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Stadtteilhistoriker Adalbert Vollert: Der Archäologe des verschütteten Wissens

Von Er hat die Geschichte Nieds aus den Archiven ausgegraben: Der Stadtteilhistoriker Adalbert Vollert ist 90 Jahre alt geworden.
Nied. 
Feierte 90. Geburtstag: Adalbert Vollert. Bild-Zoom Foto: Maik Reuß
Feierte 90. Geburtstag: Adalbert Vollert.

Wenn man mit ihm spricht, fallen einem kluge Augen auf, die lustig durch die Brillengläser blitzen. Adalbert Vollert, Chronist der Nieder Stadtteilgeschichte und Spezialist für vieles mehr, was mit Historie zu tun hat, ist 90 Jahre alt. Obwohl er den Nieder Heimat- und Geschichtsverein schon seit einigen Jahren nicht mehr führt und sein letztes Buch auch schon vor einer gewissen Zeit erschienen ist, hat Vollert nicht aufgehört, sich mit der Geschichte zu beschäftigen. 40 Jahre seines Lebens hat der frühere Direktor der Gerhard-Hauptmann-Realschule der Geschichtsforschung gewidmet, immer unterstützt von seiner Gertrud, die 2009 verstarb.

Als junger Mann wollte er sein Wissen bei den Schülern abladen, befasste sich mit pädagogischen Schriften wie den „Handreichungen für einen gegenwartsbetonten Unterricht“. Später wurde sein Publikum älter. Angefangen hat alles 1975, als der Geschichtslehrer Vollert mit der Arbeit an seiner ersten Stadtteilchronik begann, natürlich der von Nied, seinem Heimatstadtteil. Beauftragt wurde er damit von der Frankfurter Sparkasse, die eine Schriftenreihe mit Stadtteil-Historien veröffentlichte. Drei Jahre arbeitete Vollert an der Chronik, der ersten zu Nied seit dem Jahr 1910. Seine „Gesellenarbeit“ hat er sie einmal genannt. Und weil die Auftraggeber zufrieden waren, durfte sich Vollert auch der Chroniken Sossenheims, Zeilsheims und Sindlingens annehmen, wo er seinerzeit wie in den meisten Stadtteilen noch keine Heimat- und Geschichtsvereine gab: Er war der einzige Ansprechpartner.

 

Verein gegründet

 

Ein Resultat seiner Arbeit zur Nieder Historie war die Gründung des Heimat- und Geschichtsvereins Nied im Jahr 1982. Vollert hatte mehr als tausend Bilder zusammengetragen. Um die zu zeigen, brauchte er einen Ausstellungsraum. Und um einen Raum zu bekommen, brauchte er einen Verein. 1986 wurde das Heimatmuseum eröffnet.

Seine Sammelleidenschaft rettete ihm vielleicht einmal das Leben: Vollert, der aus einfachen Verhältnissen stammt, fand in der Nazi-Zeit Rückhalt in der katholischen Kirche und entging dem Fronteinsatz. 1945 wurde er vom CIA verhört, weil er keinen Pass vorweisen konnte: Er sollte in ein französisches Bergwerk geschickt werden. Da fand er in seiner Hemdtasche ein verblichenes Schreiben der Hitlerjugend, in dem er „letztmals verwarnt“ wurde, zum HJ-Sonntagsdienst zu erscheinen. Der Zettel rettete ihn vor dem Bergwerk.

Vollert blieb bis 2007 Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Nied, schrieb Bücher wie „Nied am Main – ein Stadtteil in alten Karten und Ansichten“, „Ein Gang durch Nied – Straßennamen erzählen“ oder „Nied – Ein Dorf zwischen den Fronten“, hielt Vorträge, forschte und war kundiger Ansprechpartner für jeden, dem eine Frage zu Nied auf der Seele brannte. Inzwischen hat er sich weitestgehend zurückgezogen, hat aber immer noch alle anstehenden Jubiläen oder Jahrestage im Kopf, die mit der Nieder Geschichte zusammenhängen. Und ist stolz darauf, dass seine Tochter Brigitte in seine Fußstapfen getreten ist und sich als Stadtteilhistorikerin einen Namen gemacht hat.

 

Vielfach geehrt

 

2011 wurde Vollert, der schon die Verdienstmedaille der Bundesrepublik und den Ehrenbrief des Landes Hessen in der Schublade hat, für sein ehrenamtliches Engagement mit der Bürgermedaille der Stadt Frankfurt ausgezeichnet. Seine größte Auszeichnung ist aber das Lob aus dem Stadtteil, der Dank, wenn jemand zu ihm sagt: Durch Sie habe ich das alles erst begriffen, ich habe Ihr Buch mit Vergnügen gelesen. Das ist der Lohn für tausende Stunden in staubigen Archiven. Archive, die zu seinem selbst gewählten Bergwerk wurden.

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