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Neuer Vorsitzender: Der Punk, der zur CDU ging

Von Die Zeilsheimer CDU hat direkt nach der Bundestagswahl einen neuen Vorsitzenden gekürt: Es ist der erst 27 Jahre alte Lehramtsstudent Kevin Bornath. Der will die Menschen in seinem Stadtteil aus der Protest-Ecke holen.
Kevin Bornath in seiner Dachgeschosswohnung in Alt Sindlingen, in der er zurzeit an seiner Examensarbeit schreibt. Die Gitarren sind immer dabei. Foto: Maik Reuß Kevin Bornath in seiner Dachgeschosswohnung in Alt Sindlingen, in der er zurzeit an seiner Examensarbeit schreibt. Die Gitarren sind immer dabei.
Zeilsheim. 

14,5 Prozent der Zeilsheimer haben bei der Bundestagswahl ihr Kreuzchen bei der AfD gemacht – überdurchschnittlich viele. Auch die Zeilsheimer CDU hat in ihrer Hochburg Stimmen verloren. Die Mitglieder der Christdemokraten setzen nun ihre Hoffnung in einen 27 Jahre alten Lehramtsstudenten: Kevin Bornath ist bei ihrer Versammlung einstimmig zum neuen Vorsitzenden gewählt worden und löst Claudia Wesner ab, die nach vier Jahren aus privaten Gründen nicht mehr kandidierte.

Wesner ist zuversichtlich: „Mit Kevin Bornath übernimmt ein verantwortungsbewusster und engagierter junger Politiker das Amt. Dass er in der Lage ist, einen Vorstand zu führen, hat er bereits die letzten zwei Jahre als Vorsitzender der Jungen Union Frankfurt-West unter Beweis gestellt.“ Auch Alfons Gerling, Ehrenvorsitzender der CDU Zeilsheim, ist gewiss, dass nun „ein im Stadtteil gut verwurzelter Zeilsheimer den Vorsitz übernimmt, der die Partei in eine gute Zukunft führen und auch Zeilsheim weiter voranbringen wird“.

Politische Heimat

Doch dürften einige zuerst etwas fremdeln. Bornath, Bartträger mit Rock-T-Shirts und großem „Fleischtunnel“ im Ohr, also einem durchbohrten Ohrläppchen, durch das man durchschauen kann, entspricht nicht unbedingt dem Idealbild des Konservativen. „Ich könnte, was manche Dinge angeht, auch bei den Linken oder bei den Grünen sein“, sagt Bornath selbst. Aber in den vergangenen Jahren habe er in der CDU seine politische Heimat gefunden.

„Ich muss mit euch reden“

„Zeilsheimer, ich muss mit euch reden“ ist auch der Titel eines Gesprächabends beim Bier, zu dem der in Zeilsheim geborene Musik-Manager und frühere FSV-Funktionär Bernd Reisig für

clearing

Aufmerksam geworden sei er auf die Zeilsheimer Union durch seinen damaligen Nachbarn Rainer Schwarzbach, den 2010 verstorbenen langjährigen CDU-Ortsbeirat. „Ich war damals noch unentschieden, habe in der CDU aber Leute gefunden, mit denen ich mich verstanden habe“, sagt Bornath, der in der Siedlung Friedenau aufgewachsen ist. Doch reicht das, um die Partei mit dem großen „C“ zu wählen, auch wenn man sich selbst als konfessionslos bezeichnet?

„Konservativ sein heißt, das zu bewahren, was gut ist, und das zu verändern, was besser sein könnte“, sagt der Philosophiestudent. So ist er etwa ein Verfechter der Homo-Ehe – wie auch der CDU-Bundestagsabgeordnete seines Wahlkreises, Matthias Zimmer. „Das hat uns einander im Wahlkampf auch noch einmal näher gebracht“, sagt Bornath, der an Zimmer vor allem dessen politische Analysen schätzt. Die Linken oder die Grünen seien für ihn keine Heimat, denn er sei an pragmatischer Politik interessiert und nicht daran, nur Idealen nachzulaufen, sagt Bornath.

Der Musik-Fan mit riesiger Plattensammlung, der selbst in Punk-Gruppen spielte, sieht sein politisches Engagement auch aus der Musik resultierend: Der Hardcore, dem er anhänge, sei auch eine Gegenbewegung zum „No Future“ („Keine Zukunft“) des Punk. „Wichtig ist, dass die Leute sich positionieren“, sagt Bornath. „Es ist viel schwieriger, für etwas einzustehen, als gegen etwas zu sein.“ Zudem lebten wir in einer Zeit, in der viele verlernt hätten, Kompromisse zu machen: „Ich muss nicht alles gut finden, was meine Partei macht. Aber Politik heißt, sich mit einem großen Spektrum an Meinungen an einen Tisch zu setzen und Lösungen zu finden.“

Vorbild Alfons Gerling

Zu seinem Amtsantritt bekundete der Student, der an seiner Examensarbeit schreibt, dass er nach den Bundestagswahlen seine Aufgabe darin sieht, Ansprechpartner für die Sorgen und Probleme der Zeilsheimer zu sein und Politik zugänglicher zu gestalten. Er kündigte an, nicht nur im Ort für seine Mitmenschen da sein zu wollen, sondern auch Stellung gegen die anti-europäischen, nationalistischen und fremdenfeindlichen Tendenzen der AfD zu beziehen – Positionen, die seiner Auffassung nach mit dem Christdemokratsein unvereinbar sind. Dazu gehöre, mehr mit den Menschen im Stadtteil zu sprechen. Ein Vorbild ist für ihn dabei der langjährige Zeilsheimer CDU-Landtagsabgeordnete Alfons Gerling: „Er hat seine Politik darauf begründet, präsent zu sein und ein Ohr für die Menschen zu haben.“

Nachhaltigkeit ist für ihn unverzichtbar: „Wir müssen Politik so gestalten, dass sie auch für die nächste Generation taugt.“ Dazu gehöre für ihn auch, dass die Felder um Zeilsheim, in denen er als Kind gespielt habe, nicht bebaut werden. Viele Entscheidungen, die in den vergangenen Jahren von der Stadt getroffen wurden, seien nicht immer auf Verständnis bei den Bürgern gestoßen. Wichtig sei nun, die Infrastruktur in den Stadtteilen mehr auf deren Bedürfnisse auszurichten. Dies führt er auch auf die Unterrepräsentation des Frankfurter Westens im Römer zurück. „Wir müssen geschlossener auftreten, auch als CDU-Arbeitsgemeinschaft West.“

Neben Kevin Bornath als neuen Vorsitzenden wurden Dr. Franz Dworschak als Stellvertreter, Klaus Nocken als Schriftführer sowie Dr. Walter Piroth, Michael Hetterich, Jochen Filor und Angelika Ochs als Vorstandsmitglieder gewählt. Weiterhin gehört Bernd Bauschmann als Ortsbeirat dem Vorstand an.

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