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Frankfurter Landgericht: Anklage gegen den Todesfahrer ausgeweitet: Termin für Thielsch-Prozess steht

Von Am 24. Oktober beginnt vor dem Landgericht Frankfurt der Prozess um den tödlichen Unfall von Silke Thielsch. Zunächst sind bis zum 8. November sechs Verhandlungstage vorgesehen.
Eine Gedenktafel an dem Ort, wo der Mercedes, von dem Silke Thielsch mehrere Hundert Meter mitgeschleift wurde, schließlich stoppte, erinnert an  das Opfer. 	Fotomontage: Knapp Foto: Knapp Eine Gedenktafel an dem Ort, wo der Mercedes, von dem Silke Thielsch mehrere Hundert Meter mitgeschleift wurde, schließlich stoppte, erinnert an das Opfer. Fotomontage: Knapp
Kriftel. 

Zwei Jahre, ein Monat und 18 Tage werden seit dem tödlichen Unfall vergangen sein, wenn, wie derzeit geplant, am 24. Oktober vor der großen Schwurgerichtskammer des Frankfurter Landgerichts der Prozess beginnt. Insgesamt 779 Tage seit dem 6. September 2015, als die 41 Jahre alte Silke Thielsch am Kreisel „Auf der Hohlmauer“ von einem Mercedes-Fahrer zunächst angefahren und dann noch 400 Meter mitgeschleift wurde und dabei so schwere Verletzungen erlitt, dass sie an der Unfallstelle verstarb.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hatte im Dezember vergangenen Jahres Anklage wegen Totschlags gegen den Todesfahrer aus Sachsenhausen erhoben. Dies hatte bei den Angehörigen und Freunden der Toten die Hoffnung geweckt, dass nun endlich mit der juristischen Aufarbeitung des furchtbaren Geschehens begonnen wird.

Waren sie doch immer wieder vertröstet worden, unter anderem hatte ein Gutachten der Dekra, das erst nach mehrfachem Nachfragen der Staatsanwaltschaft geliefert wurde, die Ermittlungen erheblich in die Länge gezogen. Nach der Anklageerhebung hatten sich jedoch offenbar noch für die Richter am Landgericht Fragen ergeben, weshalb im Februar dieses Jahres ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben wurde.

Vorläufige Planung

Das Landgericht hält sich bedeckt, was gutachterlich noch abgeklärt werden sollte. Dies wirft die Frage auf, warum dies nicht bereits während der monatelangen Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft erfolgt ist. Dass der Pressesprecher des Landgerichts, Werner Gröschel, inzwischen zumindest die Termine bekannt gibt, lässt darauf schließen, dass das Gutachten inzwischen vorliegt und die Anklage zugelassen wurde. Sie lautet bezüglich des Todes von Silke Thielsch auf Totschlag. Wegen der Verletzung von Thielschs Lebensgefährten hat das Gericht die Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung offenbar auf versuchten Totschlag ausgeweitet.

Für den Prozess, der am 24. Oktober beginnt, sind bis zum 8. November zunächst einmal sechs Verhandlungstermine festgelegt worden. Dies ist zunächst nur eine vorläufige Planung. Gut möglich, dass schon früher das Urteil gesprochen wird, andererseits könnten auch noch weitere Termine nötig werden.

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Zumindest dürften Angehörige und Freunde erleichtert sein, dass sich nun endlich der Todesfahrer verantworten muss. Die Staatsanwaltschaft hatte Ende des vergangenen Jahres erstmals Einzelheiten zu dem grausamen Geschehen veröffentlicht, das bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte.

Silke Thielsch hatte sich am Abend des 5. September 2015 nach dem Besuch eines Hoffestes mit ihrem Lebensgefährten auf den Heimweg gemacht. Am Zebrastreifen der Straße „Auf der Hohlmauer“ hatte das Paar auf ein Taxi gewartet.

„Aus Verärgerung darüber, dass das Pärchen in dem Kreisverkehr auf dem Zebrastreifen stand und sich küsste, soll der Angeschuldigte mit seinem Mercedes zunächst kurz angefahren und etwa zwei bis drei Meter vor den beiden sofort wieder angehalten haben“, hieß es in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft.

Den Tod gebilligt

Als die beiden sich dennoch nicht von der Straße entfernten, soll der damals 26 Jahre alte Autofahrer aus Sachsenhausen mit seinem Wagen „unter billigender Inkaufnahme auch tödlicher Verletzungen unvermittelt auf sie zugefahren sein“, so Oberstaatsanwältin Nadja Niesen.

Während der Lebensgefährte „rücklings zu Boden fiel“ und sich leicht an Bein und Hand verletzte, wurde Silke Thielsch von dem Mercedes erfasst und auf die Motorhaube geschleudert. „Ungeachtet dessen“, soll der Angeklagte, „mit unvermittelter Geschwindigkeit durch den Kreisverkehr gefahren sein“, so die Staatsanwaltschaft. Silke Thielsch geriet „aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen“ quer unter das Fahrzeug, wurde dort eingeklemmt und in der Folge von dem rechten Vorderrad des immer noch fahrenden Wagens überrollt.

Warum der junge Mercedes-Fahrer mit seinem Wagen noch weiterfuhr und erst 400 Meter weiter, hinter der Kreuzung der L 3011, stoppte, wird eine der zahlreichen Fragen sein, auf die sich vor allem die Angehörigen in dem Prozess eine Antwort erhoffen.

Der Tod von Silke Thielsch, die unter anderem Teammanagerin der 1. Handballmannschaft der Turn- und Sportgemeinde (TuS) war, hatte nicht nur wegen der Grausamkeit des Unfalls für große Anteilnahme gesorgt. Die 41-Jährige war sowohl bei Sportkameraden als auch Berufskollegen und Freunden sehr beliebt. Sie hatten in einer bewegenden Trauerfeier in der großen Schwarzbachhalle Abschied von der Verstorbenen genommen.

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Es kann nach Angaben der Staatsanwaltschaft jedoch noch Monate dauern, bis gegen den 25 Jahre alten Unfallfahrer Anklage erhoben wird. Morgen nehmen in der Schwarzbachhalle Familie, Freunde und Sportkameraden Abschied von Silke Thielsch.

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