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250-Millionen-Euro-Job: Die Stadt Eschborn und der Berg unerledigter Bauvorhaben

Von Als Pensionär könnte Adolf Kannengießer (SPD) sich daheim aufs Sofa setzen, Fernsehen gucken oder mit seiner Frau nonstop Urlaub machen. Doch er halste sich eine Herkulesaufgabe auf: Er ist seit gut einem Jahr Eschborns Planungs- und Baudezernent. Was hat er erreicht? Wo geht es voran? Wo hängt es?
Das Wiesenbad besteht aus einem Hallenbad mit Sauna (Gebäude rechts) sowie dem Freibad. Doch die Kapazitäten sind oft ausgelastet. Deswegen soll es erweitert werden. Das Wiesenbad besteht aus einem Hallenbad mit Sauna (Gebäude rechts) sowie dem Freibad. Doch die Kapazitäten sind oft ausgelastet. Deswegen soll es erweitert werden.
Eschborn. 

Die Auftragsbücher sind prall gefüllt. Die Bauunternehmer haben kaum Grund zum Klagen. Sie können vielfach Preise und Termine diktieren, so gut laufen die Geschäfte. Trotzdem sind die Bosse immer scharf auf neue Aufträge, bei denen richtig viel Geld fließt. Mit Blick auf Eschborn scharren sie schon mit den Hufen. Denn dort können sie dicke Fische an Land ziehen.

Adolf Kannengießer. Bild-Zoom
Adolf Kannengießer.

Der Finanzkrösus des Main-Taunus-Kreises kündigt Investitionen an, die in den nächsten zwei bis drei Jahren locker die 50 Millionen-Euro-Marke überspringen. Die komplette Liste mit mehr als 30 unerledigten Bauvorhaben, die Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) gerne erwähnt, umfasst zwar ein Volumen von rund 250 Millionen Euro. Aber diese Liste kann Eschborn nur Schritt für Schritt abarbeiten. Außerdem sind einige Projekte politisch umstritten, zum Beispiel der Bau der Trasse zwischen den Gewerbegebieten Ost und Süd (wir berichteten). Allein für diese Verbindungsstraße liegen Kostenschätzungen vor, die zwischen 30 und 70 Millionen Euro liegen.

Neuer Fachbereichsleiter

Seit gut einem Jahr hat Eschborn eine Person im Führungsstab, die sich allein um Planen und Bauen kümmert: Der SPD-Politiker Adolf Kannengießer (67) ist ein Politik-Profi und erfahrener Verwaltungsfachmann, der persönlicher Referent und Büroleiter von drei Frankfurter Stadträten war. Dezernent war der Genosse in Frankfurt nie, aber er weiß, wie der Hase in einer Verwaltung läuft. Als Bürgermeister-Kandidat ereiferte der Rock- und Blues-Musikfreund sich 2013 über die „jahrelange Ankündigungspolitik“, die der damalige Bürgermeister Wilhelm Speckhardt (CDU) nach seiner Ansicht betrieben hat. Nun hat „Adi“ Kannengießer den Ehrgeiz, es anders, wie er meint, besser zu machen.

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Kommentar

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Nach gut einem Jahr als Planungs- und Baudezernent stellt der Stadtrat fest, dass der Arbeitsaufwand sehr viel größer sei als gedacht. „Das ist ein echter Fulltime-Job“, sagt Kannengießer, der als ehrenamtlicher Stadtrat dem Magistrat angehört, aber eine erhöhte Aufwandsentschädigung erhält (900 Euro monatlich).

Seit September 2017 kann er wieder auf einen Fachbereichsleiter „Planen und Bauen“ im Rathaus zählen, der ihn entlasten soll: Dieter Gick (57) heißt der neue Mann, der vom „strukturell einzigartigen und interessanten“ Eschborn angetan ist und im Herbst seiner Karriere „gerne noch mal was anderes“ machen wollte. Kannengießer und Gick haben rund 115 Mitarbeiter unter ihren Fittichen, seit die Stadtwerke zum 1. Januar in den Schoß der Stadtverwaltung zurückkehrten. Der Fachbereich wuchs somit um ein gutes Dutzend Personen.

„Oberkante, Unterlippe“

Gicks Vorgänger Markus Henrich verließ das Eschborner Rathaus Anfang 2016 Richtung Hanau. Übergangsweise betreute der fachfremde Juan Carlos Ortolá Knopp den Fachbereich. „Meine gesteckten Ziele habe ich erreicht“, sagt Kannengießer über seine bisherige Amtszeit. Er erwähnt den Bau der beiden Kreisel und die 1,6 Millionen Euro teuren Arbeiten in der Kronberger Straße, die im Frühjahr 2018 fertig sein sollen. Beim Notfallzentrum und beim gekoppelten Bauvorhaben Zwei-Feld-Halle/Jugendzentrum gehe es „im Frühjahr dieses Jahres los“. Kannengießer und der Bürgermeister betonen, dass die mehr als 30 Projekte umfassende Liste „jetzt abgearbeitet wird“. Dies sei „eine Herkulesaufgabe“, die es erfordere, Prioritäten zu setzen. Im Hoch- und Tiefbau des Rathauses fehlen laut Kannengießer jeweils zwei Mitarbeiter. Die Personalsuche sei schwierig: „Wir arbeiten Oberkante, Unterlippe.“

Hier schlüsselt das Kreisblatt auf, wie es um die großen Bauprojekte der Stadt Eschborn steht. Es handelt sich um eine Auswahl.

Sporthalle/Jugendhaus: Getrennte Baukörper

Ob Basketball, Handball oder Turnen – die neue Zwei-Feld-Halle soll es möglich machen. Auch die Hallen-Kapazitäten in Eschborn sind knapp. Bild-Zoom
Ob Basketball, Handball oder Turnen – die neue Zwei-Feld-Halle soll es möglich machen. Auch die Hallen-Kapazitäten in Eschborn sind knapp.

Die Gegend um die Heinrich-von-Kleist-Schule in Eschborn avanciert zu einem sozialen Zentrum. In der Nachbarschaft der Gesamtschule mit Oberstufen-Zweig sollen ein Jugendhaus und eine Zwei-Feld-Sporthalle entstehen. Auch dieses kombinierte Bauvorhaben geistert seit vielen Jahren durch die politischen Gremien. Jetzt wird’s langsam, aber sicher konkreter. Die Stadtverordneten hatten im Mai 2017 den Vorentwurf beschlossen.

„Danach wurde die Entwurfs- und Genehmigungsplanung erarbeitet“, heißt es aus dem Fachbereich „Planen und Bauen“. Dabei habe sich herausgestellt, dass es sinnvoller sei, zwei getrennte Baukörper zu bauen. „Insofern änderten wir die Planung“, sagt Planungs- und Baudezernent Adolf Kannengießer. Die Baukosten schätzt der Magistrat auf etwa 7,4 Millionen Euro.

Die Planer berechneten 3,9 Millionen Euro für die Sporthalle und damit eine etwas höhere Summe als fürs Jugendzentrum (3,5 Millionen Euro). Derzeit ist das städtische Jugendzentrum an der Jahnstraße untergebracht – in der Nachbarschaft des Eschborn K. Kannengießer weiter: „Der Bauantrag ist gestellt. Derzeit sind die Ausführungsplanung und die Ausschreibung in Bearbeitung.“ Wann rollen Bagger? „Die Bauarbeiten sollen im März dieses Jahres beginnen“, kündigt Adolf Kannengießer an. „Die Fertigstellung ist für den Sommer 2019 vorgesehen.“

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