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Gewässer vorm Umkippen schützen: Dauer-Hitze stellt die Fischereivereine vor große Herausforderungen

Von Die Hitze gefährdet auch das Leben in Flüssen, Bächen, Teichen und Tümpeln: Wenn sich das Wasser aufheizt, schwindet der Sauerstoff, und die Fische ersticken. Vereine wie die Angelsportgemeinschaft Schwanheim kämpfen dagegen an.
Andreas Cormier, der 2. Vorsitzende der Angelsportgemeinschaft Schwanheim (l.), und Gewässerwart Wolfgang Schmitt messen den Sauerstoffgehalt im Wasser ihres Teiches, der früher einmal das Tillybad war. Mit der Pumpe im Hintergrund wird ständig Sauerstoff eingebracht. Foto: Maik Reuß Andreas Cormier, der 2. Vorsitzende der Angelsportgemeinschaft Schwanheim (l.), und Gewässerwart Wolfgang Schmitt messen den Sauerstoffgehalt im Wasser ihres Teiches, der früher einmal das Tillybad war. Mit der Pumpe im Hintergrund wird ständig Sauerstoff eingebracht.
Höchst. 

Die Höchster Angler haben ihren Teich in Schwanheim, die Angelsportgemeinschaft Schwanheim hingegen hat ihr Gewässer in Höchst: Als Ausgleich für den Bau der Leunabrückenanbindung bekam sie damals einen Mietvertrag für das renaturierte Tillybad, das ehemals städtische Schwimmbad neben dem Vereinsbad des Höchster Schwimmvereins. Damit sind für die Angelsportgemeinschaft einige Besonderheiten verbunden: Ihr Gewässer ist an der tiefsten Stelle gerade mal 3,20 Meter tief, hat keinen Zu- und keinen Abfluss und wird am Grund von Betonplatten abgedichtet. Das bringt große Nachteile gerade in der Hitze der vergangenen Wochen: Die Angler müssen ihr Gewässer mit großen Anstrengungen vorm Kippen bewahren.

Viele Stunden Arbeit

Die Mitglieder leisten „Hegedienststunden“ und engagieren sich darüber hinaus freiwillig für den Erhalt ihres Gewässers. „Viele von uns sind inzwischen seit fünf, sechs Wochen jeden Samstag auf dem Gelände, von morgens bis abends“, sagt der 2. Vorsitzende des Vereins, Andreas Cormier. Das 22 000-Quadratmeter-Areal mit seinem 140 mal 35 Meter großen Teich muss gepflegt werden. Regelmäßig wird Schlamm abgesaugt. Besonders wichtig ist jedoch fürs Überleben der Fische, dass das Wasser genug Sauerstoff enthält. Gewässerwart Wolfgang Schmitt misst den Sauerstoffgehalt pro Liter Wasser mit einem elektronischen Gerät; Cormier assistiert ihm. „8,29“, sagt Schmitt an. Der Wert ist okay, doch liegt das an einem Umwälz-Pilz, der das Wasser ständig verwirbelt und so mit Sauerstoff anreichert. „Ohne den Lüfter hat man in drei Tagen nur noch einen Wert um die 4“, weiß Schmitt. „Dann muss man schleunigst reagieren.“

Pumpe im Dauerbetrieb

Wegen der Hitze läuft die Pumpe seit drei Wochen auf Dauerbetrieb. „Das kostet uns eine Stange Geld“, sagt Cormier, denn der Strom muss bezahlt werden. Der Einbau von Solarpaneelen sei zu riskant, weil das Gelände dem Verein nicht gehört: Er ist nur Mieter der Bäderbetriebe Frankfurt, dem das Tillybad noch immer gehöre.

Für die Pumpe gab es allerdings einen Zuschuss vom Regierungspräsidium. Der 70 Mitglieder starke Verein arbeitet derzeit auch Pläne aus, die Wasserqualität durch natürliche Filter wie Schilf zu steigern. „Es steckt aber viel Arbeit dahinter“, sagt Andreas Cormier. „Ohne Gewässerpflege ist Angeln nicht möglich.“

Die Gewässerwarte messen nicht nur den Sauerstoffgehalt des Wassers, sondern auch den pH-Wert sowie den Nitrit- und Nitratgehalt. Das ist wichtig für das Gleichgewicht des Lebens unter der Wasseroberfläche, wo sich außer Weißfischen und Schleien auch Karpfen und Hechte tummeln. „Manche Arten sind eingesetzt, aber manche kommen auch von selbst“, erklärt Cormier. Fischlaich kann etwa von Wasservögeln eingetragen werden. „Die Hechte haben Jungbrut“, freut sich Cormier. Obwohl er seit mehr als 30 Jahren angelt, hat er noch nie einen gefangen – sein Sohn schon.

Derzeit hat das Gewässer eine Temperatur von 24,2 Grad – der Rhein, ein Fließgewässer, ist bei 27 Grad angekommen. „Das ist gefährlich“, weiß Cormier. Der Rhein hat seit Wochen Badewannentemperaturen. Für die Behörden bedeutet das höchste Alarmstufe. Im Hochrhein in der Schweiz hat das Fischsterben bereits eingesetzt. Die Schweizer Behörden hatten im Juli schon zwischen dem Bodensee und Schaffhausen mit ersten Schutzmaßnahmen begonnen: An den Zuflüssen kälterer Bäche wurden sechs Kaltwasserbecken ausgebaggert. „Auch bei uns sind die Fische jetzt an der tiefsten Stelle“, erklärt Cormier.

Auch wer nicht mehr körperlich fit ist, soll sein Hobby nicht aufgeben müssen, hat die Angelsportgemeinschaft Schwanheim entschieden und deshalb ebenerdige Plattformen als Rollstuhl-Angelplätze angelegt. Das Hobby boomt: „Die Angelkurse jedes Frühjahr und jeden Herbst in Nied sind voll“, berichtet Cormier. Der Austausch mit anderen Vereinen werde gepflegt; so war etwa schon die Kelkheimer Angeljugend auf dem Tillybad-Gelände. Fürs kommende Jahr ist erstmals ein Fischerfest geplant, man sitze an ersten Iden. „Im Moment hat aber die Erhaltung des Gewässers oberste Priorität.“

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