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Zeit für die Aartalbahn wird knapp

Der notarielle Vertrag zwischen dem Immobilienunternehmen der Deutschen Bahn AG und den Verbandsgemeinden Diez und Hahnstätten zum Kauf der Aartalbahn wurde jetzt in Diez von den Bürgermeistern Volker Satony und Franz Klöckner unterzeichnet. Nur noch zweieinhalb Jahre stehen für die Herrichtung der Strecke bis zur geplanten Betriebsaufnahme eines stündlichen Personenverkehrs im August 2015 zur Verfügung.
Weitgehend baugleich mit den Triebwagen der Vectus sind die roten DB-Fahrzeuge (rechts), die ab August 2015 zwischen Limburg, Diez und Zollhaus pendeln werden.	Foto: Günther Weitgehend baugleich mit den Triebwagen der Vectus sind die roten DB-Fahrzeuge (rechts), die ab August 2015 zwischen Limburg, Diez und Zollhaus pendeln werden. Foto: Günther
Aartal. 

Mit den Planungen der Streckenreaktivierung hat der Zweckverband SPNV-Nord die Koblenzer MSW Ingenieurgesellschaft mbH betraut, die auch die Errichtung der Stationen und der technischen Ausrüstung umfasst. Diese Pläne sollen sich nach Auskunft des Büros bereits im fortgeschrittenen Stadium befinden. Laut Bürgermeister Volker Satony (Verbandsgemeinde Hahnstätten) will man sich jetzt Gedanken machen, welches Unternehmen die Eisenbahn-Infrastruktur für die kommenden 18 Jahre betreut.

Nach Auffassung des Fahrgastverbandes "Pro Bahn & Bus" ist viel wertvolle Zeit verschenkt worden, die eine rechtzeitige Betriebsaufnahme inzwischen fraglich werden lässt. Aufgrund der vom Mainzer "Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur" geforderten Aktualisierung der Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) für alle in Rheinland-Pfalz zur Reaktivierung anstehenden Strecken hat sich der Streckenankauf im Aartal um fast ein Jahr verzögert. Für Jürgen Lerch, Sprecher des Fahrgastverbands, ist unklar, aus welchem Grund noch keine grundsätzliche Entscheidung getroffen wurde, ob man die Infrastruktur mit einem eigenen Zweckverband betreiben oder ein Eisenbahn-Infrastruktur- Unternehmen (EIU) beauftragten will. Für beide Varianten gibt es erfolgreiche Beispiele: In Baden-Württemberg ist beispielsweise der kommunale "Zweckverband Schönbuchbahn" das EIU der 17 Kilometer langen Strecke von Böblingen nach Dettenhausen. Dieser hat die Strecke innerhalb von drei Jahren mit je zwölf neuen Stationen und technisch gesicherten Bahnübergängen ausgestattet sowie sechs Brücken saniert bzw. erneuert und die Geschwindigkeit von 50 auf 80 Kilometer pro Stunde erhöht.

Die zehn Kilometer lange Daadetalbahn im nördlichen Rheinland-Pfalz wurde nach einer – von der Deutschen Bahn ausgeführten – Komplettsanierung an die "Westerwaldbahn des Kreises Altenkirchen" übergeben, die dort seit 1994 für Strecke und Verkehr verantwortlich ist.

Vertrag mit DB Regio

Mit der Entscheidung des Zweckverbands SPNV-Nord, das Los 1 im Vergabeverfahren an die DB Regio Südwest zu vergeben, steht bereits fest, welche Fahrzeuge ab der geplanten Betriebsaufnahme im Aartal eingesetzt werden. Es handelt sich um bauartgleiche Dieseltriebwagen, wie sie von der Firma Vectus bereits seit 2004 in der Region eingesetzt werden.

Außerhalb der Hauptverkehrszeit soll ein Triebwagen im Stundentakt zwischen Limburg und Zollhaus pendeln, für den morgendlichen Schülerverkehr ist eine Verstärkung vorgesehen.

Für Volker Satony ist es wichtig, dass die Aartalbahn "mit einem intelligenten Zubringersystem von den Höhengemeinden" verbunden wird. Dazu laufen bereits Planungen des Verkehrsverbunds Rhein-Mosel (VRM), der auch erreichen will, dass es einen durchgehenden VRM-Tarif bis nach Limburg gibt. Völlig offen ist allerdings, inwieweit der hessische RMV einer Ausweitung auf das Limburger Stadtgebiet bzw. der Tarifzone 6001 zustimmt, die es erlauben würde, mit einer Karte auch die Schulen oder den Arbeitsplatz auf der Offheimer oder Dietkirchener Höhe zu erreichen. Vonseiten der Stadt Limburg wurde einer Reaktivierung der Aartalbahn bislang nur wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht, obwohl jede Entlastung vom Individualverkehr zu einer Verringerung von Lärm und Schadstoffen führen würde.

Vorerst kein Güterverkehr

Die Firma Schaefer-Kalk verzichtet für das Werk Hahnstätten – entgegen früherer Absichtserklärungen – derzeit auf die Anlage eines Gleisanschlusses an die zu reaktivierende Strecke. Wie Heike Horn, Geschäftsführerin der Firma Schaefer-Kalk, gestern auf Nachfrage der NNP bestätigte, sind "die Mengen, die wir an unsere Kunden liefern, zu gering, um sie über die Schiene zu transportieren. Andererseits haben wir zurzeit keine Kunden, die über einen eigenen Gleisanschluss angefahren werden wollen." Das Unternehmen sei jedoch in die Planungen eingebunden, sodass bei Bedarf zu einem späteren Zeitpunkt eine Gleisanbindung möglich bliebt. An der finanziellen Beteiligung zum Ankauf der Trasse halte Schaefer-Kalk fest. hpg

(hpg)
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