E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 14°C

Hessen im Ersten Weltkrieg: Zwischen den Fronten

Mit Beginn des Krieges galt der Verkehr auf den Schienen der Lahntalbahn und vielen anderen Bahnstrecken vorrangig militärischen Zielen und rfordernissen. Zug um Zug rollte vorbei an den Städten und Dörfern – nicht nur zu Beginn des Krieges.
Ein Lazarettzug im Limburger Bahnhof: Auf dem Schienenweg kamen die verletzten Soldaten wieder zurück und wurden teilweise in den Bahnhöfen versorgt oder auch in den überall eingerichteten Lazaretten aufgenommen. Bilder > Ein Lazarettzug im Limburger Bahnhof: Auf dem Schienenweg kamen die verletzten Soldaten wieder zurück und wurden teilweise in den Bahnhöfen versorgt oder auch in den überall eingerichteten Lazaretten aufgenommen.
Limburg/Diez/Weilburg. 

Am Freitag, 31. Juli 1914, wurde der Kriegszustand über Deutschland verhängt, einen Tag später erfolgte die allgemeine Mobilmachung. Urlauber und vor allem ausländische Kurgäste aus den berühmten Badeorten versuchten auf dem schnellsten Wege noch nach Hause zu kommen. Es setzte eine Furcht vor Spionen ein, man befürchtete Bahn- und Tunnelsprengungen sowie Brunnenvergiftungen. Die strategisch wichtige Lahntalbahn wurde daher an ihren Tunneln und Brücken, aber auch an Bahnübergängen, bewacht.

Die Truppentransporte begannen und in steter Folge rollten Züge in Richtung Westen. Am Sonntag, 9. August, passierte der sächsische Generalstab, deren Truppen die 3. Armee bildeten, den Bahnhof Diez und wurde dort mit Erfrischungen versorgt. Die Transporte der sächsischen Armee dauerten noch bis Mitte August.

 

Lazarettstädte

 

Bereits am 12. August waren die ersten Verwundeten in Diez eingetroffen Dort war die neue Kaserne zu einem Reserve-Kriegslazarett hergerichtet worden. Schon Anfang September reichte die Kapazität nicht mehr aus und im jüdischen Waisenhaus und dem Mädchen-Bildungs-Institut von Bismarck wurden jeweils 50 Betten für Verwundete bereitgestellt. Auch in Limburg gab es verschiedene Lazarette, so bei den Pallottinerinnen, im Limburger Schloss und Walderdorffer Hof.

Info: Militärfahrplan ab dem 3. Mobilmachungstag

In der Frühzeit betrachtete das Militär die Eisenbahnen mit Misstrauen, jedoch brachten die Kriege von 1866 und 1870/71 sowie der Verlauf des amerikanischen Bürgerkriegs ein Umdenken.

clearing

Der spätere Bürgermeister von Diez, Robert Heck, berichtet in seinem Tagebuch am 30. August: „Täglich laufen ungefähr 10 Gefangenen- und Verwundetentransporte durch. Für die Verwundeten ist in Limburg jedesmal ein Aufenthalt von einer Stunde vorgesehen. Hier werden die Ärmsten beköstigt und, wenn nötig, frisch verbunden. Der Limburger Bahnhof soll manchmal einem großen Lazarett gleichen.“ Auch in den folgenden Tagen bleibt es bei der großen Anzahl dieser Züge.

Ab dem 13. September kommen Züge mit Ersatzreservisten und ausgebildeten Freiwilligen aus dem Osten durch Diez, die dort nach wie vor von Frauen am Bahnhof bewirtet werden.

Robert Heck, der zu dieser Zeit Beigeordneter der Stadt und Leiter der Sammelstelle für den Bezirk Diez ist, ist von der Opferwilligkeit der Bevölkerung des Unterlahnkreises begeistert, die alle Erwartungen übertroffen habe. Er schreibt: „Berge von Wäsche und sonstigen Kleidungsstücken haben sich hier schon angehäuft. Ich mag noch so viele an die Lazarette, wo augenblicklich 500 Verwunderte untergebracht sind, abgeben oder nach Frankfurt schicken, es wird nie alle.“ Und weiter: „Was seit Ausbruch des Krieges an die Bahn und in die Lazarette geschleppt wurde, ist nach meiner Berechnung nicht mit 20 000 Mark zu bezahlen.“

 

Transport von Verletzten

 

Mitte November 1914 beobachtet Heck zahlreiche Truppentransporte vom westlichen nach dem östlichen Kriegsschauplatz. Alleine am 17. November sind es zehn vollbesetzte Züge, später durchschnittlich sogar 30 pro Tag mit Soldaten, die in tagelanger Fahrt von der West- zur Ostfront transportiert wurden.

Ein Teil der Kanonenbahn

Die Entstehung der aus strategischen Gründen geplanten „Berlin-Coblenzer-Eisenbahn“ (später auch „Berlin-Metzer“), oder allgemein als „Kanonenbahn“ bezeichneten Ost-West-Verbindung, ist eng

clearing

Das Reservelazarett in der Diezer Kaserne musste zum 24. November aufgelöst werden, um 1500 erwartete Reservisten aufnehmen zu können. Die Schwerverwundeten wurden in die anderen Diezer Lazarette, 222 leichter Verwundete in auswärtige Lazarette verlegt.

In Limburg und anderen Städten, die an der Lahntalbahn oder auch an der Moselstrecke lagen, war die Situation ähnlich. Schulen und andere große Gebäude, in Limburg zum Beispiel auch das Bootshaus, wurden in Lazarette umgewandelt.

Unzerstörte Bahn

Ein Militärtransport auf der Bahnstrecke vor dem damals noch spärlich bewachsenen Greifenberg. Im Vordergrund ist der Eschhöfer Weg deutlich zu erkennen.

clearing

Die Bahn blieb bis zum Kriegsende das wichtigste Transportmittel. Der Diezer Robert Heck notierte immer wieder in seinem Tagebuch, was und in welche Richtung transportiert wurde. So konnte er auch oft ablesen, was sich an der Front tat beziehungsweise in den nächsten Wochen tun würde.

Mit der Bahn zogen die Soldaten nicht nur in den Krieg und wechselten ihre Einsatzorte, mit ihr kehrten die Überlebenden in den meisten Fällen auch wieder in ihre Heimat zurück, als die Waffen endlich schwiegen.

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen