E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 25°C

Diskussionen über Brückenbau

Die Stadtverordnetenversammlung hat die zusätzlichen Kosten für die neue Schwarzbachbrücke im Mühlenquartier genehmigt. Und hofft, dass es nicht noch teurer wird.
Hattersheim. 

Die Stadt Hattersheim hat nicht unbedingt Glück, wenn sie Brücken baut. Die vor einigen Jahren realisierte Brücke am Schwimmbad wurde zwar nicht teurer als geplant, aber um so größer war zuvor der Ärger um den Neubau des eisernen Steges. Das man bei dem einen Vorhaben gewonnen Erfahrungen für ein anderes nur begrenzt verwenden kann, zeigt auch jetzt die Brücke am Mühlenquartier.

Die nämlich wird um 156 000Euro teurer als geplant und kostet voraussichtlich 426 000 Euro. Die Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung stimmte zu – zähneknirrschend, wie angesichts des millionenschweren Haushaltsdefizits betont wurde. SPD und Grüne folgen der Argumentation der Ersten Stadträtin Karin Schnick (Bündnis 90/Die Grünen), die zusätzlichen Ausgaben seien unausweichlich und die Zeit dränge. Davon sind FDP, FWG und einige der CDU-Stadtverordneten aber nicht überzeugt, sie lehnten ab.

Ein großer Teil der zusätzlichen Kosten entstehen dadurch, dass die Baustelle für die Fundamente nicht einfach mit Spundwänden trocken gelegt werden kann, sondern dass der Schwarzbach durch Rohre geleitet werden muss. Die Bodenverhältnisse lassen die Spundwände nicht zu, was man vorher nicht gewusst habe. Zweitens muss die Brücke mit mehr Stahl gebaut werden, damit der Brückenkörper flacher und nicht so viel Platz für die Zugangsrampen gebraucht wird. Drittens wird noch eine Baustraße zum Transport der Brückenteile gebraucht.

In der Diskussion gab Karl-Heinz Spengler die Richtung vor. "Das ist die dünnste Vorlage, die ich in den vergangenen 22 Jahren gesehen habe", schimpfte der FWG-Mann. Er wusste von einer an der Universität Dresden entwickelten Brücke zu berichten, die mit ausreichender Tragkraft für 20 Prozent der Kosten gebaut werden könnte. "Wir müssen uns zeitlich nicht treiben lassen", findet er und schlug vor, noch einmal im Bauausschuss über Alternativen zu beraten.

Der Grünen-Stadtverordnete Winfried Pohl glaubt nicht so recht an diese Möglichkeit. Während Spengler bemerkte, eine solche Brücke sei bereits gebaut worden, versteht Pohl nicht, warum dann nicht nur noch solche Brücken realisiert würden. Vor allem aber sei bei dem Hattersheimer Projekt nicht die eigentliche Brücke so teuer; erheblich gestiegen seien die Nebenkosten. "Jede Brücke ist ein Unikat", warnte er vor voreiligen Vergleichen.

Erste Stadträtin Karin Schnick hält von neuen Ausschussberatungen auch gar nichts. Ganz davon abgesehen, dass im nächsten Jahr das Grundstück für die Baustraße nicht mehr zur Verfügung stünde, müsste auch die Ausschreibung aufgehoben würden; die betroffene Firma könne Ersatz für den entgangenen Gewinn verlangen. Die Stadt würde dies alles rund 100 000 Euro kosten, schätzt sie.

Das rief den FDP-Fraktionsvorsitzenden Dietrich Muth auf den Plan. Wieder einmal gebe es eine Vorlage über Kostensteigerungen, über die unter Zeitdruck abgestimmt werden müsse, schimpfte er. Die Dezernentin habe das Bauamt nicht im Griff, schimpfte der Freidemokrat. Die Bürger wunderten sich ständig darüber, dass städtische Projekte deutlich teurer würden als geplant, so CDU-Fraktionschef Michael Minnert.

Die so kritisierte Schnick verteidigte sich, man habe kaum anders kalkulieren können als auf Grundlage des letzten Brückenbaus. Die CDU, die ursprünglich die zusätzlichen Ausgaben hatte genehmigen wollen, stimmte unterschiedlich ab – einige ließen sich von Spenglers Recherchen überzeugen und hätten ine andere Lösung geprüft. Dazu kommt es nicht – und jetzt hoffen alle, dass es nicht beim Bau noch weitere Überraschungen gibt. bt

(Manfred Becht)
Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen