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Improvisationstheater: Das Publikum wird bei der Suche nach dem Mörder mit einbezogen

Von Das Eschborn K wurde jetzt zum Tatort. Bis zum Schluss war die Spannung groß und die Zuschauer fieberten mit auf der Suche nach dem Mörder von Bauchtänzerin Esmiralda.
Wie am „echten“ Tatort wurden Schaulustige durch ein Absperrband vom Opfer fern gehalten. Foto: Maik Reuß Wie am „echten“ Tatort wurden Schaulustige durch ein Absperrband vom Opfer fern gehalten.
Eschborn. 

Passiert ist es am Samstagabend im Garten des Kulturzentrums Eschborn K: Die Leiche einer Frau wurde gefunden, die ermordet wurde. Sofort scharen sich Schaulustige vor dem Absperrband, die der Kriminalpolizei bei der Spurensicherung zusehen. In echt wäre diese Theaterszene schon ziemlich gruselig gewesen. Aber die Akteure waren Stefanie Petereit, Tamara Bögle, Jens K.E Müller und Norbert Deeg vom Wiesbadener Improvisationstheater „Für Garderobe Keine Haftung“ (FGKH) – und die Schaulustigen waren natürlich das Publikum des Eschborn K.

Bei dem Live-Krimi „MordArt – Tatort Eschborn“ steuerten die Zuschauer sogar mitgebrachte Indizien bei: einen Kerzenständer, eine Schneeglaskugel und eine Gartenschere. Auch sonst war ihr Zutun gefordert. „Was Sie heute sehen werden Sie nie mehr so sehen, denn Sie machen für uns einmalig die Vorgaben“, sagte Norbert Deeg. Das Publikum gab dem Opfer und den Verdächtigen Namen und eine Teil-Biographie. Erwischt hat es die Leiterin der Bauchtanz-Gruppe, Esmiralda, aus dem Kursprogramm im Eschborn K.

Mehrere Verdächtige

Als Verdächtige geraten schnell der Bestatter Casper, der bei ihr Bauchtanz lernt, ihr ehemaliger Religions- und Erdkunde-Lehrer Hans-Jörg Schalk sowie ihre Sandkastenfreundin Silvia, mit der sie in einer WG lebt, ins Visier.

Aber das Konzept von FGKH hat einen besonderen Dreh. Außer dem Mörder, weiß tatsächlich bis zum Ende niemand, wer der Mörder ist. Den Schauspielern wurden ihre Rollen geheim und zufällig zugeteilt. Christel aus dem Publikum hütet die verschlossenen Umschläge mit der Wahrheit über den Mörder bis zur Aufklärung. Das klingt auch alles sehr nach Mitmach-Theater, bei dem das Publikum ständig genötigt wird irgendetwas beizutragen, was es gar nicht will.

Das war aber überhaupt nicht der Fall: Die Zuschauer agierten von sich aus begeistert mit. Geboten wurde ihnen dafür eine exquisite schauspielerische Leistung mit vielen schrägen Charakteren, die von den FGKH-Akteuren gelungen aus dem Stehgreif entwickelten wurden. Über Casper kommt heraus, dass er die Leitung der Bauchtanzkurse anstrebt und dass sein Vater seine Mutter mit einer Gartenschere ermordet hat und dass er selbst in psychiatrischer Behandlung ist. Jens K.E. Müller spielt ihn immer diabolischer und irrer.

Lehrer Schalk, gemimt von Norbert Deeg, hat auch einen Dachschäden: Er verlässt Eschborn niemals, weil er alles auf der Welt, insbesondere das Körperliche, für böse hält. Was ihn nicht davon abhält, Esmiralda heimlich zu lieben und 40 000 Samenspenden allein für Eschborn abzugeben. Über Silvia, die Tamara Bögle darstellte, erfährt man, dass sie als Einzige eine Liebesbeziehung mit dem Opfer Esmirada hatte, die ein Kind über eine Samenspende erwartet. Esmiralda will sie aber loswerden, weil sie arbeitslos ist und nur im Kiosk und beim Bau jobbt. Auch die Männer weist Esmiralda zurück.

Als Todesursache wird Ersticken durch Küssen diagnostiziert. Wer hat sie also auf dem Gewissen? Stefanie Petereit hat – als schon anfangs totes Opfer Esmiralda – viel Zeit, den Fall als Kommissarin Inga Fuchs aus Offenbach aufzukälren. Lokalbezüge kamen immer wieder vor und sorgten für Amüsement – ebenso der hessische Slang einiger Figuren. Denn die Schauspieler waren in Doppelrollen zu sehen. Auch eine Pressekonferenz wurde abgehalten mit Zuschauerfragen als Vertreter des Höchster Kreisblatts und anderer Zeitungen. All das sorgte für große Erheiterung. Dann sollte das Publikum seinen Tipp für den Mörder in drei große Gläser werfen: Casper, Lehrer Schalk und Silvia waren etwa gleichauf im Rennen. Heidi aus dem Publikum traf ins Schwarze. Casper war es.

Trostpreis für Falschtipper

Ein Buch von Nele Neuhaus und zwei Freikarten für einen weiteren FGKH-Theaterabend in der Region waren ihr Lohn. Auch Trostpreise für zwei Falschtipper gab es. Mit dem

Improvisationstheater haben die Macher des Eschborn K einen guten Griff getan. Das FGKH war zum ersten Mal hier engagiert. Es kann wiederkommen, ist die Meinung eines Großteils des Publikums.

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