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Jasmin möchte bleiben: Afghanische Schülerin der Main-Taunus-Schule kämpft um ihren größten Wunsch

Von Jasmin ist 13 Jahre alt und kommt aus Afghanistan. In Deutschland will sie ihren Traum verwirklichen und Ärztin werden. Doch der Asylantrag ihrer Familie ist gerade abgelehnt worden. Eine deutsche Studentin und ein Lehrer machen sich dafür stark, dass ihre Schülerin nicht zurück muss.
Lara Dudek (links) und Andreas Kuhn helfen Jasmin, Schülerin an der Main-Taunus-Schule. Foto: Hans Nietner Lara Dudek (links) und Andreas Kuhn helfen Jasmin, Schülerin an der Main-Taunus-Schule.
Hofheim/Eddersheim. 

„Jede gerade Zahl außer Zwei kann man als Summe zweier Primzahlen darstellen.“ Den Lehrspruch aus dem Mathematikunterricht hat sich Jasmin noch am letzten Schultag vor den Herbstferien gleich zweimal auf ihre Hand notiert. Unbedingt möchte sie nämlich das Schuljahr gut schaffen und irgendwann Chirurgin werden. Anderen helfen, vielleicht sogar in ihrer alten Heimat Afghanistan. Von der Intensivklasse hat sie es direkt in eine achte Gymnasialklasse der Main-Taunus-Schule geschafft. „Dass das so schnell klappt, ist eine große Ausnahme“, sagt Lehrer Andreas Kuhn, der die talentierte 13-Jährige vor dem Wechsel in die Regelklasse unterrichtet hat, hauptsächlich in Deutsch. 2015 war sie mit ihren Eltern und fünf jüngeren Geschwistern von Afghanistan nach Deutschland gekommen. „Die jüngste Schwester ist auf der Flucht in Griechenland geboren worden.“

Seit fast einem Jahr

Seit fast einem Jahr leben sie in der Eddersheimer Flüchtlingsunterkunft. Erst auf einem Zimmer, jetzt auf zweien. Gerne würde man natürlich mehr Platz haben. Aber – und das ist ihr größtes Problem – gerade erst sei die Ablehnung ihres Asylantrags angekommen. Warum weiß die 13-Jährige auch nicht so genau. „Andere haben das wohl besser formuliert“, vermutet sie.

Die anderen, das sind auch Familien aus Afghanistan, die erst viel später angekommen sind. „Alle dürfen bleiben, wir sind die einzigen in der Unterkunft, die abgelehnt wurden.“ Jasmin, die eigentlich Jasaman heißt, bekommt das alles hautnah mit, denn regelmäßig übersetzt sie Behördenbriefe der Mitbewohner. „Weil ich so gut Deutsch kann, kommen sie meist zu mir.“ Sie sehe dann die glücklichen Reaktionen. „Das ist schwer für mich.“ Nicht, dass die anderen bleiben dürften, sondern dass sie nicht bleiben dürfe, ergänzt sie schnell.

Dabei sei es in der Heimat nicht leicht gewesen. Auf dem Weg zur Schule habe sie das Gesicht verhüllen müssen. „Ich wollte das nicht, hatte aber Angst, sie würden mich stoppen.“ Auch ihr Vater sei dagegen gewesen. „Die Jungs konnten ganz normal zur Schule gehen, wir nicht.“

Drei bis vier Jahr seien sie nahe Kabul unterrichtet worden. Als die Schule zerstört worden sei, habe sich die Familie zur Flucht entschieden. „Mein Vater hatte gehört, dass man in Deutschland zur Schule gehen kann, er wollte, dass wir hier sicher leben.“ Eine Zeitlang habe man sich im Iran aufgehalten. „Aber da durften wir nicht zur Schule gehen, weil wir keinen Pass hatten.“ Mit einer Freundin, die Englisch gekonnt habe, habe sie ein wenig gelernt, mehr nicht.

Über die Balkanroute

Dann sei es weiter über die Balkanroute weitergegangen. Hierbleiben und weiter zur Schule gehen zu können, sei ihr größter Wunsch und natürlich, dass es allen Menschen in der alten Heimat irgendwann besser geht. Das würde sich auch Lara Dudek wünschen, die Jasmin im Mathe-Lern-Café der Schule kennengelernt hat und seitdem Kontakt hält. Auch jetzt, da sie Mathematik studiert. „Wenn sie mal etwas nicht versteht, schickt sie mir eine WhatsApp-Nachricht, sie ist ein Riesentalent.“ Gemeinsam mit Lehrer Kuhn macht sich die 18-Jährige dafür stark, dass Jasmin bleiben darf. Ein erster Schritt ist schon getan.

Gegen die Ablehnung hat die Familie inzwischen Klage eingereicht. Ein bisschen hofft Jasmin auch, dass man bald eine richtige Wohnung bekomme, wo man nicht mit allen die Küche und die Toilette teilen müsse. „Dann kann ich auch mal jemand zu mir einladen.“

An Freundinnen wird es dem fröhlichen Teenie in einem neuen Umfeld bestimmt nicht mangeln. Dann hätte sie vielleicht auch den Kopf frei für ein Hobby. „Sport würde mir gefallen, Volleyball oder sogar Boxen“, sagt sie kichernd. In Afghanistan habe es keine Vereine gegeben. „Ich glaube den Oberen dort sind Menschen nicht so wichtig.“ An Deutschland gefalle ihr, dass Mädchen hier nicht egal seien. „Hier sind alle gleich.“

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