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Das Kreuz des Anstoßes

Darf eine staatliche Schule im Rahmen einer Aktion auch mal ein Kreuz aufstellen? Ein Atheisten-Verein regt sich darüber auf.
Noch bis Donnerstag ist das Kreuz in der Philipp-Keim-Schule. Dann zieht es weiter nach Marxheim in den Anne-Frank-Hort. Foto: nie Noch bis Donnerstag ist das Kreuz in der Philipp-Keim-Schule. Dann zieht es weiter nach Marxheim in den Anne-Frank-Hort. Foto: nie
Diedenbergen. 

Dass das Kreuz manchem Nicht-Christen als "Ärgernis" und "Torheit" gilt, ist nichts Neues. Von dieser "Anstößigkeit" berichtet schon der Apostel Paulus im Ersten Korintherbrief. Für den Rat Christlicher Gemeinden liegt hier sogar ein Motiv, das Hinrichtungsinstrument, das für Christen zum Zeichen ihrer Erlösung und der Überwindung von Leid und Tod wurde, in der Passionszeit ganz bewusst in den Blick zu rücken. Mit der Aktion "Das Kreuz auf dem Weg. Hofheim 2013" wollten die Kirchengemeinden zum zweiten Mal in der Zeit vor Ostern zu Gespräch und Auseinandersetzung einladen. Partner fand man in fünf kirchlichen Einrichtungen, aber auch das Landratsamt und die Philipp-Keim-Schule in Diedenbergen nehmen an der Aktion teil. Das rief jetzt allerdings den Landesverband Hessen des Internationalen Bunds der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) auf den Plan.

In einem Schreiben, das auch einigen Redaktionen zuging, wandte sich der Landesvorsitzende Martin Wagner an das Staatliche Schulamt. Er weist darauf hin, dass "die Aufstellung eines religiösen Symbols auf dem Schulhof die negative Glaubensfreiheit nach Artikel 4 Grundgesetz verletzt". Er verweist auf die religiöse Neutralitätspflicht öffentlicher Schulen und sieht die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Eltern verletzt, Kinder in einer bestimmten Weltanschauung zu erziehen. Für "unangemessen" hält es der IBKA zudem, "dass hier offenbar ausgewählten Religionsgemeinschaften die Möglichkeit gegeben wird, unter Grundschülern zu missionieren".

Rechtlich prüfen

Schulamtsdirektor Wolfgang Kreher bestätigte gegenüber dem Kreisblatt lediglich, dass das Schreiben eingegangen sei. Er sei noch dabei, "die Einwände rechtlich zu prüfen". Bevor dies nicht abgeschlossen sei, gebe er "inhaltlich dazu keine Auskunft".

In der Diedenberger Grundschule war dagegen der Protest bis gestern gar nicht angekommen. Weder hätten sich Eltern über die Kreuz-Aktion beschwert, noch habe die Schule Kenntnis von dem Schreiben des IBKA, zeigte sich Schulleiterin Elke Dick "sehr überrascht". Die Eltern hätten vorab eine Mitteilung über die Aktion erhalten, negative Rückmeldungen habe es keine gegeben. Das Kreuz, das am Freitag zur Diedenberger Grundschule getragen wurde, sei von Schülern und Lehrern mit einer kurzen Andacht begrüßt worden. An allen Aktionen rund um das Holzkreuz nähmen selbstverständlich nur die Kinder teil, die auch sonst den christlichen Religionsunterricht besuchten, erläuterte Dick. Ein Stück Allgemeinbildung werde vermittelt, weil klar werde, was Christen an Ostern feiern, findet die Schulleiterin. Und auf dem Schulhof habe das Kreuz nur bei der Ankunft gestanden, seitdem sei es im Mehrzweckraum aufgestellt.

Pfarrer Thorsten Heinrich von der evangelischen Kirchengemeinde Diedenbergen sagt deutlich: "Wir missionieren nicht, wir klären auf." Kindern den Sinn des Osterfestes zu erklären, ist für ihn das Hauptziel der Aktion. Das entspreche dem Bildungsauftrag der Kirchen. Von "großer Begeisterung" bei den Kindern kann er berichten. Und von keinerlei Kritik seitens der Eltern. Auch der katholische Pastoralreferent Matthias Adler-Machill hat bislang nicht den Eindruck gehabt, "dass da irgendjemand ein Problem gesehen hat". Wenn jemand sich "auf die Fahnen" schreibe, "die Welt von Religion zu erlösen", könne das aber sicher ein Ansatz sein, so Adler-Machill.

In Soden nie Protest

Die "Sodener Passion", die seit neun Jahren ein Kreuz auch an öffentliche Orte bringt, habe noch nie einen solchen Protest hervorgerufen, sieht Pfarrer Hans Genthe, Sprecher des evangelischen Dekanats Kronberg, das Schreiben des IBKA eher als Einzeläußerung. Rechnen müsse man aber mit solchen Reaktionen. Es sei schließlich richtig, dass Schulen keine konfessionellen Einrichtungen seien.

Der Verfasser des Protestschreibens, Martin Wagner, räumte gestern auf Anfrage ein, ein Elternteil habe sich an ihn gewandt, allerdings mit dem Hinweis, dass noch mehrere Eltern hinter ihm ständen. Ein Drittel der Bevölkerung sei "nicht mehr bereit, zuzulassen, dass bestimmte kirchliche Dominanzen gepflegt werden", begründet Wagner sein Engagement. Dem IBKA, der in Hessen rund 100 Mitglieder habe, gehe es um "ein Umdenken. Wir wollen, dass das uns zugebilligte grundgesetzliche Recht auf Neutralität auch zugewilligt wird."babs

(Barbara Schmidt)
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