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Der Mann von der Nidda-Halbinsel

Ein Film über den von den Nazis verfolgten Johann Holler, der später auf einer Nidda-Insel lebte, zeigt der Geschichtsverein Nied am Donnerstag.
Johann
Holler Bilder > Johann Holler
Frankfurter Westen. 

Die Geschichte von Johann Holler, kurz Scheng genannt, beginnt in Rodenkirchen (heute ein Stadtteil von Köln) und endet in Sossenheim. Sie handelt von einem jungen Antifaschisten, der in der der Nazi-Diktatur in die Mühlen der Repression gerät von der Gestapo schwer misshandelt wird. Elf Jahre muss der Kommunist in Zuchthäusern in Hitler-Deutschland überstehen. Seine politische Überzeugung und sein Hass auf die Nazis werden zu seiner Kraftquelle. Schließlich wird er von den Amerikanern aus dem Zuchthaus in Butzbach befreit. Sie bieten ihm an, bei der Entnazifizierung in Bereich der Industrie und der Banken mitzuarbeiten. Holler ist so begeistert, dass er in Frankfurt bleibt. Doch im Zuge des Kalten Krieges wird Holler als Kommunist aus US-Diensten entlassen. Er siedelt sich auf einer Halbinsel eines Nidda-Altarms im Sossenheimer Unterfeld an und züchtet Nutrias.

Der frühere HK-Redakteur Boris Schöppner hat dem Leben Hollers einen knapp 90-minütigen Dokumentarfilm gewidmet. Der Journalist sprach mit Menschen, die Holler kannten, besuchte Orte, an denen er lebte und den Kampf gegen die Nazis organisierte. Herausgekommen ist eine einfühlsame Annäherung an einen vielschichtigen und nicht immer ganz einfachen Menschen. Schöppner vermeidet es, eine Heldengeschichte zu entwerfen, vielmehr lässt sein Film Platz für Widersprüche, Zweifel und Momente der Nachdenklichkeit.

„Als ich mit den Recherchen angefangen habe, hatte ich nicht außer zwei vagen Sätzen in zwei Büchern und die Schilderungen eines Garten Nachbarn Hollers. Alleine zwei Jahre hat es mich gekostet, den Namen der noch lebenden Tochter herauszufinden und Kontakt mir ihr aufzunehmen. Dass sie die Lebenserinnerungen und viele Dokumente aus dem bewegten Leben ihres Vater aufbewahrt hatte, machte mir es überhaupt erst möglich, die Film-Idee zu entwickeln“, blickt Schöppner zurück. Über seine Arbeitsweise und die Schwierigkeiten eines solchen Projekts wird er am Donnerstag, 15. August, gerne im Anschluss an die Filmvorführung im Beunehof, Beunestraße 9 a, diskutieren. Die Veranstaltung des Heimat- und Geschichtsverein Nied beginnt um 18.30 Uhr.

(Boris Schöppner)
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