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Das Gedächtnis des Stadtteils

Eigentlich wollte Adalbert Vollert keinen Verein gründen; seine inzwischen verstorbene Ehefrau Gertrud befürchtete gar eine massive Störung des Familienfriedens durch die "Vereinsmeierei".
Der neue Vorsitzende Wolfgang Lampe richtet dem Vereinsgründer Adalbert Vollert das Mikro.	Foto: Reuß Der neue Vorsitzende Wolfgang Lampe richtet dem Vereinsgründer Adalbert Vollert das Mikro. Foto: Reuß
Nied. 

Eigentlich wollte Adalbert Vollert keinen Verein gründen; seine inzwischen verstorbene Ehefrau Gertrud befürchtete gar eine massive Störung des Familienfriedens durch die "Vereinsmeierei". Dem Schulleiter Vollert, der damals schon seine erste heimatkundliche Schrift zu Nied verfasst hatte, ging es um ein Heimatmuseum. Dr. Josef Hartinger, damals Ortsvorsteher im Ortsbeirat 6, sagte: Dafür braucht es einen Trägerverein, wenn es Unterstützung der Stadt geben soll. So lud Vollert für den 28. Oktober 1982 100 mögliche Interessenten zu einer Gründungsversammlung ein, und 82 kamen: Der Heimat- und Geschichtsverein Nied war gegründet.

30 Jahre später erinnert sich Vollert in seiner Festrede zum Jubiläum des Vereins: "Die Sitzungen wurden in privaten, die Lichtbildervorträge in angemieteten Räumlichkeiten gehalten." Erst 1986 bekam der Verein seinen ersten Raum in der früheren Beuneschule. "Wir waren das vierte Heimatmuseum im Frankfurter Stadtgebiet", ist Vollert stolz, zu den Pionieren in der Stadt gehört zu haben.

Zur Jubiläumsveranstaltung des Heimat- und Geschichtsvereins Nied waren am Freitag rund 120 Gäste in den Saalbau gekommen. Grußworte brachten der Vorsitzende des Vereinsrings Nied, Helmut Grohmann, und der langjährige Stadtverordnetenvorsteher Karlheinz Bührmann, selbst Gründungsmitglied des Vereins. Grohmann zitierte den deutschen Theologen Hans von Keler: "Geschichte ist nicht nur Geschehenes, sondern Geschichtetes – also der Boden, auf dem wir stehen und bauen." Dem Verein sei es zu verdanken, dass immer wieder Neues entdeckt wurde – so kürzlich etwa ein Schriftstück des Reichseisenbahnamts von 1915, indem angekündigt wurde, "späterhin" den schienengleichen Bahnübergang am Rödelheimer Weg, heute Oeserstraße, zu beseitigen. "Da wird 2015 ein Jubiläum zu feiern sein", konstatierte Grohmann trocken.

Bührmann dankte dem Verein für das Geleistete: "Ohne das Heimatmuseum wäre Nied um einen bedeutenden Teil ärmer." Das verdanke man zum größten Teil seinem Gründer, Adalbert Vollert. Vollert selbst legte Wert darauf, dass nicht einer allein das alles habe stemmen können. Nachdem das Heimatmuseum 1990 seinen zweiten Raum dazubekommen habe, sei man in der Lage gewesen, zur Dauerausstellung auch Wechselausstellungen zu präsentieren, um damit immer wieder Besucher anzuziehen. "Die erste Sonderausstellung über das Eisenbahn-Ausbesserungswerk sollten 23 weitere Sonderausstellungen folgen." Der Nieder Heimat- und Geschichtsverein gibt außerdem regelmäßig heimatgeschichtliche Schriften heraus; die Mitglieder unternehmen gemeinsame Busfahrten.

Vollert hatte den Vorsitz des Vereins vor vier Jahren an Wolfgang Lampe übergeben. Mit "frischem Blut und neuen Ideen" gehe der an die Weiterführung des Vereins, lobte Vollert. Lampe, seit 2005 Mitglied des Vorstands, hatte zuvor die Mitglieder, Ehrengäste und anwesenden Gründungsmitglieder begrüßt. Der Verein hat derzeit mehr als 200 Mitglieder. Lampe lobte: "Was wäre der Verein ohne die vielen Mitglieder, die sich einbringen in die Vereinsarbeit, egal ob mit besonderer Funktion oder einfach nur, weil es ihnen Spaß macht zu stöbern, zu forschen, zu fotografieren, zu schreiben, die Augen offen zu halten, Hinweise zu geben oder einfach mitzumachen, weil sie sehen, dass sie mit ihrem Können und Wissen helfen können."

Den musikalischen Part des Abends bestritt der Frankfurter Mundartdichter und Liedermacher Rainer Weisbecker mit seiner "Frankforder Sing- und Babbelstund’ ", in der er sich – ganz dem Forschergeist des Vereins entsprechend – mit der Herkunft von Frankfurter Ausdrücken aus dem Jiddischen und Französischen beschäftigte.hv

(Holger Vonhof)
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