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Weinlese: 2017 wird wohl ein guter Jahrgang

Von Gestern wurden die Trauben im städtischen Weinberg gepflückt. Einiges spricht dafür, dass es ein ordentlicher Jahrgang wird. Wie er schmeckt, weiß man erst in einem Jahr.
Karl-Heinz Harpf (rechts) misst mit einem Refraktrometer die Öchsle-Grade. Bernhard Racky ist auf das Ergebnis gespannt. Foto: Maik Reuß Karl-Heinz Harpf (rechts) misst mit einem Refraktrometer die Öchsle-Grade. Bernhard Racky ist auf das Ergebnis gespannt.
Diedenbergen. 

Einfach die ganze Weintraube abschneiden und in den Behälter werfen, so einfach geht Weinlese nun auch wieder nicht. „Beeren mit gelbem oder blauem Schimmel müssen rausgeschnitten werden“, sagt Jana Seidemann, die den Weinbau nicht nur studiert hat, sondern deren Familienbetrieb auch sechs Hektar Weinberge im Rheingau bewirtschaftet. Vertrocknete Beeren sind überhaupt kein Problem, aber wenn sich irgendwelches andere Material zwischen den Beeren angesammelt hat, muss es weg.

Seidemann war gestern durchaus gefragte Ansprechpartnerin auf dem städtischen Weinberg in Diedenbergen. Rund ein Dutzend Freiwillige, darunter einige Mitarbeiter der Stadtverwaltung, haben sich zur Weinlese eingefunden. Viele sind schon länger mit Begeisterung dabei, erkundigen sich aber schon, ob man diese oder jene Traube nehmen kann. Ungeeignete Früchte schaden der Qualität des Weines.

Um die kümmern sich auch Bernhard Racky und Karl-Heinz Harpf, auch sie ehemalige Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Sie sind mit dem Refraktometer im Weinberg unterwegs und ermitteln das Mostgewicht. Das wird in Grad Öchsle gemessen und hängt vom Anteil gelöster Stoffe im Saft ab. Vor allem handelt es sich um Zucker, und dessen Anteil ist mit ausschlaggebend für die Qualität des Weines.

Gute Lage

Racky zerdrückt eine Weinbeere und gibt die Flüssigkeit auf das Gerät. Dann schaut er gegen das Licht in den rohrförmigen Apparat. „90 Grad Öchsle“, stellt er fest. Freilich variiert das von Beere zu Beere, am gleichen Tag hat er schon 100 Grad bei einer anderen Beere gemessen. Eine zuverlässige Zahl lässt sich erst mit dem ausgepressten Saft ermitteln. Aber im Weinberg selbst kann man einen ersten Eindruck schon gewinnen.

Harpf und Racky sind sich einig, dass es wohl ein guter Jahrgang wird. „Meistens kriegen wir eine Spätlese“, sagt Racky. Im Rheingau müssen dafür mindestens 85 Grad Öchsle erreicht werden – nach den Stichproben im Weinberg dürfte das kein Problem sein. Mit 90 Grad Öchsle wäre übrigens ein Alkoholgehalt von 12,2 Prozent zu erwarten.„Das ist eine gute Lage hier“, wundert sich Jana Seidemann über die Messergebnisse gar nicht. Auch das Mikroklima stimmt. Schon bei der Einrichtung des Weinbergs Anfang der neunziger Jahre habe ein Gutachter erklärt, die Region bis weit in Richtung Frankfurt sei für den Anbau solcher Weine geeignet. Trotzdem hat die Stadt nur mir viel Mühe von den zuständigen Behörden die Genehmigung bekommen, den Weinberg einzurichten – aus dem Anbaugebiet Rheingau ist Diedenbergen herausgefallen, nachdem in den frühen siebziger Jahren die letzten Feierabendbauern im Ort den Weinbau aufgegeben haben. Deshalb darf der städtische Wein auch nicht verkauft werden. Und eine weitere Auflage war, dass auf dem Etikett immer nur die Qualitätsstufe Kabinett vermerkt wird – auch wenn der Wein nach den geltenden Kriterien zumeist höher einzustufen wäre.

Späte Lese

Umgekehrt bedeutet dies, dass es keine kommerziellen Interessen an der Weinproduktion gibt. „Da können wir eher mal experimentieren“, sagt Jana Seidemann. Deshalb wurde in diesem Jahr der Diedenbergener Sonnenhang, so die offizielle Bezeichnung, später gelesen als all die Weinberge im Rheingau. Außerdem habe dort vor ein paar Wochen Hagel die fast reifen Beeren getroffen, die daraufhin bald geerntet werden mussten, berichtet Seidemann. Diedenbergen blieb davon verschont.

Auch gestern hatten alle Beteiligten mit dem Wetter Glück, denn es regnete nicht. Natürlich kann man nasse Trauben ernten und verarbeiten, aber dann kommt Wasser mit in den Wein. Das mindert die Qualität. Das würde sich in einem Jahr bemerkbar machen, wenn die Firma Seidemann den Wein an die Stadt ausliefert. Demnächst ist der Jahrgang 2016 fertig, berichtet Petra Fuchs, die im Rathaus für den Weinberg zuständig ist. Sie hat die Aufgabe von Bernhard Racky übernommen. Der schätzt, dass 600 bis 700 Liter Wein gemacht werden können. Die Qualität übrigens könne, so Racky, künftig steigen - an dieser Stelle hat der Klimawandel einmal seine Vorteile.

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