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Prozess um Fahren ohne Führerschein: Am Ende sieht der Angeklagte seine Schuld ein

Eigentlich hätte er kein Auto mehr fahren dürfen, doch er tat es trotzdem. Dafür wurde ein Hofheimer jetzt vom Amtsgericht verurteilt. Alle Argumente halfen ihm nichts.
OIhne Führerschein war ein Hofheimer unterwegs, der sich vor Gericht verantworten musste. Foto: Oliver Berg (dpa) OIhne Führerschein war ein Hofheimer unterwegs, der sich vor Gericht verantworten musste.
Hofheim. 

Wochenlang hatten die Beamten immer wieder an der Wohnung des Mannes geklingelt, um nach richterlicher Anordnung den Führerschein sicherzustellen. Vergeblich. Auch am 29. Januar 2017, kurz vor Mitternacht, öffnet niemand die Tür. Von den Nachbarn hörten sie allerdings, dass der Gesuchte einen blauen Corsa fahre, was ihm eigentlich untersagt war. Genau so ein Auto kommt ihnen plötzlich entgegen, als sie bereits abfahrbereit im Streifenwagen sitzen. „Wir sind sofort ausgestiegen und ihm hinterhergelaufen“, erzählt einer der Polizeibeamten vor dem Höchster Amtsgericht, wo der gefasste Mann jetzt Einspruch gegen einen Strafbefehl einlegte.

Schräg auf dem Bordstein

Wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis sollte er eigentlich 30 Tagessätze zu 30 Euro zahlen. Aussagen möchte er auf Anraten seines Verteidigers nicht. „Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass er gefahren ist“, sagt die Beamtin im Zeugenstand. Mit hastigen Schritten habe er sich von seinem Fahrzeug entfernt. „Wir haben ihn zwar nicht mehr am Steuer gesehen, aber fünf Meter weiter gestellt.“ Das Auto selbst sei total schräg und halb auf dem Bordstein geparkt worden. „Da wollte einer schnell raus und weg.“ Erst auf die zweite Ansprache hin, habe sich der Mann umgedreht. Zunächst habe er behauptet, den Autoschlüssel verloren zu haben, sich dann aber gebückt und ihn zwischen dem Corsa und einem anderen Auto hervorgeholt. „Wohl hektisch dorthin geworfen“, vermutet der Kollege. „Er sagte, der Cousin sei gefahren, aber da war kein Mensch zu sehen.“ Den Führerschein habe er im Italienurlaub liegengelassen. Mit Handschellen hatte man den 34-Jährigen im Amtsgericht vorgeführt. Einmal schon hatte er nämlich einen Verhandlungstermin unentschuldigt versäumt. Auch diesmal war er nicht erschienen und daher von Polizeibeamten im Restaurant bei der Arbeit abgeholt worden.

„Ich hatte verstanden, dass ich nicht kommen muss, sondern der Anwalt das übernimmt“, verteidigt sich der Angeklagte auf Italienisch, übersetzt von einer Dolmetscherin. Die Richterin wundert sich, dass er noch gedolmetscht werden muss, obwohl er – nach eigenen Angaben – schon seit 1999 in Deutschland lebt. Er halte sich ja hauptsächlich im Restaurant auf, wo er italienisch spreche, entschuldigt sich der gelernte Koch.

In keiner guten Lage

„Wir hatten den Eindruck, dass er uns gut versteht, sich nur selbst nicht gut ausdrücken kann“, sagt einer der Polizeibeamten. Ob er wirklich nichts zu den Vorwürfen sagen wolle, fragte die Richterin den Angeklagten. Bei einem Strafbefehl gehe man von einem Geständnis aus. Wenn er jetzt der Schuld überführt werde, könne die Strafe sogar höher ausfallen. Die Beweislage sieht nicht gut aus, das erkennt auch der Verteidiger. Nach einer kurzen Unterbrechung und einem Zwiegespräch im Flur nimmt er den Einspruch im Namen seines Mandanten zurück

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