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Die Grenzen des Wachstums

Von Die Grünen im Frankfurter Westen diskutierten beim Neujahrsdialog im Höchster Bikuz mit dem Planungsdezernenten Olaf Cunitz und der Hessischen Landwirtschaftsministerin Priska Hinz über die umweltverträglichen Grenzen des Wachstums in Frankfurt und Hessen.
Frankfurter Westen. 

Vielleicht findet das Silogebiet ja auch wegen seines unscheinbaren Namens nicht die gewünschte ökologische Beachtung. Doch daran etwas zu ändern ist bei weitem nicht genug. Vielmehr fühlte sich der Biobauer Dieter Christian zu einem Plädoyer für die Grünzone zwischen Unterliederbach und Zeilsheim berufen, in der auf 1180 Quadratmetern bereits 300 neue Wohnungen entstehen: „Seit 17 Jahren baue ich auf 35 Hektar Fläche vor allem Kartoffeln und Kürbisse an und halte eine Milchschafherde. Wir haben hochwertige Lößböden, Feldhase und -hamster stehen für die Qualität des Gebietes“, betonte er.

Mehr Verkehr erwartet

Eine weitere Bebauung des Silogebietes würde wegen des hohen Verkehrsaufkommens zusätzlich den Bau der seit Jahrzehnten umstrittenen Westumgehung erfordern – und somit die letzten zusammenhängenden Grünflächen zerschneiden. „Hamster haben keine Stimme, doch wir müssen sie und andere Arten auch in Sindlingen schützen“, forderte Marlene Albert von der Arbeitsgemeinschaft Feldhamster, unterstützt von Anwohnern, welche die 2000 geplanten Wohnungen im Neubaugebiet an der Ferdinand-Hofmann-Siedlung in Sindlingen zu viel finden und die Kleingärten und die Bezirkssportanlage am Kreisel schützen wollen. Andere der mehr als 50 Teilnehmer des Diskussionsabends „Die Grenzen des Wachstums sind Grün“ sorgten sich um die Grünzonen am Höchster Mainufer und kritisierten die ihrer Meinung zu hohe viergeschossige Bebauung, die auf der Freifläche an der Straßburger Straße in Goldstein geplant ist. Ihnen überbrachte Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) die gute Nachricht, dass dort nicht viergeschossig gebaut werde: Die Neubauten werden sich an der umliegenden Bebauung orientieren.

„Doch wir müssen in einer wachsenden Stadt auch für neuen und bezahlbaren Wohnraum sorgen, da der Markt das nicht für alle Einkommensschichten tut“, betonte der Planungsdezernent. „Frankfurt ist alleine im Jahr 2013 um 15 000 Menschen gewachsen, das ist in etwa die Einwohnerzahl von Höchst.“ Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, hatte Cunitz mehr als 6000 Wohnungen in 15 Gebieten zugesagt und im Silogebiet 1,34 Millionen Euro zur Förderung von 50 Sozialmietwohnungen durch die Konversionsentwicklungsgesellschaft (KGE) bewilligt. Was auch in den eigenen Reihen auf Kritik stößt: „Die Grünen haben einen pfiffigen Planungsdezernenten, der nun über die KEG das Silogebiet bebauen lässt“, stellte Thomas Schlimme, Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Ortsbeirat 6, fest.

Städte wachsen weiter

„Vor 35 Jahren habe ich mich zum Schutz der Frischluftschneisen der Bürgerinitiative gegen die Westumgehung angeschlossen. Diese Form des Wachstums muss ein Ende haben“, forderte Schlimme. Immerhin gehe es um acht bis zehn Landwirte, in Frankfurt seien es gar knapp 200, wie der Nieder Ortslandwirt Georg Diehl feststellte. Vor allem müsse die landwirtschaftliche und sonstige Infrastruktur in den ländlichen Gebieten gestärkt werden, betonte Ministerin Priska Hinz: „Wir dürfen nicht alles in die Ballungsgebiete stecken“, forderte sie. „Gleichwohl müssen wir damit umgehen, dass die Städte wachsen, weil sie für junge Leute attraktiv sind.“

Hinz und Cunitz verwiesen auf die Seveso-II-Richtlinie, die wegen des Abstands zu „gefährlichen Industrieanlagen“ wie dem Industriepark Höchst auch die Bebauung der Ferdinand-Hofmann-Siedlung erschwert habe, nun allerdings weniger streng ausgelegt werde. „Warum sollen wir in Sindlingen noch mehr Natur opfern, wenn gleichzeitig in der Innenstadt so viel umzuwandelnde Bürofläche leersteht?“, empörte sich eine Diskussionsteilnehmerin. Cunitz betonte, in allen Stadtteilen müsse das Verhältnis aus Grünfläche und bezahlbarem Wohnraum gewahrt werden – was durch Milieuschutzsatzungen geschehe.

„Eine wirklich umweltfreundliche Stadtentwicklung ist kaum möglich, wir müssen uns mit unseren 50 Prozent Frankfurter Grünflächen auch im Hinblick auf den Klimawandel wenigstens um eine umweltverträgliche Stadtentwicklung bemühen“, bilanzierte Cunitz. Ein Sindlinger regte an, die Erhaltungssatzungen für die alten Ortskerne weniger streng zu handhaben, denn dort stünden viele Häuser leer, weil ihre Eigentümer sie nicht ihren Wünschen gemäß nutzen könnten: „Denn das ist wegen der Bau- und Denkmalvorschriften oft so schwierig, dass die Leute lieber in die Neubaugebiete ziehen.“

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