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Der Bürgermeister muss ganz viele Akten durchlesen

Die Klasse 4 b der Fridtjof-Nansen-Schule mit ihrem Lehrer Norbert Brinkmann hat ein Interview mit Olaf Cunitz (Die Grünen) geführt, der seit 15. März 2012 Bürgermeister von Frankfurt ist.
Foto: Dagmar Konopka Bilder > Foto: Dagmar Konopka

Herr Cunitz, Welche Aufgaben haben Sie als Bürgermeister?

OLAF CUNITZ: Ich bin zum einen Stellvertreter des OB, und das bedeutet, dass ich ab und an die Magistratssitzungen leite, also die Sitzungen der Stadtregierung. Und dann bin ich für Planen und Bauen in Frankfurt zuständig, also für Wohnungsbau, für den Bau von Kindertagesstätten, von Turnhallen und von Schulen und für die Planung von neuen Flächen, wo was gebaut werden kann. Das ist meine hauptsächliche Aufgabe.

Was ist Ihre tägliche Arbeitszeit?

CUNITZ: Meistens bin ich gegen 8.30 Uhr im Büro, und wenn es ein kurzer Tag ist, geht der ungefähr zehn Stunden, dann bin so bis 18.30 Uhr im Büro. Aber oft habe ich auch abends Veranstaltungen. Dann kann es auch schon mal sein, dass ich erst um Mitternacht zu Hause bin. Dann sind es also 12 oder 14 Stunden.

Wie sieht Ihr Arbeitstag aus?

CUNITZ: Ich komme morgens ins Büro, dann gucke ich mit meinen Mitarbeitern zusammen die Zeitungen an, was gibt es an Neuigkeiten und an Meldungen. Dann haben wir oft Besprechungen – ich habe insgesamt sieben Ämter – mit den Mitarbeitern, die mir zuarbeiten, und dann haben wir oft Besprechungen mit denen, an welchen Projekten sie gerade dran sitzen und wie weit sie mit der Arbeit sind. Dann gibt es oft Außentermine, zu denen ich auf Baustellen fahre und prüfe, wie da gerade der Stand der Arbeit ist, und dann ist viel Papierkram (Cunitz holt einen Aktenstapel aus dem Vorraum.) Diese vielen Aktenvorgänge muss ich dann durchlesen, zum Beispiel hier die Beurteilung eines Mitarbeiters oder Vorgänge wie Antwortschreiben an Bürger; das muss ich alles durchlesen und dann abzeichnen.

Warum wollten Sie Bürgermeister werden?

CUNITZ: Ich bin gefragt worden, ob ich das werden will und hatte nicht viel Zeit zu überlegen, nämlich nur zwei Tage, ob ich das machen will oder nicht. Am Ende habe ich es als große Ehre empfunden, denn ich bin in Frankfurt geboren, und das ist eine einmalige Chance, ein solches Amt zu übernehmen, und das hat mich gereizt.

Wollten Sie schon als Kind Bürgermeister werden?

CUNITZ: Nein, da habe ich nicht im Traum dran gedacht. Da wollte ich Feuerwehrmann oder Astronaut oder Lokomotivführer werden. Als Kind hätte ich mir das nie vorstellen können, dass ich Bürgermeister werde. Das hat sich im Laufe der Zeit geändert.

Was mussten Sie lernen, um Bürgermeister werden zu können?

CUNITZ: Das ist anders, als wenn man zum Beispiel Arzt wird oder Ingenieur; da gibt es eine genaue Ausbildung: Man geht an die Universität und lernt bestimmte Sachen und ist dann auf den Beruf vorbereitet, und das gibt es als Bürgermeister gar nicht. Im Prinzip kann jede Bürgerin und jeder Bürger Bürgermeister werden. Also später kann jeder von euch das werden und braucht eigentlich gar keine spezielle Ausbildung, sondern man muss es sich zutrauen können. Man muss mit Menschen zusammen arbeiten, man muss sich in neue Themen einarbeiten können, aber eine spezielle Ausbildung gibt es dafür eigentlich nicht.

Fühlen Sie sich in Ihrem Büro wohl?

CUNITZ: Ja, doch sehr. Die schöne Aussicht, und es ist schön groß: Da kann man wunderbar arbeiten.

Was mögen Sie am meisten an Ihrer Arbeit?

CUNITZ: Wenn ich durch die Stadt fahre oder gehe, sehe ich sehr unmittelbar, was ich gearbeitet und entschieden habe. Denn man sieht durch das Bauen immer, das etwas in der Stadt konkret passiert, und dieses Unmittelbare zu sehen, was man arbeitet, das finde ich das Schöne daran, also dass man etwas Schönes für Frankfurt erreichen kann.

Was unterscheidet die Arbeit eines Oberbürgermeisters von der eines Bürgermeisters?

CUNITZ: Gute Frage. Ich war selber nie OB, deswegen kann ich es schwer vergleichen. Wir haben alle im Magistrat, der Stadtregierung, unterschiedliche Aufgabenbereiche. Ich bin für das Planen und Bauen zuständig, und der OB ist für das ganze Personal der Stadt Frankfurt zuständig; das sind unterschiedliche Arbeitsbereiche wie in einem großen Unternehmen, in dem der eine für Personal zuständig ist, der andere für den Einkauf und der dritte vielleicht für die Bautätigkeit. Ich glaube, der OB hat viel mehr repräsentative Aufgaben. Also er muss auf viel mehr Empfänge gehen und auch ins Ausland reisen. Das ist bei mir nicht so häufig.

Haben Sie einen Stellvertreter?

CUNITZ: Ich vertrete den OB, und wenn ich selbst nicht da bin, dann vertritt der OB mich.

Wie viel Freizeit haben Sie?

CUNITZ: Unter der Woche wenig, da die Arbeitstage sehr lang sind, aber an den Wochenenden habe ich selten etwas beruflich zu tun. Dann habe ich viel Zeit für meine Familie und für meine Hobbys.

Haben Sie Bodyguards?

CUNITZ: Nein zum Glück nicht, denn ich bin niemand, der Angst um sein Leben oder seine Gesundheit haben muss, und nur ganz selten ist mal bei einer Veranstaltung die Polizei da, weil sie den Eindruck hat, das könnte jetzt gefährlich sein. Doch das war erst einmal in den zwei Jahren.

Ist der Beruf anstrengend?

CUNITZ: Nicht anstrengender als andere Berufe wie der eines Bäckers, der um 4 Uhr morgens aufstehen muss, um zu backen, oder wie jemand, der bei Opel am Fließband arbeitet und Autos zusammenschraubt. Ich glaube, der Beruf ist nicht anstrengender als andere auch.

Verdienen Sie viel Geld?

CUNITZ: Für meine Familie ist das sehr viel Geld, nämlich pro Monat 11 000 Euro. Bisher hatte ich noch nicht so viel verdient. Es gibt in Frankfurt sicher viele Menschen, die mehr verdienen. Aber ich finde, das ist schon viel Geld.

Sind Sie oft im Ausland?

CUNITZ: Ich glaube so drei, vier Mal maximal im Jahr.

In welchen Ländern waren Sie schon als Bürgermeister?

CUNITZ: In Frankreich, in Italien und in Lettland.

Und in welchen davon am liebsten?

CUNITZ: Es war eigentlich überall interessant; für mich war Lettland am interessantesten, weil ich da vorher noch nie war.

Was möchten Sie an Frankfurt verbessern?

CUNITZ: Ich glaube das Wichtigste ist zurzeit, dass mehr Wohnungen gebaut werden. Das ist die Hauptaufgabe.

Welche Pläne haben Sie, Frankfurt moderner zu bauen?

CUNITZ: Momentan wächst die Bevölkerungszahl sehr stark, weil Frankfurt eine attraktive Stadt ist, denn hier gibt es viele Arbeitsplätze. Meine Hauptaufgabe, Frankfurt moderner zu gestalten, ist herauszufinden, wo können noch Wohnungen, vor allem günstige Wohnungen, gebaut werden.

Was mögen Sie besonders an Frankfurt?

CUNITZ: Dass man relativ schnell von einem Stadtteil zum anderen mit der Straßenbahn, mit U- oder S-Bahn kommt. Diese kurzen Wege finde ich super.

Weshalb sind Wohnungen in Frankfurt so teuer?

CUNITZ: Weil in den vergangenen Jahren ganz viele Menschen nach Frankfurt gezogen sind und nicht so viele Wohnungen gebaut wurden, wie Menschen nach Frankfurt gekommen sind. Wenn Wohnungen knapp werden, dann steigt ihr Preis. Wegen des Bevölkerungswachstums sind die Wohnungen teuer.

Haben Sie berufliche Feinde?

CUNITZ: Ich glaube, es gibt Leute denen gefällt das nicht, was ich mache; aber ich weiß nicht, ob das dann Feinde sind. Wenigstens hat es mir noch keiner gesagt, dass er mein Feind ist. Und ich hoffe, dass man unterschiedlicher Meinung sein kann, aber sich dennoch nicht als Feind versteht.

Macht der Beruf Spaß?

CUNITZ: Ja total, ich kann mir im Augenblick gar nichts Schöneres vorstellen, als Bürgermeister von Frankfurt zu sein.

Wie lange möchten Sie noch Bürgermeister sein?

CUNITZ: Nun ich bin auf sechs Jahre gewählt. Also wäre ich noch bis 2018 Bürgermeister und würde mich sehr freuen, wenn ich die Möglichkeit hätte für eine weitere Amtsperiode. Natürlich weiß man nicht, was in der Zukunft liegt, aber nach einem Zeitraum von zehn bis zwölf Jahren, dann wäre es auch gut.

Haben Sie auch Ferien?

CUNITZ: Ja, natürlich habe ich Ferien. An Ostern war ich mit der Familie weg, und in den Sommerferien werden wir in Urlaub fahren.

Das Interview führten: Mert Can Balkan, Laura Bibic, Ruth Engdasew, Hilal Erdogdu, Luka Gordanic, Ruweida Beldig Ibourana, Günes Kalin, Iclal Karabulut, Dagmar Konopka, Ashley Lipinski, Nico Morales Beiza, Elif Peker, Adam Soliman, Youssef Taouil und Jovana Velkovska

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