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Wo die Nächstenliebe aufhört

Im katholischen Wohlfahrtsverband Caritas herrschen derzeit scharfe Auseinandersetzungen um den Lohn. Vor allem geht es um das Gehalt für die niedrigen Lohnstufen. Morgen, Dienstag, soll in Frankfurt über den Tarif für das Bistum Limburg verhandelt werden.
Das Caritas-Logo. Das Caritas-Logo.
Limburg. 

Das lateinische Wort "caritas" wird gemeinhin als "Nächstenliebe" übersetzt. "Caritas" ist aber auch der Name der Wohlfahrtsorganisation der katholischen Kirche. Bei der Bezahlung der eigenen Mitarbeiter stößt die Nächstenliebe im Caritasverband aber offenbar an Grenzen. Das ist zumindest die Meinung der Mitarbeitervertretung in der Regionalkommission Mitte. Die Kommission ist unter anderem im Bistum Limburg für die Klärung arbeitsrechtlicher Fragen zwischen Mitarbeitern und Arbeitgebern, bei der Caritas "Dienstgeber" genannt, zuständig.

"Die Dienstgeber wollen bei den niedrigen Entgeltgruppen nicht nur eine Nullrunde, sondern bei Neueinstellungen sogar eine Lohnabsenkung", fasst Helmut Kohmann zusammen. Er ist einer der Arbeitnehmer-Vertreter für das Bistum Limburg in der Regionalkommission Mitte.

1770 Euro brutto im Monat

Eigentlich gibt es eine Empfehlung der Bundeskommission, die über mehrere Stufen bis zum Jahresanfang 2013 eine Gehaltserhöhung von 6,3 Prozent vorsieht. Letztlich entscheiden aber die einzelnen Regionalkommissionen. Bayern und Nordrhein-Westfalen haben den Bundesvorschlag unverändert übernommen. In den übrigen Regionen und damit auch im Bistum Limburg wird noch verhandelt. Dabei geht es vor allem um die einfachen Mitarbeiter wie Pförtner und ungelernte Pflegekräfte. "Wer bei diesen Aufgaben bereits im Dienst ist, soll für zwei Jahre eine Nullrunde hinnehmen. Angesichts der Inflation sind das vier Prozent weniger Geld", rechnet Helmut Kohmann vor. Neu eingestellte Mitarbeiter dieser Lohngruppen sollen sogar drei Prozent weniger bekommen. "Und das sind bereits jetzt Leute, die nicht gerade üppig verdienen", sagt der Mitarbeitervertreter.

Ein Pförtner oder eine ungelernte Pflegehelferin verdienen bei Berufseinstieg jeweils knapp 1770 Euro brutto im Monat. Aus Arbeitgebersicht würde eine Lohnabsenkung dennoch Effekt zeigen. "Schließlich sind in der Pflege rund 50 Prozent der Kräfte ungelernt", berichtet Helmut Kohmann. Die Mitarbeitervertreter der Regionalkommission Mitte haben ausgerechnet, dass jeder zehnte Caritas-Mitarbeiter von einer Lohnerhöhung ausgeschlossen wäre, wenn die Dienstgeber sich durchsetzen. Wenn man die Lohnsteigerung für die übrigen Gehaltsgruppen als Vergleich heranziehe, komme für die Kollegen am unteren Ende der Einkommensskala eine Absenkung von bis zu 16,2 Prozent heraus.

Bistum Limburg schweigt

Was Helmut Kohmann besonders erzürnt, ist die Argumentation der Dienstgeber. Es gehe nicht darum, mit Lohnverzicht wirtschaftlich angeschlagenen Einrichtungen zu helfen, wie es jetzt schon laut Tarifvertrag möglich wäre. "Die Dienstgeber argumentieren vielmehr damit, dass man die Leistungen von Pförtnern oder von Pflegehilfen von privaten Anbietern günstiger bekommt", sagt Kohmann. "Aber diese Leute können davon nicht leben und müssen staatliche Transferleistungen beantragen." Gerade ein kirchlich gebundener Arbeitgeber dürfe sich nicht so verhalten, fordert der Mitarbeitervertreter. Das Angebot, die Lohnerhöhungen in den höheren Lohngruppen abzusenken und im Gegenzug die übrigen Kollegen teilhaben zu lassen, hätten die Dienstgeber abgelehnt. Bei den Fachkräften stehe man schließlich in Konkurrenz zu anderen Arbeitgebern.

Wie sich das Bistum Limburg im Tarifkonflikt positioniert, war nicht zu erfahren: Trotz Nachfrage hat die Pressestelle des Bistums eine schriftliche Anfrage der NNP nicht beantwortet.

Für den morgigen Dienstag sind in Frankfurt erneute Verhandlungen geplant. Die Caritas-Mitarbeiter wollen sich um 10 Uhr am Dominikanerkloster zu einer Kundgebung treffen.

Ob es zu Streiks kommen wird, wollte Helmut Kohmann nicht sagen. Vorerst hätten 10 000 Kollegen mit ihren Unterschriften die Forderung nach Übernahme des Bundes-Tarifvorschlags unterstützt. vt

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