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Neubau der Feuerwache: 19 Architekturbüros beteiligten sich an einem Planungswettbewerb

Von Es lässt sich nichts schön reden: Das Gerätehaus in der Hunsrückstraße ist in miserablem Zustand und inzwischen viel zu eng. Wo der Neubau entstehen soll, ist klar. Aber wie wird er aussehen? 19 Architekturbüros beteiligten sich an einem Planungswettbewerb. Ihre Aufgabe war knifflig.
Rathauschef Frank Blasch (links) freut sich mit dem Architekten Michael Jöllenbeck, dessen Entwurf den ersten Platz belegt. Foto: Hans Nietner Rathauschef Frank Blasch (links) freut sich mit dem Architekten Michael Jöllenbeck, dessen Entwurf den ersten Platz belegt.

Im ersten Augenblick sieht alles unübersichtlich und schwer greifbar aus. Stellwände reihen sich an Stellwände. Lagepläne, Abbildungen und Erläuterungen sind daran befestigt. Im Kleingedruckten stehen seltsame Worte wie „1. Abmarsch“, „Einrücker“ und „Nachrücker“. Kunstfertige Modelle stehen davor.

Die Präsentation im Bürgerhaus Neuenhain hat aber ihren tieferen Sinn. Es geht um das wichtigste städtische Infrastrukturprojekt der kommenden Jahre. Bad Soden braucht dringend eine neue Feuerwache, weil das fast 50 Jahre alte Gerätehaus an der Hunsrückstraße sich mehr und mehr der Abbruch-Reife nähert und es nach Ansicht der Stadtoberen nicht mehr mit vertretbarem Aufwand zu sanieren ist (wir berichteten mehrfach).

Eine Tiefgarage ist tabu

Der Neubau soll auf dem ehemaligen Süwag-Gelände, Königsteiner Straße 28-32, entstehen. 19 Architekturbüros haben nun ihre Pläne und Modelle für den Neubau eingereicht. Die Fachleute hatten eine wahrhaft knifflige, anspruchsvolle Aufgabe zu bewältigen. Sie mussten 24 Stellplätze für Einsatzfahrzeuge, Wohnraum, Parkplätze und einen Schulungsraum für fast 200 Menschen unter einen Hut bringen. Obendrein sollte von dem 12 750 Quadratmeter großen Gelände noch möglichst viel Fläche übrigbleiben, damit sich dort Gewerbe ansiedeln kann.

Das klingt fast wie die Quadratur des Kreises, hat sich aber als machbar erwiesen, wie die 19 Darstellungen im Neuenhainer Bürgerhaus zeigen. Ein Preisgericht hat am Montag stundenlang getagt, die Entwürfe bewertet und den Sieger gekürt. Im Auftrag der Stadt Bad Soden begleitete der Darmstädter Universitätsprofessor Peter Karle den Wettbewerb. „Das Niveau der Entwürfe ist hoch“, attestiert der Architekt seinen Kollegen. „Keine ganz schlechte Arbeit wurde eingereicht. Das ist selten.“ Aber am Ende muss einer gewinnen. Ganz oben auf dem Treppchen landete das Büro „Jöllenbeck & Wolf“ aus Walldorf (bei Heidelberg). Peter Karle lobt die „kompakte und einfache Lösung“, die nahezu alle Anforderungen und Wünsche der Stadt und der Feuerwehr erfüllt.

Das Hauptgebäude ist parallel zur Königsteiner Straße angelegt. Wer davor steht, blickt links auf den Eingang und hat in der Mitte die große Fahrzeughalle, aus der die Autos direkt auf der „Kö“ landen. Seitlich angeordnet ist eine zweite Fahrzeughalle mit Einsatzwagen, die im Falle einer Alarmierung zum zweiten Schub gehören, der ausrückt. Rechts befindet sich ein Gebäude, in dem zehn Wohnungen für Feuerwehrleute einziehen sollen. Hintendran, zum Sulzbach hin gelegen, ist ein Übungshof. Die Abbildung oben illustriert den Siegerentwurf, dem der Stellvertreter von Stadtbrandinspektor Nick-Oliver Kromer, Thomas Velten, „eine klare Gliederung des Raumes“ bescheinigt.

Andere Architekten fügen die Bauteile anders zusammen. So gibt es zum Beispiel einen Entwurf, der die Wohnungen aufs Dach der Fahrzeughalle setzt. Schlechte Karten hat ein Planer, der anregt, einen Großteil der notwendigen Parkplätze in eine Tiefgarage auszulagern. „Das treibt die Investitionskosten nach oben“, weiß Peter Karle, der den 41 Meter hohen Aussichtsturm auf dem Weilbacher GRKW-Gelände und das überdimensionale Vogelnest in Hochheim entworfen hat.

Während die erstplatzierten Walldorfer einen überwiegend schnörkellosen Entwurf erarbeiteten, erinnern manche Modelle nicht unbedingt an eine Feuerwehrwache, bei der in erster Funktionalität gefragt ist. Peter Karle deutet auf eine Abbildung, die einen „sehr großzügigen und repräsentativen Zugang“ zeigt. Der Entwurf macht optisch was her, aber das Gebäude könnte nach Peter Karles Worten „fast ein Theater sein“. Die Kostenspanne ist breit. Würde das Siegermodell umgesetzt, müsste die Stadt nach heutiger und grober Schätzung 21 Millionen Euro ausgeben. Bei 75 Prozent der anderen Vorschläge würde es nach Angaben von Sodens Bürgermeister Frank Blasch (CDU) teurer werden. Die Stadt hatte den Planungswettbewerb europaweit ausgeschrieben. 25 Büros wurden zugelassen. 19 Büros reichten letztlich ihre Pläne und Modelle ein. Die Jury, die darüber urteilte, bestand aus Sach- und Fachpreisrichtern. Die Stadtverordneten-Fraktionen waren eingebunden.

Die Ausstellung der Entwürfe im Bürgerhaus Neuenhain (Hauptstraße 45) ist noch heute von 8.30 bis 16 Uhr und morgen von 8.30 bis 12 Uhr zu sehen.

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