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Die Schul-Freundschaft

Von Eine besondere Partnerschaft bahnt sich derzeit an zwischen deutschen und kenianischen Schülern und Lehrern. Dass ihre Schulen beide mit den Dernbacher Schwestern verbandelt sind, ist dabei kein Zufall.
Simone Monthuley, Lehrerin an der Hofheimer Elisabethenschule, inmitten von fröhlichen Schülern der St. Francis of Assisi Primary School in Mitunguu. »Etwas ganz Großartiges« verbinde beide Schulen bei aller Unterschiedlichkeit, findet Monthuley: »Freundschaft.« Simone Monthuley, Lehrerin an der Hofheimer Elisabethenschule, inmitten von fröhlichen Schülern der St. Francis of Assisi Primary School in Mitunguu. »Etwas ganz Großartiges« verbinde beide Schulen bei aller Unterschiedlichkeit, findet Monthuley: »Freundschaft.«
Hofheim. 

Ihre Begeisterung ist ansteckend. Das spürt man schon nach wenigen Sätzen. Simone Monthuley, Lehrerin an der Hofheimer Elisabethenschule, hat Feuer gefangen. Wann besser also könnte man diese Geschichte erzählen, als zu Pfingsten?

Ganz einfach fängt sie an, schlicht damit, dass Sohn Samuel, damals im Abitur, für seinen Lebenslauf gern „noch was Soziales“ - am liebsten im Ausland - machen wollte, wie er seiner Mutter im November 2010 eröffnete. Für Simone Monthuley dafür die erste Adresse: die Dernbacher Schwestern. Der Orden, der die Elisabethenschule gegründet hat und lange ihr Träger war, ist schließlich an vielen Orten der Welt sozial engagiert. Die Lehrerin wandte sich also an Schwester Anne Hartmann, die Schulseelsorgerin der „Eli“.

„Ich habe ihr dann die Länder aufgezählt, in denen wir Niederlassungen haben“, berichtet Schwester Anne. An Kenia seien sie beide hängengeblieben. „Ich hatte so ein Gefühl, dass er so’n Afrika-Feeling hat“, versucht Simone Monthulay diese Entscheidung zu begründen. Schwester Anne fragte im Mutterhaus in Dernbach nach und schon bald hieß es: „Der Junge kann kommen.“

Bereits in den Weihnachtsferien flog Samuel ins Waisenhaus des Ordens im Ort Mitunguu. „Total verändert“ sei er nach den drei Wochen heimgekehrt, erinnert sich seine Mutter. Und er habe unbedingt noch einmal für drei Monate nach Kenia gewollt. „Wenn du noch mal dahin fliegst, will ich sehen, was du da machst“, habe sie daraufhin gesagt.

„Mama Sam“

EXTRA

Waisen in Kenia haben in Hofheim nicht nur an der Elisabethenschule Freunde. Seit 2006 engagieren sich Andrea und Arrigo Schnabel für Kinder in dem schwarzafrikanischen Land und finanzieren für sie Schulbesuch oder Ausbildung.

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Das hat sie dann in den Herbstferien 2011 in die Tat umgesetzt. Eine für sie „völlig fremde Welt der Armut, des Elends und Drecks“ habe sie dort kennengelernt, „aber auch eine Welt der Herzlichkeit und Freude für die kleinen Dinge des Lebens.“ Als „Mama Sam“ wurde sie im Waisenhaus begrüßt und alsbald gefragt, ob sie nicht mal in der Schule, in der die Dernbacherinnen unterrichteten, für eine an Malaria erkrankte Schwester einspringen könne.

Von den Erfahrungen, die sie nun selbst aus Kenia mit nach Hause nahm, hat sie in der Elisabethenschule erzählt - und bei Kollegen wie Schülern großes Interesse geweckt. Es entstand die Idee, am Tag der offenen Tür zugunsten der Schule in Kenia, die mittlerweile in Trägerschaft der Dernbacher Schwestern ist, etwas zu verkaufen. Die handgemachten afrikanischen Tiere aus Holz waren ein Renner, Karten und Waffeln wurden außerdem angeboten und am Ende waren fast 400 Euro in der Kasse. Das Geld ging über den Orden direkt nach Kenia, doch die Schüler wollten auch einen persönlichen Kontakt. Sie schrieben liebevoll verzierte Briefe an ihre unbekannten Altersgenossen und spendeten Anspitzer und Bleistifte, die Simone Monthuley bei ihrem nächsten Besuch mit nach Mitunguu nahm.

„Key“ unterstützt

Währenddessen hat Samuel Monthuley den Verein „Key“ gegründet, der die Jungen im Waisenhaus nach ihrem Schulabschluss unterstützen möchte. „Nach der achten Klasse stehen die Kinder auf der Straße“, weiß Simone Monthuley, die sich freut, dass gleich mehrere Lehrer der „Eli“ dem Verein beigetreten sind. Mittlerweile hat die Schule die Bitte erreicht, die „Stand-up“-Aktion, die alljährlich gegen die Armut in der Welt ein Zeichen setzt, zu unterstützen.

„Einfach nur empören über die böse Welt“, das sei dem Kollegium aber zu wenig gewesen, sagt Religionslehrer Dr. Joachim Tambour, der mit Schwester Anne für die Schulseelsorge zuständig ist. „Dann muss man auch zeigen, dass man selbst was tut - und nicht nur an einem Tag.“ So entstand die Idee, aus dem Afrika-Engagement der Monthuleys eine Art Schulpartnerschaft erwachsen zu lassen. Dabei sollen beide Seiten voneinander profitieren. Dass die Elisabethen-Schüler schon ein viel konkreteres Afrika-Bild haben, können die Lehrer berichten. Sie hätten zudem einen Blick dafür, wie gut es ihnen selbst geht.

Mehr als einseitige Hilfe

Den Weg, über Briefe zu persönlichen Kontakten zu kommen, will die Schule auf jeden Fall weiter beschreiten. Jede Seite habe etwas zu geben, und es werde deutlich, dass es um eine echte Partnerschaft gehe, nicht um einseitige Hilfe. Aber Hilfe ist natürlich auch geplant. So wollen die Eli-Schüler, die gerade ihren Abschluss machen, für bessere Sanitäranlagen in der Schule St. Francis spenden. Simone Monthuleys Begeisterung hat also schon viele angesteckt. Auch Schwester Anne natürlich, die fast staunend sagt: „Es ist so toll, wie sich das immer weiter entwickelt!“

Mehr Informationen über die Hilfe für Mitunguu hält der Verein „Key“ auf seiner Internetseite www.key-ev.de bereit.

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