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Bewusstlos im Wald: Das Drama der 14-jährigen Lisa

Schwieriger Einsatz mit glücklichem Ende: Bei einem Geländespiel wurde eine junge Oberurselerin ohnmächtig. Die Feuerwehr rettete das 14 Jahre alte Mädchen.
Um Wehrführer Harald Prokasky für sein Team »Danke« zu sagen, kehrte Lisa Donecker noch einmal nach Eppenhain zurück.	Foto: Hans Nietner Um Wehrführer Harald Prokasky für sein Team »Danke« zu sagen, kehrte Lisa Donecker noch einmal nach Eppenhain zurück. Foto: Hans Nietner
Eppenhain. 

Ein Waldstück irgendwo unterhalb des Hainkopfs. Es ist Samstagnachmittag, regnerisch, und nur noch wenige Sonnenstrahlen lugen durch die dichten Bäume. Eine Gruppe Jugendlicher hat bei einem Geländespiel dennoch ihren Spaß. Mittendrin bei dieser Geburtstagsparty eines Freundes aus Eppenhain ist auch Lisa Donecker. Doch ihr Team ist geschrumpft, auf vier junge Leute, die sich allesamt hier im Wald nicht auskennen. Plötzlich gerät Lisa in Panik, die 14-Jährige bekommt einen Krampfanfall, kann sich nicht mehr bewegen und verliert das Bewusstsein...

„Es ist alles komplett weg“, sagt Lisa beim Treffen mit dem Kreisblatt über die Momente nach dem Zusammenbruch. „Der Tag fehlt eigentlich.“ Sie weiß nicht mehr, dass ein Jugendlicher aus der Gruppe Hilfe holte, während die beiden anderen einen Notruf absetzten. Auch fehlt ihr die Erinnerung daran, dass der Eppenhainer Arzt Jochen Hammer nach Alarmierung durch die Mutter des Geburtstagskindes in den Wald eilte und sie zuerst versorgte. Dass der Rettungsdienst später kam – davon hat Lisa nichts mitbekommen. Und schließlich die Glanzleistung der Eppenhainer Feuerwehr, die mit zehn Mann und einer Trage das über 50 Kilo schwere Mädchen rund einen Kilometer im Wechsel durch den Wald bis zum Rettungswagen trug.

Erinnerungen gelöscht

All das ist bei Lisa Donecker aus Oberursel wie gelöscht, sie wachte erst am Abend in den Höchster Kliniken wieder auf. „Ich hab’ Panik bekommen, ich hatte auch Angst“, erinnert sie sich noch an die Sekunden vor dem Krampfanfall. Sie alle seien an diesem Tag des Starkregens schon nass, und im Wald sei es bereits finster gewesen, sagt sie.

Was später alles passiert, wer ihr alles zu Hilfe eilt – das erfährt sie erst von ihren Eltern. Und ziemlich bald steht für die Familie Donecker fest: Sie möchte sich angemessen bei den Rettern bedanken. Also nehmen sie Kontakt zu Eppenhains Wehrführer Harald Prokasky auf, der bei dem Träger-Trupp dabei war. Die Doneckers fahren zum Feuerwehrhaus und bedanken sich mit einer tollen 300-Euro-Spende für die Jugendarbeit. „Das war eine Herzenssache, weil es für die Feuerwehr kein normaler Einsatz war“, betont Maria-Louise Donecker. „Für die Leute muss das eine hochemotionale Sache gewesen sein“, ist sie überzeugt. Ihr Mann Peter kann nur zustimmen. Für beide ist die Spende auch ein Beitrag dafür, dass junge Leute eine sinnvolle Beschäftigung finden. 

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Lisas Geschichte weitergeht:

 


Das kann Harald Prokasky durchaus bestätigen. Natürlich seien unter den bis zu 30 Einsätzen im Jahr zu einem Großteil Hilfeleistungen, doch eine solche Rettung sei zum Glück sehr selten. Er habe so etwas bisher noch nicht erlebt. „Es gibt schönere Einsätze, wie die Katze auf einem Baum“, sagt der Wehrführer. Die Situation bei Lisa Donecker sei nämlich durchaus kritisch gewesen. Zunächst musste die Wehr sie nach der ungenauen Beschreibung nämlich im unwegsamen Gelände erst einmal finden, was schon gut eine halbe Stunde dauerte. Auf drei Wegen unterhalb des Hainkopfs erkundeten die Trupps die Gegend. Als sie fündig wurden, sei das Mädchen schon unterkühlt gewesen, erinnert sich Prokasky. Eile war also durchaus geboten, die 14-Jährige ins Warme zu bringen. Die zehn Mann der Eppenhainer Wehr wechselten sich beim Tragen über fast einen Kilometer ab, damit es schneller vorwärts geht.

Nachwuchs willkommen

„Da es ein nicht alltäglicher Einsatz war, freuen wir uns umso mehr über Lisas Genesung“, sagt Prokasky. „Aus diesem Grund sind wir bei der Freiwilligen Feuerwehr dabei.“ Ganz besonders beeindruckend findet er, dass sich die Familie noch einmal persönlich bedankt hat. „Normalerweise bekommt man die Leute nach Einsätzen hinterher nicht mehr zu Gesicht.“

Die Spende sei in der Jugend gut angelegt, um den Nachwuchs auch für solche kniffligen Einsätze gut schulen zu können. Prokasky hofft nicht nur nach dieser Aktion auf Zuwachs. Neulinge seien jederzeit willkommen. Derzeit besteht die Einsatzabteilung aus rund 20 Aktiven, ein wenig mehr dürften es schon sein. Tagsüber, wenn die meisten Eppenhainer auswärts arbeiten sind, müssen ohnehin schon die Kameraden aus Ruppertshain und Fischbach bei einem Einsatz mit ausrücken. Glück im Unglück war, dass Lisas Fall sich an einem Samstag ereignete – so konnten die Eppenhainer Lebensretter noch ein wenig schneller zu Hilfe eilen.

Wer sich für die Arbeit der Eppenhainer Feuerwehr interessiert, kann immer dienstags um 19.30 Uhr ans Gerätehaus, An der Winkelheck 1, kommen. Informationen zur Wehr gibt es auch unter Telefon (0 61 98) 50 26 17.

(wein)
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