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Stadtarchivar verifiziert das Foto des Nazi-Opfers: Das Gesicht des Ermordeten

Hermann Kaufmann starb 1943 in einem KZ. Der Historiker Gerhard Raiss hat seinen Lebensweg erkundet und kann nun auch ein Bild dieses Mannes vorweisen.
Hermann Kaufmann (geboren 1882) wurde 1943 im KZ ermordet. Foto: Picasa Hermann Kaufmann (geboren 1882) wurde 1943 im KZ ermordet.
Eschborn. 

Gerhard Raiss ist ein Mann, der nicht so schnell die Flinte ins Korn wirft. Wenn ihm Fotos oder Dokumente fehlen, um einen Sachverhalt zu vervollständigen, so setzt er seine Suche geduldig und findig fort. Manchmal dauert es Jahre, bis er die letzten Mosaiksteinchen zusammen hat. Manchmal ergeben sich urplötzlich oder zufällig Hinweise, die zum Ziel führen.

Kürzlich berichtete das Kreisblatt über den Eschborner Bürger Hermann Kaufmann, den die Nazis 1943 in einem KZ ermordeten. Es ist nun daran gedacht, zum Gedenken an den Verstorbenen einen „Stolperstein“ vor seinem früheren Wohnhaus (Pfingstbrunnenstraße) zu verlegen. Als unsere Zeitung über die SPD-Idee berichtete, hatte Raiss zwar ein Foto vorliegen, von dem er vermutete, dass es Hermann Kaufmann zeigt. Gewissheit hatte er nicht. Inzwischen, so teilt der Stadtarchivar und Historiker mit, habe er die Aufnahme überprüft „und die Bestätigung erhalten, dass der Abgebildete mit Sicherheit Hermann Kaufmann ist“. Raiss: „Nun hat er auch ein Gesicht.“ Im Stadtarchiv sind die Kreisblatt-Ausgaben der 1930er Jahre auf Mikrofilm abrufbar. In einer Ausgabe des Jahres 1938 entdeckte Raiss eine Drei-Zeilen-Meldung: Im Sommer 1938 wurde der „Volksgenosse Hermann Kaufmann“ aus Eschborn geehrt, da er 25 Jahre in den Farbwerken in Höchst gearbeitet hatte und deswegen sein Arbeitsjubiläum feierte. Kaufmann war nach Raiss’ Worten „ein völlig unauffälliger Mann“. Seine jüdische Herkunft war in keiner Weise bemerkbar. 1938 wurde er also im Kreisblatt erwähnt, bis 1939 arbeitete er als Gärtner bei den Farbwerken und ging aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in Rente. Doch im April 1943 bestellte ihn die Gestapo nach Frankfurt ein. Kaufmann kehrte nie mehr nach Eschborn zurück.

(ask)
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