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WM-Finale: Auch im Main-Taunus-Kreis fiebern Kroaten und Franzosen mit

Für den Kroaten Pero Miletic ist schon allein das Erreichen des Finales der „“Wahnsinn“. Die gebürtige Französin Anne Kroll drückt natürlich der ÉquipeTricolore die Daumen.
Rot, Weiß, Blau – Pero Miletic (34) ist stolz auf das Abschneiden seiner Landsleute. Bilder > Rot, Weiß, Blau – Pero Miletic (34) ist stolz auf das Abschneiden seiner Landsleute.
Eddersheim/Eschborn. 

Er reckt die Faust nach oben. Er lacht herzlich. Ihm ist die Freude über seine erfolgreichen Landsmänner in Russland förmlich anzusehen. Pero Miletic kann mitreden. Er ist Fußballer. Der 34 Jahre alte Torwart des FC Eddersheim trägt eine löchrige Jeans, wie sie heute modern ist. Auf seinem Hemd prangt ein Wappen mit dem typisch rotweißen Schachbrettmuster der kroatischen Landesfarben. Der Spieler des Hessenligisten aus Eddersheim ist schon „richtig heiß“ auf den Sonntag und das WM-Finale seines Heimatlandes gegen Frankreich (17 Uhr, Sonntag, ZDF).

Glück gehört dazu

Pero Miletic, der den morgigen Sonntag kaum noch abwarten kann, hat eine ganz besondere Beziehung zu seiner Nationalmannschaft. Immerhin spielte er in der U 16 und U 17 schon insgesamt fünf Mal für Kroatien. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland war der Mittdreißiger zudem in einem Testspiel der kroatischen B-Nationalmannschaft gegen das A-Team im Einsatz.

Heute ist der Torhüter, der gerade mit dem FC Eddersheim in die Hessenliga aufgestiegen ist, deshalb umso mehr ein glühender Anhänger der Nationalmannschaft. Die souveräne Vorrunde und das Achtelfinale gegen Dänemark verfolgte Pero Miletic, der in Sossenheim lebt, während seines Urlaubs – natürlich in seiner Heimat Kroatien.

Dass Kroatien in allen K.o-Spielen bislang in die Verlängerung musste, belege die Kampfkraft der Kroaten, sagt der Mann, der für Eddersheim den Platz zwischen den Pfosten einnimmt. Natürlich gehöre dabei auch immer etwas Glück zum Weiterkommen dazu. „Dieses Glück verdient man sich aber“, sagt Pero Miletic mit einem Leuchten in Augen. Dass Kroatien nun im Finale steht sei „Wahnsinn“.

Volkssport Nummer 1

Pero Miletic kann es kaum fassen: „Wir sind ein kleines Land mit etwa 4,3 Millionen Einwohnern. Aber wir sind sehr stolz.“ Die Nationalmannschaft Kroatiens beschreibt er als „eingeschworener Haufen“. Er sieht Parallelen zur Meister-Saison in der Verbandsliga mit dem FC Eddersheim: „Die sind die ganze Zeit zusammen, ähnlich wie wir letztes Jahr.“ Als verschworene Gemeinschaft dominierte Eddersheim die Verbandsliga Mitte und stieg nur mit einer Niederlage während der ganzen Saison in die Hessenliga auf. Mit nur 26 Gegentreffern in 32 Spielen war Pero Miletic der große Rückhalt des FCE.

Nun möchte der Torwart am Sonntag schon wieder Grund zum Feiern haben. Der Finaleinzug sei zwar schon ein Riesen-Erfolg. Doch nun wollen die Kroaten und auch Pero Miletic mehr. „Wenn wir Weltmeister werden, feiern wir drei Tage durch“, sagt der 1,94-Meter-Hüne. Denn der Fußball sei in Kroatien nun klar Volkssport Nummer 1. Das Finale wird er nun in Frankfurt sehen. Und die drei bisherigen Verlängerungen würden dem Team auch nichts ausmachen. Ist die Truppe nicht am Ende ihrer Kräfte? „Wir sind noch lange nicht müde“, entgegnet Pero Miletic. Sein Tipp lautet: „2:1 für Kroatien – nach 90 Minuten.“ Das wäre dann die Revanche für das Aus im Halbfinale 1998 – als sich Frankreich einst gegen Kroatien mit 2:1 durchsetzte und später Weltmeister wurde. Jetzt soll es – wenn es nach Pero Miletic geht – genau anders rum laufen.

Während kroatische Fahnen überall im MTK an Autos und Hauswänden flattern – besonders in der kroatischen Hochburg Kelkheim – ist die französische Nationalflagge, die Tricolore, kaum irgendwo zu sehen. Viel weniger Franzosen als Kroaten leben im Kreis und fiebern hier dem Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft am Sonntag zwischen diesen beiden Ländern entgegen (siehe „Zahl des Tages“, Seite 9).

Zu ihnen gehört Anne Kroll aus Eschborn, die mit Familie und Freunden über etliche europäische Grenzen hinweg, die WM schon bisher verfolgt hat. Sie erzählt: „Durch meinen Bruder und meine Schwester erleben wir die Begeisterung mit, die in Frankreich herrscht. Unsere Töchter vermitteln uns die Eindrücke zur WM aus England, wo sie leben. Mein Mann und ich schauen von hier aus zu.“ Kroll weiter: „An Fußball-Tagen sind dann schon viele WhatsApps mit Kommentaren zu den Spielen hin- und hergegangen zwischen uns allen, im Stil von ,Oh je, was für ein Schuss‘ oder ,Nein, ein Gegentor‘. “

 

Gemeinschaftserlebnis

Anne Kroll, von dieser Zeitung schon einmal bei der EM 2016 befragt, ist gebürtige Französin und hat die Staatsbürgerschaft ihres Herkunftslandes immer noch. Gleichzeitig hat sie einen deutschen Pass. „Mein Mann ist Deutscher. Ich lebe hier. Da habe ich ganz früh gesagt: Ich lasse mich ganz auf meine neue Heimat Deutschland ein. Kontakt zu Franzosen, die hier wohnen, habe ich kaum“, sagt sie.

 

Für die deutsch-französische Freundschaft tut Anne Kroll eine Menge: Sie ist im Vorstand des „Städtepartnervereins Eschborn“ und leitet monatlich Gesprächsrunden zur „Conversation Francaise“ – der Unterhaltung auf Französisch. Anne Kroll gesteht, dass auch am Sonntag der Fußball für sie persönlich gar nicht im Mittelpunkt steht. „Wir nehmen die WM, gerade jetzt in der Endphase, als positives europäisches Gemeinschaftserlebnis wahr und damit auch als Gegenpol zur derzeitigen Krise Europas“, sagt Anne Kroll. Dass nach dem frühen Ausscheiden der deutschen National-Elf beim WM-Finale im Hause Kroll jetzt alle Herzen geballt für Frankreichs Sieg schlagen, versteht sich von selbst. „Wir erwarten deutsche Freunde aus München, mit denen wir uns das Spiel am Sonntag anschauen“, schildert die Eschborner Deutsch-Französin ihre Pläne. Einen kroatischen Sieg würde sie aber auch verkraften. „Dann freuen die sich“, sagt sie. „Ich hoffe nur, dass es kein Elfmeter-Schießen gibt, denn das ist eine Lotterie, da zählen ja nur Glück und Nervenstärke“, wünscht sich Anne Kroll. Am heutigen Samstag, 14. Juli, ist der französische Nationalfeiertag. „Vielleicht ist das ja trotzdem ein gutes Omen für alle Frankreich-Fans“, sagt sie.

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