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Umstrittenes Projekt: Baugebiet „Nördlich Weingärten“ ist Geschichte

Von Nach einer interessanten Abstimmung, die Mehrheit enthielt sich, wird das umstritten Bauprojekt nun „begraben“.
Baugebiet Nördlich Weingärten: Ortsbegehung mit der Bürgerinitiative und Manfred Guder Foto: Hans Nietner Baugebiet Nördlich Weingärten: Ortsbegehung mit der Bürgerinitiative und Manfred Guder
Liederbach. 

Nach der Sitzung der Gemeindevertretung kam Manfred Guder an den Pressetisch. „Das ist der schönste Tag in meinem Leben“, verkündete der bekannte Kelkheimer Naturschützer und Vorstandsmitglied des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) freudestrahlend, aber natürlich ein bisschen übertrieben. Was ihn zu diesem Jubel veranlasst hat? Die Entscheidung des Liederbacher Parlaments, das mögliche Baugebiet „Nördlich Weingärten“ zu „begraben“. Das hält Guder nach zwei erfolgreichen Bürgerentscheiden für eine folgerichtige Sache. „Man kann ja in drei Jahren nicht wieder anfangen“, sagte der Mann, der mit dem Weiterbau der B8 und dem Bau eines Golfplatzes am Rettershof in Kelkheim wesentlich größere Projekte mit verhindert hat.

Zweiter Anlauf nach 2010

Drei Jahre wären die Gemeinde und die Politik nach dem zweiten Entscheid im Herbst, bei dem knapp 60 Prozent gegen ein Baugebiet stimmten, an das Votum gebunden. Doch die Sache ein drittes Mal aus der Schublade holen – das wollen vor allem SPD und Grüne nicht. Sie stellten daher den Antrag, das gut 3 Hektar große Areal „Nördlich Weingärten“ aus dem Flächennutzungsplan (FNP) zu streichen. Und im Gegensatz zum Votum nach dem ersten Bürgerentscheid vor acht Jahren, als es nach einer turbulenten Sitzung keine Mehrheit dafür gab, ging der historische Antrag diesmal durch. Mit einem interessanten Resultat: Es gab nur zwölf Ja-, aber auch keine Gegenstimmen. Die meisten Parlamentarier enthielten sich.

Ganz ohne Diskussion wollten die Fraktionen das Thema nicht begraben. „Der Souverän hat klar entschieden. Wer vor acht Jahren den Schlag nicht gehört hat, der hat ihn hoffentlich jetzt gehört“, machte SPD-Fraktionschef Julio Martinez de Una deutlich, dass es nur eine Entscheidung geben könne. Es sei an der Zeit, den Bürgerwillen umzusetzen. Dass unterstrich auch Grünen-Fraktionschef Andreas Müller: „Wir können dazu beitragen, dass der Bürger wieder Vertrauen in die Politik bekommen.“

Noch nicht abgehakt

Dem wollte sich auch die CDU nicht verschließen. Sie ist eigentlich Befürworter des Baugebiets, das der Gemeinde vom Investor gratis zwei Mehrfamilienhäuser mit bezahlbarem Wohnraum gebracht hätte. Vor acht Jahren hatte die Union noch angeregt, „Nördlich Weingärten“ als Tauschmasse im FNP zu belassen. Und Fraktionschef Joachim Lehner hat diese Sache nicht ganz abgehakt. Bei einer Bürgerversammlung 2017 hätten viele Menschen deutlich gemacht, dass sie sich Bauen an anderer Stelle durchaus vorstellen könnten. Daher sei „Nördlich Weingärten“ als Verhandlungsmasse nicht unsinnig. Lehner: „Wir werden hier aber nicht dagegen stimmen, auch wenn ich unsere bisherige Argumentation weiterhin für richtig halte.“

In Richtung anderer Baugebiete dachte FWG-Fraktionschef Thomas Kandziorowsky ganz konkret. Der Regionalverband habe in der Bürgerversammlung klar gemacht, dass Wohnen in Bahn-Nähe gefragt sei. Deshalb machte er ein bisheriges Tabu-Thema auf: Warum nicht über eine Erweiterung südlich der Bahnlinie nachdenken? Nicht als „Schnellschuss einer Fraktion“, sondern als gemeinsame strategische Überlegung. „Wir sollten schauen, wo Eigentümer ein Interesse daran haben, dass sich Liederbach hier weiterentwickeln kann“, so Kandziorowsky. Im Übrigen nannte er den Vorstoß von SPD und Grünen einen „Schaufensterantrag“, da der neue Flächennutzungsplan ja nun aufgestellt wird. Bis dahin sei der Bürgerentscheid ohnehin bindend. Und er erinnerte daran, dass die Tauschfläche „Nördlich Weingärten“ damals bald wichtig wurde, als Coca-Cola für seine geplante, dann aber geplatzte Erweiterung Grundstücke brauchte. „Wir brauchen keine Ausgleichsfläche“, stellte Martinez de Una klar. Denn die Gemeinder habe im FNP im Gebiet „Wehr/Untermühle“ mehr 14 Hektar Baufläche in der Hinterhand. Zudem sorge der Wohnungsdruck dafür, dass der Regionalverband bei Projekten großzügiger sei und notwendige Projekte einfacher genehmigen werde – ohne „Nördlich Weingärten“ als Tauschobjekt.

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