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"Alle Politiker müssen den derzeitigen Terror bekämpfen"

Über 400 Teilnehmer verzeichnete die Protest-Andacht sowie der anschließende Gang ins Baugebiet Nord. Unter anderem hielt Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) auf dem Platz vor der Gallus-Kirche eine Rede, der evangelische Pfarrer Martin Hanauer verbrannte öffentlich ein Werbeprospekt der Fraport AG.
Prospekt-Verbrenner: Eine Werbeschrift der Fraport AG zündete Pfarrer Martin Hanauer werbewirksam an. Prospekt-Verbrenner: Eine Werbeschrift der Fraport AG zündete Pfarrer Martin Hanauer werbewirksam an.
Flörsheim. 

Und in den katholischen Gottesdiensten wurde eine Erklärung des Flörsheimer Pfarrers Frank-Peter Beuler verlesen, der sich darin mit dem Fluglärm auseinandersetzt.

Mit deutlichen Worten hatte sich der Rathauschef an die Teilnehmer der Protestveranstaltung gewandt. In den vergangenen 14 Jahren habe die Stadt Flörsheim gemeinsam mit den Nachbarkommunen Hattersheim sowie Hochheim nichts unversucht gelassen, um den Ausbau des Frankfurter Flughafens mit der Landebahn Nordwest zu verhindern. "So haben die Stadt Flörsheim wie auch die Städte Hattersheim und Hochheim bisher jeweils deutlich mehr als 2 Millionen Euro für die Verhinderung der neuen Landebahn Nordwest ausgegeben. Seit dem vergangenen Freitagnachmittag sei Wirklichkeit geworden, was "wir mit vereinten Kräften verhindern wollten". Auch wenn das letzte Urteil zur neuen Landebahn noch nicht gesprochen sei, so glaube niemand mehr daran, dass das Rad noch einmal zurückgedreht werden könne.

"Ist mir scheißegal"

Antenbrink setzte mit einer Tirade gegen den Flughafenbetreiber seine Ansprache fort: "Heute Morgen habe ich in der Werbezeitung der Fraport wieder einmal lesen dürfen, dass der Frankfurter Flughafen in einem internationalen Wettbewerb mit irgendwelchen Wüstenflughäfen im nahen oder fernen Osten steht. Das ist mir, um es deutlich zu sagen Herr Dr. Schulte, scheißegal. Worauf es ankommt, ist dass die wirtschaftlichen Interessen der Fraport und der Luftverkehrswirtschaft in direkter Konkurrenz zur Gesundheit der Menschen, die in dieser Region leben wollen, stehen."

"Wir müssen jetzt das Nachtflugverbot verteidigen. Es kann doch nicht wahr sein, dass der Hessische Landtag nahezu einstimmig einen Ausbau nur mit Nachtflugverbot beschließt und sich dann die Landesregierung einen Teufel darum schert und auch noch dagegen vor Gericht zieht. In was für einer Bananenrepublik leben wir denn eigentlich?", meinte Antenbrink. Ab dem heutigen Montag werde es keine Nachtflüge am Frankfurter Flughafen mehr geben und – oh Wunder – die Welt werde sich doch tatsächlich weiterdrehen, meinte Michael Antenbrink ironisch.

Vergleich mit der Pest

Die Erklärung von Pfarrer Frank-Peter Beuler zur neuen Fluglärmsituation in Flörsheim hat folgenden Wortlaut: "Mit dieser Erklärung möchte ich mein großes Entsetzen kundtun angesichts der enormen Steigerung des Fluglärms in Flörsheim seit Inbetriebnahme der unseligen Nordwest-Landebahn am Frankfurter Flughafen. Ich empfinde solidarisches Mitgefühl mit all jenen Bürgerinnen und Bürgern, die besonders stark vom Überflug der Flugzeuge betroffen sind – in Flörsheim-Nord und Flörsheim-Ost, aber auch in Wicker. Ich kann verstehen, dass man diese Situation für unerträglich hält und so mancher jetzt mit dem Gedanken spielt, aus Flörsheim wegzuziehen. Ich darf an alle, die diese Gedanken hegen, appellieren, keine überstürzten Entscheidungen zu treffen, auch wenn momentan die Lage aussichtslos erscheint. Der Entschluss, einen liebenswerten Ort, der zur Heimat geworden ist und in dem vielleicht schon viele Vorfahren gelebt haben, einfach zu verlassen und irgendwo anders ganz neu anzufangen, will reiflich überlegt sein. Solche Lebensentscheidungen dürfen nie das Produkt einer Kurzschlussreaktion sein. Ich teile mit Bürgermeister Antenbrink die Ansicht, dass Resignation die falsche Antwort auf die neue Lärmbelastung ist. Stattdessen sollten alle Kräfte versuchen, Widerstand zu leisten gegen die unerträgliche Situation. Mit der Demonstration am Freitagabend und dem anschließenden Protestzug ist schon ein guter Anfang gemacht. Ich begrüße es, dass die politisch Verantwortlichen der Stadt Flörsheim, politische Parteien und Vereinigungen bereit sind, den Kampf für den Erhalt der Lebensqualität in Flörsheim aufzunehmen. Ebenso begrüße ich, dass der neue Landrat Cyriax einen Forderungskatalog aufgestellt hat, der die Überprüfung und Veränderung der momentanen Flugbewegungen zum Ziel hat. Alle politischen Kräfte müssen ihr Möglichstes tun, um den derzeitigen Terror zu bekämpfen. Aber auch jeder Privatmensch ist aufgerufen, seinen Unmut kundzutun, nicht zuletzt gegenüber der Landesregierung. In diesen schweren Zeiten muss die Bürgerschaft zusammenstehen und darf sich nicht auseinander dividieren lassen. Es ist sicher kein übertriebener Vergleich, wenn wir an die Bedrohung Flörsheims durch die Pest im Jahre 1666 denken und uns das Durchhaltevermögen der damaligen Bevölkerung vor Augen führen. Nehmen wir uns die Vorfahren zum Vorbild." meh

(meh)
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