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Die geheimen Zeichen der Einbrecher: An der Eschborner Seniorenwohnanlage prangen „Gaunerzinken“

Wer an Hauswänden, Gartentoren oder Briefkästen seltsame Zeichen entdeckt, sollte hellhörig werden. Die Markierungen stammen oft von Kriminellen.
„Gaunerzinken“ am Spessartweg. „Gaunerzinken“ am Spessartweg.
Eschborn. 

Fast wie ein Gesicht sieht’s aus. Ein zur Seite gekipptes E , ein seitenverkehrtes L und ein R umgeben einige schwer identifizierbare Zeichen. Das, was da an der Seniorenwohnanlage Spessartweg unter die Hausnummer einer Hauswand gekritzelt ist, wirkt wie Geschmiere oder Kinderkritzelei.

Die Polizei verständigen

Aber den Verdacht, den Eschborns Seniorendezernent Helmut Bauch hat, bestätigt Polizeisprecher Markus Hoffmann auf Kreisblatt-Anfrage. Bei dem Symbol dürfte es sich um sogenannte „Gaunerzinken“ handeln. Diese Markierungen machen sich Einbrecher zunutze. Die Kriminellen kennzeichnen damit zum Beispiel, ob ein Hauseigentümer, ein Gartenbesitzer oder ein Mieter zu Hause oder in Urlaub ist. Die Zeichen zeigen an, ob sich der Einbruch lohnt und welche Gefahren drohen. Das Ganze ist eine Wissenschaft für sich, so vielfältig und knifflig zu deuten sind die Symbole. Unbedarfte Laien denken daran, dass es sich um Schmierereien handelt, die sie ignorieren und wegwischen können. Doch Achtsamkeit ist geboten. Markus Hoffmann wurde gestern hellhörig, als das Kreisblatt sich über die „Gaunerzinken“ in Eschborn erkundigte. Der Leiter der Pressestelle im Polizeipräsidium Westhessen informierte umgehend seine Kollegen aus der Eschborner Dienststelle, damit sie die Zeichen unter die Lupen nehmen, fotografieren und Spuren sichern können.

Seniorendezernent Helmut Bauch fordert die Senioren Eschborns dazu auf, Fremden gegenüber nicht zu leichtgläubig zu sein. Bild-Zoom Foto: Knapp
Seniorendezernent Helmut Bauch fordert die Senioren Eschborns dazu auf, Fremden gegenüber nicht zu leichtgläubig zu sein.

Oft sind es Banden, die gut organisiert sind und tagelang die Örtlichkeiten und Besonderheiten eines Wohngebietes erkunden und sich anhand der „Zinken“ Informationen „zuschustern“. Wohnen alte Leute in einem Haus? Wo leben Alleinstehende? Wo gibt es bissige Hunde? Wo ist was zu holen? Für jedes Merkmal gibt es entsprechende Symbole, die Einbrecher an Hauswänden anbringen. Auch auf Gartentoren, an Garagen, Briefkästen, Türen, Zäunen und auf Bürgersteigen finden sich die geheimnisvollen Kennzeichnungen.

Im Internet lassen sich massenweise „Übersetzungen“ anklicken. Doch Vorsicht ist angebracht, weil sich die Zeichen und ihre Bedeutungen im Laufe der Zeit wandeln können. Die Ganoven, so weiß Markus Hoffmann, „lassen sich immer wieder etwas Neues einfallen“. Wer „Gaunerzinken“ entdeckt, sollte die Polizei anrufen, verdächtige Beobachtungen melden und auf Besonderheiten achten, etwa auf Autos mit auswärtigen Kennzeichen, rät der Polizeihauptkommissar.

„Ein waches Auge haben“

Die Stadt Eschborn ist ebenfalls alarmiert. Ihr Seniorendezernent teilt mit, dass alle Hausmeister von städtischen Wohnungen für dieses Thema sensibilisiert seien und künftig genau auf solche Schmierereien an Hauswänden achten. Helmut Bauch bittet alle Senioren um Vorsicht: „Öffnen Sie nie fremden Menschen die Tür, egal, mit welchen Begründungen sie versuchen, Sie davon zu überzeugen. Notfalls rufen Sie die Polizei.“

Die geheimen Zeichen finden sich keinesfalls nur an städtischen Wohngebäuden. Daher, so warnt die Stadt, sollten „alle Bürger immer ein waches Auge haben und vorsichtig sein“. Polizeisprecher Hoffmann empfiehlt Hauseigentümern dringend, sich über Einbruchschutz zu informieren.

 

(ask)
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