses im Limburger Rathaus hielten die Gegner einer Südumgehung Protestplakate hoch. Foto: jl
Limburg. 

"Wir wollen eine verbindliche Aussage", forderte eine Vertreterin des Vereins "Bürger gegen die Südtangente". Eine verbindliche Aussage darüber, dass "Hessen Mobil – Straßen- und Verkehrsmanagement" keine Vorzugsvariante dem Bund ohne entsprechenden Beschluss der Limburger Stadtpolitik meldet. Im Verlauf der vorhergehenden Diskussion hatte Kathrin Brückner von der Abteilung Planung von Hessen Mobil (ehemals Amt für Straßen- und Verkehrswesen) durchblicken lassen, die Fachbehörde würde eine weiter zu planende Vorzugsvariante auch ohne entsprechendes Votum der Stadtpolitik melden.

Doch davon war am Schluss nicht mehr die Rede. Kathrin Brückner fühlte sich falsch verstanden. Allerdings hält sie es für selbstverständlich, dass sich Vorschläge im Laufe eines Verfahrens auch ändern können. Das zeichnet sich bei der Limburger Südumgehung ab. Der Grundsatzbeschluss der Stadtverordnetenversammlung aus dem Jahr 2001, daran erinnerte Marion Schardt (FDP), setzt auf die Variante 1, also die Umfahrung von Blumenrod.

Kostenexplosion

Doch die Kosten für diese Streckenführung sind explodiert und betragen nach der aktuellen Schätzung rund 102 Millionen Euro. Der Lenkungsausschuss, bestehend aus Vertretern der Städte Limburg und Diez sowie der Straßenbauverwaltungen der beiden Bundesländer, hatte sich deshalb für die Variante 2 (Alttrasse) mitten durch Blumenrod ausgesprochen, die 67 Millionen Euro kosten soll. Doch diese Kostenschätzung wurde an diesem Abend massiv in Zweifel gezogen. Zum einen durch Stephan Vogt als Vertreter des Vereins "Bürger gegen die Südtangente", zum anderen aber auch durch alle Fraktionen. Vogt kritisierte, dass es noch keine genauen Angaben zur Kostenermittlung für die Umgehung auf der Alttrasse gibt. Jörg Dönges als Vertreter des Vereins "Keine Südumgehung Limburg" kündigte eine Klage an, um an die Zahlen zu kommen.

Problem mit Grundwasser

In der Tat ist das Prozedere etwas undurchsichtig, wenn es um die Kosten geht: Der Bau der Umgehung wird mit rund 67 Millionen Euro auf der Alttrasse beziffert, gleichzeitig gibt es ein Schreiben aus dem Rathaus an beide Vereine, dass das Kostenmanagement noch nicht fertiggestellt ist und damit auch nicht öffentlich gemacht werden könne. Kathrin Brückner sprach noch von "redaktionellen Arbeiten", die noch zu machen seien, und einigen Nachbesserungen, um den Vorschlag dem Ministerium vorlegen zu können.

Nach Angaben von Bürgermeister Martin Richard (CDU), der ausdrücklich davor warnte, weitere Umgehungsvarianten wie die Westumgehung wieder in die Diskussion mit aufzunehmen, geht es nun erst einmal darum, vom Ministerium ein positives Signal zu bekommen, dass die Planungen weiterlaufen können. Das sei aufgrund der Kostenentwicklung keineswegs selbstverständlich.

Nach Angaben von Kathrin Brückner steht die Südumgehung Limburg mit einem Kostenvolumen von 20 Millionen Euro im Bundesverkehrswegeplan. Die derzeit günstigste Variante ist mit 67 Millionen Euro grob veranschlagt, die Variante um Blumenrod herum ist noch einmal deutlich teurer. Bei einer solchen Kostensteigerung sei es sinnvoll, dem Ministerium eine Vorlage zu machen, um eine Rückmeldung zu bekommen. Wobei die Rückmeldung nicht unbedingt "weiterplanen" lauten muss, sondern auch lauten kann: Zu teuer.

Dass sich die Südumgehung auf der Alttrasse für 67 Millionen Euro realisieren lässt, daran äußerten Peter Rompf und Dr. Marius Hahn (SPD), Sigrid Schmüser (BZL), Werner Laux (FWG) und auch Michael Köberle (CDU) erhebliche Zweifel, vor allem das Problem mit dem Grundwasser scheint derzeit nicht ausreichend untersucht zu sein. Deshalb soll das Thema Südumgehung in einer weiteren Ausschusssitzung beraten werden.

Dazu soll ein Gutachter Aussagen zur hydrologischen Situation machen und erläutern, ob weitere Untersuchungen notwendig sind. Zudem soll der Verkehrsgutachter die Problematik der Anschlüsse der Südumgehung an das bestehende Straßennetz erläutern. Und natürlich geht es beim nächsten Mal auch um die Kosten. Die Mitglieder des Ausschusses gehen davon aus, dass es dann konkrete Angaben zur Kostenermittlung gibt.

"Stimmen wir doch ab"

Die unterschiedlichen Ziele beim Thema Südumgehung werden in den Positionen von Werner Laux (FWG) und Helmut Geis (Grüne) ganz besonders deutlich: Für Laux geht es darum, mit der Südumgehung in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen zu werden. Nur Projekte im vordringlichen Bedarf haben die Chance auf eine Verwirklichung. Im Jahr 2013 muss das Land seine Straßen für den Bundesverkehrswegeplan anmelden.

"Stimmen wir doch ab, dass wir die ganze Sache einstellen", schlug hingegen Helmut Geis für die Grünen vor. Die Grünen seien immer schon Gegner der Südumgehung gewesen. Und wie fern und unrealistisch eine Verwirklichung der Südumgehung sei, das zeige sich bei der aktuellen Diskussion, sagte der Stadtverordnete. jl

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