Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 13°C

Veredeler: Alois Frigo verpasst dem Glas den letzten Schliff

Gerade konnte Alois Frigo sein 40. Meisterjubiläum feiern, doch ans Aufhören denkt der Glasveredler noch lange nicht. Er hat noch gute Augen und eine ruhige Hand.
Alois Frigo ist seit 40 Jahren Meister in seinem Beruf. Ans Aufhören denkt er jedoch noch nicht. Alois Frigo ist seit 40 Jahren Meister in seinem Beruf. Ans Aufhören denkt er jedoch noch nicht.
Bad Soden. 

„Porzellan wird bemalt, Glas wird graviert“ – so viel lässt er sich schon mal zur groben Abgrenzung entlocken, aber hinter dem Handwerk, das Alois Frigo meisterlich beherrscht, steckt noch viel mehr. Nicht zufällig bewirbt die Website des Deutschen Handwerkskammertags die Ausbildung zum Glasveredler mit blumigen Worten: „Wenn Du schon immer wissen wolltest, wie der Spiegel der bösen Königin gemacht wurde, und Dich der Gedanke, gläserne Schuhe für Cinderella zu entwerfen, ins Träumen versetzt, dann bist Du hier richtig.“ Auch wenn sich das märchenhaft anhört, geht es bei diesem Beruf in erster Linie um eine hochakkurate Arbeit, nämlich die Oberflächenveredlung von Glas durch Schleifen, Ätzen oder Schmelzen. Aufgaben, bei denen man seine Kreativität ausleben kann, die aber auch eine gewisse künstlerische Begabung und Talent voraussetzen. „Kunstvolle Kronleuchter, traumhafte Trinkgläser oder wertvolle Wunderlampen – das alles wirst Du bald wie von Zauberhand erschaffen.“ So vollmundig hat Frigo selbst vermutlich nie um Nachwuchs geworben, auch wenn er heute noch sehr von seinem Beruf schwärmt und mit großer Freude Besuchern seine Werkstatt zeigt.

„Ich hatte schon immer gerne gezeichnet“, erinnert er sich an seinen Werdegang, „und das ist natürlich eine wichtige Voraussetzung, um als Glasveredler oder Graveur erfolgreich zu sein. Bei der Aufnahmeprüfung damals an der Glasfachschule in Zwiesel im bayerischen Wald musste man allerdings nicht nur gut zeichnen können, sondern auch Deutsch und Mathe beherrschen.“ Sein Onkel war bereits als Glasschleifer tätig, und so wuchs das Interesse des Neffen an diesem Metier. 1953 bis 1956 absolvierte er seine Ausbildung und legte die Gesellenprüfung ab. Während seiner Tätigkeit in der damaligen Rosenthal-Manufaktur für Glaserzeugnisse in Bad Soden, die dem Rosenthal-Studio in Selb zuarbeitete und 1984 die Pforten schloss, wurde er vom Vorstand ausgesucht, den Meister zu machen, Anfang der 70er Jahre war das. „Ich war wohl sehr strebsam und fleißig“, meint er verschmitzt. Immerhin beherrschte er sowohl die Kunst des gröberen Schleifens als auch des feineren Gravierens. Auf der Glasfachschule in Hadamar war er dann prompt einer der Besten, und so wurde er direkt in den Meisterprüfungs-Ausschuss berufen.

Detailverliebt

Vor 33 Jahren hat er sich in Bad Soden mit einem eigenen Ausstellungs- und Verkaufsraum selbstständig gemacht. Nachmittags ist er dort für Kunden zu erreichen, die zahlreiche Exponate und Beispiele für detailverliebte Gravurarbeiten verschiedenster Stilrichtungen bestaunen – und in Auftrag geben können. Doch auch romantisch wurde es dort schon, denn eine Mediaberaterin, die ihm Anzeigen für „Das Örtliche“ verkaufte, „baggerte er an“, wie er schelmisch gesteht. Mit Erfolg, dann seit einem halben Jahr ist sie seine Lebensgefährtin. Man gönnt es ihm, ist doch seine Frau vor vier Jahren verstorben.

Mitte 70 ist er nun, aber jeden Vormittag ist er noch in der Werkstatt im heimischen Keller tätig. An der Schleifmaschine der Firma Spatzier aus dem Jahr 1963 graviert er in reiner Handarbeit beispielsweise für Firmen oder Kommunen Embleme, Logos oder Schriftzüge auf Glasobjekte wie Sportpokale, Gläser oder Vasen. Neben Reparaturen von angeschlagenem Glas sind natürlich auch Initialen, Hochzeitsmotive, Familienwappen sowie florale und figurale Motive möglich: „Ich habe schon Porträts von Konrad Adenauer und Albert Schweitzer angefertigt. Sogar für den König von Marokko und den Schah von Persien durfte ich arbeiten. Anlässlich der 2500-Jahr-Feier der iranischen Monarchie 1971 gravierte ich die Kaiserhof-Motive und legte sie dann mit Gold aus.“ Teilweise ist extrem filigrane und exakte Arbeit vonnöten, wenn winzige Details von Blütenblättern oder kunstvolle Girlanden graviert werden. Die kleinsten Gravursteinchen, die auf die Gewindespindel der Maschine aufgedreht werden, haben gerade mal einen Durchmesser von drei Millimetern.

Viele Aufträge

Im vergangenen September wurde er nun anlässlich seines 40. Meisterjubiläums geehrt. Über mangelnde Aufträge kann er sich auch heute nicht beklagen: „Ich habe immer gut zu tun, und solange ich gesund bleibe, gute Augen und eine ruhige Hand habe, mache ich weiter. Allerdings werde ich wohl mal ein bisschen kürzertreten, denn ich habe ja auch Hobbys.“ Die Natur hat es ihm angetan, und sportlich ist er obendrein: Bergsteigen im Berner Oberland, Mountainbiken und Alpinskilauf stehen jedes Jahr fest auf seinem Plan. „Zwar habe ich viele Leute ausgebildet, die auch heute noch tätig sind, aber leider bisher keinen Nachfolger gefunden.“

Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse