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Friedhofsgärtner: Diese Ausbildung endet auf dem Friedhof

Neben einer theoretischen und einer mündlichen Prüfung müssen angehende Friedhofsgärtner auch einen Praxistest bestehen. Dieser findet seit 2001 unter anderem auch auf dem Kelkheimer Hauptfriedhof statt.
Julia Baum ist ganz vertieft in ihre Arbeit, für die es anschließend von den Prüfern Noten gab. Julia Baum ist ganz vertieft in ihre Arbeit, für die es anschließend von den Prüfern Noten gab.
Kelkheim. 

Handwerkliche Berufe haben es heutzutage schwer, da sich eine Großzahl der Schulabgänger für ein Studium entscheidet. Auch den Friedhofsgärtnern fällt es nicht leicht, junge Menschen von dem Beruf zu überzeugen. „Viele wissen zum Beispiel gar nicht, dass Friedhofsgärtner ein Ausbildungsberuf ist“, erklärt Oliver Müller von der Treuhandstelle für Dauergrabpflege Hessen-Thüringen. Zudem würden die meisten von falschen Annahmen ausgehen. So hält sich der Irrglaube, der Gärtner sei auch für Bestattungen zuständig. Dafür sind auf dem Friedhof aber in der Regel die jeweiligen Kommunen, beziehungsweise der Friedhofswärter verantwortlich.

Der Gärtner kümmert sich in erster Linie um die Gestaltung und die Pflege von Grabstätten. Dass diese Aufgabe durchaus spannend und vielseitig ist, zeigte sich am Montagmorgen auf dem Hauptfriedhof an der Frankenallee. Fünf Auszubildende aus hessischen Betrieben kamen nach Kelkheim, um dort den praktischen Teil ihrer Abschlussprüfung abzulegen.

„Als ich heute Morgen mit dem Auto vorgefahren kam, da war mir ganz plötzlich richtig übel“, erklärt Azubi Julia Braun am frühen Mittag. Kein Wunder, schließlich begann die Prüfung, bei der jeder Lehrling ein eigenes Beet anlegen musste, bereits um 7.30 Uhr und fand zudem vor den wachsamen Augen von gleich zehn Prüfern statt. Genau zwei Stunden dauerte das Ganze, doch Brauns Aufregung legte sich schon lange vor Prüfungsschluss. „Von Minute zu Minute liefs besser“, berichtet die 23-Jährige, „und am Ende ging mir die Arbeit wirklich leicht von der Hand.“

Große Anspannung

Wie groß die Anspannung bei so einem praxisbezogenen Test sein kann, wusste Albrecht Kündiger aus eigener Erfahrung. „Ich habe zwar in Rauchwaren ein anderes Handwerk erlernt, aber ich erinnere mich noch, wie aufgeregt ich war“, gestand der Bürgermeister den angehenden Friedhofsgärtnern. Seit 2001 werden in Kelkheim die praktischen Prüfungen abgelegt. Da die kunstvollen Abschlussprüfungen nahe des Friedhofeingangs als Schaugräber erhalten bleiben, sei diese Kooperation ein Gewinn für die Anlage, so Kündiger. Wäre es nach dem Rathauschef gegangen, so hätten alle fünf Auszubildende mit Bestnote bestanden, doch letztlich überließ er die Benotung dann doch den Prüfern.

Notenvergabe

Die Arbeit von Julia Braun lobte Oliver Müller schon vor der offiziellen Notenvergabe. Sowohl das reine Handwerk als auch kreative Komposition konnte den Experten begeistern. Der Grabstein, der von einem Steinmetz aus Kelkheim zur Verfügung gestellt wurde, kam Braun entgegen. An ihm musste sie sich bei ihrer Pflanzenauswahl orientieren, damit am Ende ein stimmiges Gesamtbild entstehen konnte. „Da ich ein Kreuz aus Holz bekommen hatte, habe ich mich für dezente Grün- und Gelbtöne entschieden“, erklärt sie. Um eine kleine Bergkiefer herum setzte sie unter anderem Waldsteinien und Kirschlorbeeren. Wilde Farbkombinationen sind nicht ihr Stil, wie sie betont.

Dass Julia Braun künftig Friedhofsgärtnerin sein wird, ist einem Zufall geschuldet. „Das kam über fünf Ecken“, gesteht sie schmunzelnd, „die Freundin der Mutter meines Ex-Freundes erzählte, dass ein Betrieb jemanden sucht.“ Eigentlich glaubte Braun, es sei eine Stelle als Floristin zu vergeben, doch auch nach Aufklärung des Missverständnisses blieb sie dabei. Bereut hat sie es bisher nicht, denn der Job in der Natur ist genau ihr Ding. Und das schwierigste, die praktische Prüfung, hat sie bereits erfolgreich hinter sich gebracht. Jetzt fehlt nur noch die mündliche Prüfung. „Die“, so Braun selbstbewusst, „schaff ich jetzt auch noch.“

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