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Wirbel um blökende Rasenmäher: Die Schafe Dörthe und Dorothee grasen nun wieder auf der Burg

Nächste Woche will sich der Bürgermeister das „Konzert“ einmal anhören – und vielleicht Konsequenzen ziehen. Dabei wurden die Tiere schon mit viel Bedacht ausgewählt.
Neugierig: Mama Dörte und Töchterchen Dorothea erkunden die steilen Wiesen der Burg Eppstein. Foto: Knapp Neugierig: Mama Dörte und Töchterchen Dorothea erkunden die steilen Wiesen der Burg Eppstein.
Eppstein. 

Wer hat das nicht schon mal gemacht? Wenn irgendwo Schafe auf einer Wiese stehen, fangen nicht nur Kinder gerne mal an zu blöken. Das freundliche „Mäh“ wird von den wolligen Vierbeinern ebenso gerne erwidert – und schon ist ein kleines Konzert in vollem Gange. Seit wenigen Tagen haben nun wieder zwei Schafe namens Dörthe und Dorothee ihre Heimat auf der Eppsteiner Burg gefunden – eigentlich als Gras fressende „Rasenmäher“. Doch sehr zum Leidwesen vieler Eppsteiner Altstadtbewohner sind sie längst auch zu lautstarken „Burgwächtern“ geworden.

Von alten Schafen, einem vorlauten Hahn und quakenden ...

Hausschafe zählen zu den ältesten Haustieren überhaupt. Als solche wurden die ersten Tiere etwa 8000 vor Christus am Nordrand der syrischen Wüste gehalten.

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„Man kann jeden in der Altstadt fragen, dass es eine Zumutung ist“, sagt ein Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Wenn sie anfangen zu blöken, „dann hat man das Gefühl, sie stehen einem im Wohnzimmer“. Der Nachbar hat dieses Problem schon einige Jahre beobachtet. Anfang nächster Woche hat er einen Termin mit Bürgermeister Alexander Simon, der sich die Sache mal live an Ort und Stelle anhören möchte. Dem Kreisblatt sagt er dazu: „Im vergangenen Jahr hatten wir leider etwas labile Schafe auf der Burg. Deren ,Instabilität‘ zeichnete sich dadurch aus, dass – wenn Menschen diese ,anmähten‘ – diese sich bemüßigt fühlten, Laute von sich zu geben. Die neuen Schafe sind jetzt mit Sorgfalt ausgewählt.“ Dass sich dennoch wieder Anwohner ärgern, nimmt Simon nun sehr ernst – unter anderem mit dem Ortstermin. „Wenn es tatsächlich unerträglich sein sollte, kommen die Schafe wieder weg und unser Bauhof wird die Rasenpflege selbst vornehmen. Ein Überschreiten der geltenden Lärmrichtlinien kann hier aber nicht erkannt werden.“

Der Nachbar ist ebenfalls weit davon entfernt, einen vorzeitigen Abschied von Dörthe und Dorothee zu fordern. Vielleicht sei ja eine andere Art von Schaf oder gar ein anderes grasendes Tier eine Variante, regt er zum Nachdenken an. Ähnlich sieht es das bekannte Eppsteiner Ortsbeiratsmitglied Albert Marthaler. Er wohnt direkt unterhalb der Wooganlage, wo derzeit die beiden Schafe grasen, und sagt: „Wenn man das Blöken ein oder zweimal am Tag hat, ist das lustig.“ Aber bei 30 und mehr Lauten sei das kein Spaß mehr. Seine Mieter sagen schon: „Ich kann’s nicht mehr hören.“ Und auch für ihn sei das sonntägliche Kaffeetrinken nicht immer ein Vergnügen. Daher regt er vielleicht eine erträglichere „Rasenmäher“-Lösung an.

Im Rathaus ist das Problem längst bekannt. Im Vorjahr hat die zuständige Mitarbeiterin Gabriele Wittich die Schafe schon früher von ihrem Besitzer, einem Schäfer aus Vockenhausen, von der Burg nehmen lassen. Da seien die „Beschwerden sehr massiv“ gewesen. Wittich: „Wir haben ja versucht, Schafe zu holen, die erträglicher sind.“ Sie könne beide Seiten verstehen – die der Anwohner und die der Naturfreunde, die sich über diese mähenden „Rasenmäher“ sehr freuen.

Die Schafe als „städtische Mitarbeiter“ auf Zeit – diese Zusammenarbeit habe sich bewährt, betont Gabriele Wittich. Es gibt viele Stellen in der Burg, wo die Kollegen des Bauhofs mit Rasenmähern schlecht hinkommen oder die zu gefährlich sind. Besonders im Nordzwinger der Burg, wo die Tiere im Moment grasen. Für die Stadt sei dies eine kostengünstige Alternative. Vor mehr als zehn Jahren hatten Wittich und der damalige Bürgermeister Ralf Wolter die Idee, den Schafen einen historischen „Arbeitsplatz“ zu geben. Zudem gab es in der Geschichte immer Tierhaltung auf der Burg.

Anfangs waren es Coburger Fuchsschafe, inzwischen sind Dorperschafe abwechselnd im Nord- und Südzwinger in Aktion. Die Rasse stammt aus Südafrika und wurde vor gut 90 Jahren hier in der Region heimisch. In diesem Jahr kamen die beiden Tiere laut Wittich wegen des noch weniger üppigen Futterangebots etwas später auf die Burg. Geplant ist es, sie bis Anfang September dort zu lassen.

Ob das so bleiben soll – darüber gibt es in den sozialen Netzwerken unterschiedliche Auffassungen. „Mir sind die Schafe allemal lieber, als permanenter, ganzjähriger Großstadt- oder Fluglärm“, schreibt eine Eppsteinerin im Internet. Laut einem Anwohner habe die Schaf-Lautstärke in den vergangenen Jahren aber zugenommen. Das kontert eine andere Nutzerin: „Dann darf man halt nicht auf dem Dorf wohnen, wenn einen ein paar Schafe stören.“ Eine weitere Bürgerin findet, die Schafe auf der Burg seien „keine tiergerechte Unterbringung“, sie würden dort „sehr gestresst – deshalb auch das ständige Blöken“. Die Schaf-Diskussion geht noch weiter, die Rede ist von „Sommerdeko“, einer „Touristenattraktion“ und einem „nützlichen Accessoire“. Lieb formuliert es eine Nachbarin der Burg: „Ich wohne gegenüber, und ich habe sie vermisst.“

(wein)
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