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Belasteter Boden ist längst weg

Es war auf dem Sarotti-Gelände nicht anders als auf vielen anderen Industriegebieten: Wenn Wohnungen gebaut werden sollen, müssen zunächst Altlasten weggeschafft werden.
Karin Schnick Karin Schnick
Hattersheim. 

Sie werden wohl nicht mehr die allerbesten Freunde, die Mitstreiter der Bürgerinitiative (BI) "Pro Hattersheim" und die Verantwortlichen im Rathaus. "Wir erledigen unsere Verpflichtungen, auch ohne dass wir von Pro Hattersheim daran erinnert werden", sagt Hattersheims Erste Stadträtin Karin Schnick (Grüne). Die BI auf der anderen Seite erweckt auf ihrer Internetseite den Eindruck, als müsse sie die Stadt erst zu notwendigen Schritten drängen.

Tatsache ist, dass schon die Auswertung von Proben in den Jahren 2002 und 2005 ergeben hat, dass im Boden allerhand war, was da nicht hingehörte: Chrom und Nickel, Arsen und PAK (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe). Eine direkte Gefährdung von Mensch und Grundwasser sei wegen der undurchlässigen Bodenschichten darunter nicht gegeben, hieß es damals. Es reiche, sich bei Abbruch und Neubebauung um das Problem zu kümmern. Grenzwerte für Schwermetalle und PAK würden punktuell zwar überschritten, aber das reiche nicht, um das Gelände als Altlast einzustufen.

Trotzdem, so die Darstellung von Schnick, sei etwas passiert, was nicht hätte passieren sollen: Beim Abbruch der alten Fabrikgebäude von Sarotti seien die Gruben, in denen sich die Keller befanden, mit Abbruchmaterial verfüllt worden. Davon sei zwar keine unmittelbare Gefährdung ausgegangen, aber es sei Material in den Boden gelangt, das dort nach Schnicks Aussage nicht hingehört. Man habe auch Schlacke gefunden, die im Kesselhaus des Schornsteins entstanden und an verschiedenen Stellen auf dem Grundstück abgelagert worden sei.

Dadurch wurden jene Bestimmungen des städtebaulichen Vertrages zwischen der Stadt und dem Grundeigentümer, dem Nestlé-Konzern, brisant, die Belastungen des Bodens betreffen. Denn dort heißt es, dass der Boden ausgetauscht werden muss, wenn die Verunreinigungen ein gewisses Maß überschreiten. Die Fachleute haben dieses Maß mit dem Buchstaben Z 1.2 gekennzeichnet. Das ist eine vergleichsweise geringe Belastung, die nächste Stufe darunter lautet Z 0 – damit ist sauberer Boden gemeint.

Geltendes Recht unterlaufen?

Die Bürgerinitiative monierte, der städtebauliche Vertrag unterlaufe geltendes Recht. Denn gefordert sei ein schadstofffreier Untergrund, vor allem auch für den Kindergarten, der in dem Gebiet entstehen soll. So heißt es im Bodengutachten des Bebauungsplanes: "Bei der geplanten sensiblen Nutzung als Wohngebiet, unter Umständen sogar als Kinderspielplatz, ist jedoch vorsorglich der direkte Kontakt zwischen der Auffüllung und Personen durch Aufbringung einer Schutzschicht aus unbelastetem Boden (Z 0) zu unterbinden."

Dass die Stadt auf einem schadstofffreien Boden bestanden habe, so Schnick, habe mit dem Drängen der BI nichts zu tun. Schon im März sei zwischen allen Beteiligten geklärt worden, dass alles verunreinigte Material, wie stark die Belastung auch sei, ausgetauscht werden soll.

Dies wurde im Juni erledigt. Dem Rathaus liegen laut Schnick die Berichte vor, die bestätigen, dass das jetzt verwendete Material nicht nur unbelastet, sondern auch geeignet ist, um darauf Straße, Häuser und auch einen Kindergarten zu bauen.

Erleichtert wurde die Vorgehensweise sicher dadurch, dass weder die Stadt noch Nestlé den Austausch des Bodens bezahlen mussten. Zumindest den Bauschutt nämlich hätte das damals beauftragte Abbruchunternehmen gleich wegschaffen müssen. "Es kriegt doch bei uns keiner ein Grundstück angedreht, das krank macht", betont Schnick, dass für sie eine andere Vorgehensweise nicht vorstellbar gewesen sei.bt/rem

(bt,rem)
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