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Pokal gewonnen: DLRG-Team Schwalbach-Bad Soden gewinnt „Simulierten Notfallwettbewerb“

Das Team der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Schwalbach – Bad Soden gewinnt den 1. Eschborner SERC-Pokal. Der Wettkampf forderte simulierte Rettungsübungen im Wasser.
Während hinten schon einige Verunglückte an Land (in der Realität der Beckenrand) gezogen werden, kämpfen vorne noch zwei angebliche Nichtschwimmer gegen das drohenden Ertrinken. Der tapfere Rettungsschwimmer (graue Badekappe) hat Mühe, die zwei Frauen zu trennen. Während hinten schon einige Verunglückte an Land (in der Realität der Beckenrand) gezogen werden, kämpfen vorne noch zwei angebliche Nichtschwimmer gegen das drohenden Ertrinken. Der tapfere Rettungsschwimmer (graue Badekappe) hat Mühe, die zwei Frauen zu trennen.
Eschborn. 

„Schwimmst Du noch oder rettest Du schon?“ – der neunjährige Paul gibt mit dem Spruch auf seinem T-Shirt ein klares Bekenntnis ab. Überhaupt sind gerade die Jugendlichen angetan von der Arbeit der DLRG. Das zeigt sich beim ersten bundesweit ausgeschriebenen Eschborner SERC-Pokal („Simulated Emergency Response Competition“, zu deutsch „Simulierter Notfallwettbewerb“). Diese Rettungsübung ist seit langem Bestandteil der Europa- und Weltmeisterschaften im Rettungsschwimmen, allerdings gab es bislang keinen eigenständigen Wettkampf. Bei der Premiere im Eschborner Wiesenbad treten insgesamt 16 Mannschaften aus DLRG-Ortsgruppen gegeneinander an. Sie bestehen aus jeweils vier, zumeist noch sehr jungen Teilnehmern beliebigen Alters und Geschlechts.

Das Unfallszenario des ersten von zwei Vorläufen simuliert sieben Verunglückte im Wasser, ein Schlauchboot ist gekentert. „Häufig werden Notfallsituationen an Seen, Flüssen oder Hafenbecken simuliert“, sagt Thomas Passing von der DLRG Eschborn, „eben alles, was in einem Schwimmbecken möglichst realistisch dargestellt, beziehungsweise nachempfunden werden kann, um unseren Rettungsschwimmern neben dem Wettkampf eine gute Übungsmöglichkeit für die Bekämpfung des Ertrinkungstodes zu bieten.“

Hier lernt wirklich jeder schwimmen

Mit rund 1,5 Millionen Mitgliedern und Förderern ist die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) die größte Wasserrettungsorganisation der Welt.

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Derweil versuchen drei angebliche Nichtschwimmerinnen panisch, sich über Wasser zu halten, schreien um Hilfe. Eine schwache Schwimmerin hält sich erschöpft an einem Ball fest, eine andere hat sich den Arm gebrochen. Dazu liegen noch zwei Puppen – stellvertretend für „Opfer ohne Atmung“ – am Beckenboden, eine Zuschauerin am Beckenrand schläft. Im Briefing für die Darsteller ist detailliert festgelegt, wer was machen soll und können darf. So tunken sich die Nichtschwimmer gegenseitig und lassen sich bei der Rettung nicht auf den Rücken drehen, sondern umklammern den Retter. Sie können sich zwar an Hilfsmitteln wie Paddel oder Rettungsring festhalten, benötigen aber Hilfe, um aus dem Wasser zu kommen – und müssen irgendwie aus dem Becken gewuchtet werden. Schwierig!

Captain bewahrt Überblick

Für das Team der Rettungsschwimmer, die den Aufbau des Szenarios nicht vorab sehen durften, gelten weitere Regeln: Kampfrichter dürfen weder befragt noch beteiligt werden. Eine Herz-Lungen-Wiederbelebung wird nicht an Menschen, sondern ausschließlich an Puppen demonstriert. Nur Equipment, welches sich im Wasser und am Beckenrand befindet, darf verwendet werden. Der „Teamcaptain“ versucht, die Situation nach Betreten des Notfall-Szenarios möglichst schnell zu erkennen und zu bewerten. Er koordiniert seine Mitstreiter sinnvollerweise vom Beckenrand aus, um jederzeit mit allen kommunizieren zu können. Das Ziel ist es, innerhalb der nur zwei Minuten dauernden Übung so vielen Verunglückten wie möglich die notwendige Hilfe zukommen zu lassen. „Daher spielt die Reihenfolge der Rettung eine große Rolle“, erklärt Passing. „So müssen die schwachen Schwimmer mobilisiert sowie die Nichtschwimmer und Verletzten in Sicherheit gebracht werden, um schließlich diejenigen, die kontinuierliche Betreuung benötigen, zu retten – und gegebenenfalls wiederzubeleben.“

Die goldene Regel für Rettungsschwimmer aber lautet: Die eigene Sicherheit gewährleisten. Denn nur dann kann man Verunglückten helfen. Dafür ist der Körperkontakt zu vermeiden und – falls möglich – bei der Rettung ein Hilfsmittel zu verwenden. „Denn gerade wenn man nicht schwimmen kann, hält man sich panisch an allem fest, auch am Retter. Dieser sollte dann ein Paddel oder ähnliches reichen, um nicht selbst gefährdet zu werden“, sagt Julia Nusser. Die 22-Jährige stellt eine Nichtschwimmerin dar und muss in jedem Durchgang überzeugend panisch gegen das Ertrinken ankämpfen. „So viel zu schreien, geht auf die Stimme, daher ist das echt anstrengend. Aber wir wollen unsere Rolle überzeugend spielen und für alle Teilnehmer gleich, sonst ist es ja unfair.“ Und so tunkt sie nicht nur ihre Mitstreiterinnen, sondern auch die „Retter“ kräftig unter Wasser.

„Solche Szenarien sind generell darauf ausgelegt, dass in diesen 120 Sekunden nicht alle ,Opfer’ gerettet werden können“, sagt Passing. „Dadurch werden aber auch die Unterschiede in der Herangehensweise deutlicher, so dass die Kampfrichter die einzelnen Teams besser vergleichen und beurteilen können.“

Martina Graichen, aus Freiburg angereist, fasst ihren Eindruck der ersten sechs Teams zusammen: „Man sieht, dass sich die Gruppen jeweils auf andere Verunglückte konzentrieren und manche länger warten lassen, respektive schneller retten. Weil es mehr Verletzte als Retter gibt, muss man sich entscheiden. Es handelt sich um eine Dilemma-Situation, die uns im realen Leben auch passiert. Man muss einfach akzeptieren, dass es im Rettungswesen kein ,Perfekt’ gibt!“.

Schlauchboot hilft weiter

Eine Ansicht, die der DLRG-Ortsgruppenvorsitzende Peter Högel teilt: „Ob eine Strategie mehr oder weniger Erfolg hat, zeigt sich im Nachhinein. Aber es ist interessant zu sehen, welche Wege die Teams wählen. Clever jedenfalls war es, das Schlauchboot als Hilfsmittel zu benutzen, an dem sich die Nichtschwimmer festhalten konnten.“ Er freut sich jedenfalls sehr, dass eine Mannschaft aus Eschborn noch vor Frankfurt Nord-West und Wiesbaden-Schierstein auf dem vierten Platz gelandet ist – hinter dem Sieger aus Schwalbach–Bad Soden sowie den Gruppen Ingolstadt und Nieder-Olm / Wörrstadt.

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