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Stiftung für Jugendliche: Alle sollen eine Chance bekommen

Nach vielen Entbehrungen in ihrer eigenen Jugend hat sich die 80-Jährige zu der Gründung einer Stiftung entschlossen. Heute hat ein Gesangsprojekt Premiere
Gesangstrainer Tobias Landsiedel (rechts) mit dem Projektchor, links die Stifterin Dr. Ute Wolski. Gesangstrainer Tobias Landsiedel (rechts) mit dem Projektchor, links die Stifterin Dr. Ute Wolski.
Bad Soden. 

Es macht einen Unterschied, Krieg, Hunger und Leid am Fernseher zu sehen, oder erlebt zu haben. Ute Wolski, 1937 geboren, ist während der Weltkriegs- und Nachkriegsjahre zur Schule gegangen. Not und Einschränkungen waren zu jener Zeit etwas Alltägliches, der Weg in die Zukunft sei mangels Chancenvielfalt ein schmaler, überschaubarer, selten ein wunschgemäßer gewesen, sagt die Seniorin. Diese Erfahrungen machen nachdenklich.

Schwierig war damals der Übergang von Schule zu Ausbildung und Beruf. Das ist selbst heute noch zu beobachten, auch wenn die Lebensumstände längst andere und die Rahmenbedingungen oft besser sind. Allerdings haben sich die Anforderungen gravierend gewandelt, zumal die Gegenwart für viele Kinder und Jugendliche voller Möglichkeiten sei: „Dabei ist die Gefahr, sich zu verlieren groß“, sagt Ute Wolski.

Gegen Benachteiligung

Manche jungen Leute wachsen fürsorglich und gut erzogen auf und schaffen es reibungslos, von der Schule in die Ausbildung zu wechseln. Aber es gibt es eben auch benachteiligte Schüler, die es aus ganz verschiedenen Gründen schwerer haben. Wolski folgert: „Das bedeutet für mich eine Verpflichtung, diese Chancenungleichheit anzugehen, und das möchte ich mit den Möglichkeiten einer Stiftung und den Menschen, die mit uns arbeiten wollen, erreichen.“ Die Idee zu einer solchen Initiative entstehe „nicht über Nacht“, erklärt Ute Wolski, eine gebürtige Aachenerin, deren Eltern ihre Wurzeln in Kronberg-Schönberg und Frankfurt hatten. Doch Ende 2016 setzte die Bad Sodenerin ihren Gedanken um, die Dr.-Ute-Wolski-Stiftung zu gründen. Es gehe ihr darum, Kinder und Jugendliche in ihrer geistigen, körperlichen und insbesondere sozialen Entwicklung zu unterstützen und zu fördern: Hausaufgabenhilfe, Sport-, Musik-, Umweltprojekte oder Berufsorientierung stehen im Mittelpunkt. Erklärtes Ziel ist es, über Bildung hinaus, den Nachwuchs für Respekt und Toleranz zu sensibilisieren.

Zu Fuß über die Alpen

Da ihr Vater Angehöriger der Polizei war und häufig versetzt wurde, musste die Familie – Ute Wolski hatte drei Schwestern – häufig umziehen. 1942 schließlich nach Maribor in Slowenien. Nach Kriegsende ging es zu Fuß über die Alpen zurück nach Deutschland. Der Weg, der über Salzburg und Nürnberg schließlich nach Schönberg führte, war voller Entbehrungen. Aber auch dort war die Not groß. „Einen Sommer lang lebten wir lediglich von Pilzen und Körnersuppe“, erinnert sich die heute 80-Jährige, die damals das Heinrich-Winter-Gymnasium in Kronberg besuchte.

Doch auch als der Krieg zu Ende war, kam die Familie nicht so recht zur Ruhe. Der Vater wurde 1951 nach Erkelenz versetzt, die Kinder besuchten das Gymnasium von Mönchengladbach und erwarben dort die Mittlere Reife. Wolski: „Ich hätte gerne das Abitur gemacht und dann studiert, doch das war bei vier Kindern nicht möglich.“

Schließlich kam die Familie nach Düren, wo sie selbst eine Stelle in einer chemischen Fabrik antrat. Dort blieb sie 13 Jahre, bevor sie nach Oberstdorf in eine kleinere Firma wechselte. Ihr weiterer Lebensweg führte sie nach Stuttgart, wo sie 1978 heiratete. Ihre Wissbegier und Lernfreude hatte in all den Jahren nicht nachgelassen, so dass sich Ute Wolski dazu entschloss, nach dem Tod ihres Ehemannes ein Fernstudium in den Fächern Soziologie und Sozialen Verhaltenswissenschaften zu absolvieren. 2011 kehrte sie wieder in ihre Heimat zurück und lebt seither in Bad Soden. „Wenn ich zurückdenke, dann gab es an vielen Stellen in meinem Leben immer wieder einzelne Menschen, die meine Entscheidungen und meinen Weg geprägt haben, vielleicht unmerklich, durch ein Gespräch, durch eine freundliche Korrektur“, sinniert Ute Wolski.

Derartiges habe sie stets als eine Art Wegweiser empfunden. Mit ihrer Stiftung hofft sie, für den einen oder anderen Heranwachsenden eine Art „Navi“ zu sein: „Dann ist doch viel erreicht.“

Die Stiftung unterstützte das Gesangsprojekt „Listen.to.me“. Hierbei haben zehn Jugendliche mit dem Musiker und autorisierten Complete-Vocal-Technique-Lehrer Tobias Landsiedel verschiedene Titel erarbeitet, die sie bei einem Auftritt am heutigen Freitag, 13. Oktober, aufführen werden: 19.30 Uhr, evangelisches Gemeindehaus (Zum Quellenpark 54). Der Eintritt ist frei.

(pit)
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