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Besuch von Tarek Al-Wazir: Buh-Rufe für den Grünen-Minister

Von Rund 100 Interessierte kamen Dienstagabend zur Diskussionsrunde der Galf ins evangelische Gemeindezentrum. Der Gast des Abends, Verkehrsminister Tarek Al-Wazir, wurde nicht nur freundlich empfangen.
Die Fluglärmgegner (großes Foto) haben Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (kleines Foto) mit Plakaten und Protest empfangen. Foto: Hans Nietner Die Fluglärmgegner (großes Foto) haben Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (kleines Foto) mit Plakaten und Protest empfangen.
Flörsheim. 

„Ich habe dieses Ding nicht gebaut, und ich hätte es so auch nicht gebaut“, erklärte Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Grüne) den versammelten Zuhörern. Die Rede war von der Nordwestlandebahn am Frankfurter Flughafen. Al-Wazir bemühte sich die Wogen im Saal zu glätten. In Flörsheim musste sich der grüne Landespolitiker trotzdem viel Kritik anhören. Anerkennung bekam er hauptsächlich dafür, dass er sich der Diskussion stellte und sich sozusagen „in die Höhle des Löwen“ gewagt hatte.

Info: Protest vor dem Eingang

„Wieviel Lärm fairtragen wir?“, lautete der Titel der Diskussionsrunde, zu der die Galf ins evangelische Gemeindezentrum eingeladen hatte.

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Belastungsgrenze

Galf-Fraktionsvorsitzende und Moderatorin Renate Mohr griff den Titel der Veranstaltung – „Wieviel Lärm fairtragen wir?“ – auf: „Einen fairen Lärm gibt es nicht“, betonte die Flörsheimerin. Die Belastungsgrenze sei längst überschritten.

Grundlage der Diskussion mit Tarek Al-Wazir war die NORAH-Studie, die die schädlichen Auswirkungen von Lärm wissenschaftlich darstellt. Der Lärm auf der Straße sei das größte Problem, weil er überall sei, berichtete der Verkehrsminister. Ein Anspruch auf Schutzmaßnahmen bestehe erst ab einem nächtlichen Dauerschallpegel von mehr als 60 Dezibel. Beim Transportverkehr mit Lastwagen stehe das Interesse der Straßenanwohner dem Interesse derjenigen entgegen, die etwas geliefert bekommen. Der Verkehrsminister mahnte die Zuhörer, über ihren eigenen Anteil am Güterverkehr nachzudenken: Das heutige Konsumverhalten sei alles andere als klug.

Beim Thema Fluglärm führte der Gast die Erarbeitung von Lärmobergrenzen als Entlastung an. Die Galf-Stadtverordnete und Elternbeirätin Carola Gottas kritisierte die Maßnahmen zum Schutz von Kindern, die laut NORAH-Studie mit verzögertem Lernen auf Lärm reagieren. An der stark belasteten Flörsheimer Paul-Maar-Schule gebe es weder Überdachungen auf dem Schulhof, noch seien Fenster ausgetauscht worden, obwohl die Landesregierung das entsprechende Programm bereits vor anderthalb Jahren verabschiedete. „Dieses Konzept ist für den Mülleimer“, so Carola Gottas.

Schallschutz einfordern

Tarek Al-Wazir erklärte, dass die Paul-Maar-Schule nicht Teil des neuen Programms sei, weil sie in der besonders stark belasteten Tagschutzzone 1 liegt. In diesem Gebiet müsse Fraport für die baulichen Schallschutzmaßnahmen aufkommen. Das Geld stehe bereits zur Verfügung. Die Umsetzung hänge jedoch vom Main-Taunus-Kreis als zuständigem Schulträger ab, so Al-Wazir.

Zuhörer Enrico Böhme aus dem Ortsteil Keramag-Falkenberg beklagte, dass sein Wohngebiet zu keiner Lärmschutzzone zähle, obwohl er den Lärm von der Nord- und der Südbahn abbekomme. Der Krach sei 10 Dezibel leiser, dafür werde er durchgängig belastet. Der Flörsheimer sprach sich für eine Vergrößerung der Schutzzonen aus. Verkehrsminister Al-Wazir machte deutlich, dass die Lärmschutzzonen auf Bundesebene beschlossen werden. „Schutzzonen lege nicht ich fest“, so der Gast. Er warnte allerdings davor, auf eine Neuberechnung der Grenzen zu drängen. Da der Betrieb am Frankfurter Flughafen bisher nicht entsprechend der Erwartungen gewachsen sei, könnten die geschützten Bereiche in dem Fall sogar kleiner ausfallen.

Hans Glock aus Niederrad griff die NORAH-Studie grundsätzlich an. Viele Dinge seien verdreht. Man habe Kontrollgruppen weggelassen und falsche Stichproben genommen. Al-Wazir konterte, dass es kontraproduktiv sei, sich auf Fehler in der Studie zu versteifen. „Wir werden am Ende mit dieser Studie mehr erreichen, wenn wir sie nutzen“, argumentierte der Minister. Er kündigte an, noch in diesem Jahr auf Bundesebene Diskussionen zu den politischen Konsequenzen aus der Studie führen zu wollen.

Behelfsausfahrt öffnen?

Auch Zuhörer der Initiative „Weilbach wehrt sich“ nutzten die Gelegenheit, um Tarek Al-Wazir ihre Sorgen zum Straßenverkehrslärm näher zu bringen. Werner Siebel wies darauf hin, dass Weilbach auch nachts unter Lkw-Verkehr leide, wenn keine Flugzeuge fliegen. Siebel trug das Anliegen vor, die Behelfsauffahrt zur Autobahn A3 zwischen Flörsheim und Eddersheim zu öffnen, um Weilbach zu entlasten. Al-Wazir konnte dem Weilbacher aber keine Zusage machen: Für die Autobahn sei die Zustimmung der Bundes notwendig erklärte der Minister, der zumindest versprach, sich zu bemühen. Am Ende der Veranstaltung waren viele Besucher ihre Sorgen losgeworden. Die Hoffnung auf ein schnelles Ende des Lärms konnten sie erwartungsgemäß nicht mit nach Hause nehmen. Tarek Al-Wazir formulierte das Ziel, dass der Lärm nicht immer schlimmer werde und sich in kleinen Schritten verbessern solle.

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