E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 17°C

Fester Bestandteil der Mannschaft: Dominik Cimander ist der treueste Fan der TuS-Fußballer

Von Einen solchen Anhänger werden die Fußballer in der Region suchen. Obwohl der körperlich und geistig beeinträchtigt ist, verpasst Dominik Cimander kaum ein Spiel der TuS-Hornau.
Sascha Kiefer, Frank Brinnel und Gerrit Niederschlag feiern mit ihrem treuen Fan Dominik Cimander (2. v. r.) vor dem Spiel. Foto: Knapp Sascha Kiefer, Frank Brinnel und Gerrit Niederschlag feiern mit ihrem treuen Fan Dominik Cimander (2. v. r.) vor dem Spiel.
Kelkheim.. 

„Das Wochenende ist für ihn ganz schlimm, wenn Hornau und die Eintracht verlieren“, sagt Renate Cimander. Da hat der Frankfurter Bundesligist schon 1:2 gegen Bremen verloren. Die TuS Hornau spielt in der Gruppenliga noch gegen Niedernhausen. Doch es sieht beim Stand von 0:2 nicht gut aus, weshalb sich die Laune ihres Sohnes Dominik nicht bessert. Zurecht regt er sich darüber auf, weshalb der Hornauer Spieler Gelb in einer kleinen Rangelei bekommt, sein Gegner aber nicht. „Alter Schwede. Mann, Mann, Mann. Das kann doch wohl nicht wahr sein hier“, ruft der 21-Jährige und erntet Zustimmung von vielen Zuschauern.

Der Glücksbringer

Dominik ist hier ein ganz besonderer Fan. Vermutlich der treueste, denn kaum ein Heim- oder Auswärtsspiel verpasst der junge Mann. „Er lebt und leidet für den Fußball“, weiß seine Mutter – und er sage den Kickern auch die Meinung. Die Erste Mannschaft sieht ihn wie einen Glücksbringer, dankt es mit besonderer Unterstützung. Denn Dominik hat von seiner Kindheit an Handicaps. Da sei einiges zusammengekommen, erzählt seine Mutter: ein Herzfehler, eine transplantierte Herzklappe, Wahrnehmungsstörungen und geistige Behinderungen. Er ging noch in die Kita „Am Waldeck“ in Münster und spielte bis zur E-Jugend als deutlich älterer Junge bei der TuS Hornau Fußball. Dann trennten sich die schulischen und sportlichen Wege, heute arbeitet Dominik in der Gärtnerei der Schlocker-Stiftung in Hattersheim und wohnt zu Hause in Hornau.

Dominik Cimander als Bub mit seinem TuS-Freund Steffen Kappes. Bild-Zoom
Dominik Cimander als Bub mit seinem TuS-Freund Steffen Kappes.

Doch den Kontakt zur TuS und zum Fußball hat er nie verloren. Als Bub stand er am Zaun und schaute zu. Den „Aha-Effekt“ erlebte er vor gut zehn Jahren, als TuS-Spieler Steffen Kappes über den Familienentlastenden Dienst der „Lebenshilfe“ zu seinem Betreuer wurde. Mehr noch: Kappes integrierte Dominik bei der TuS in den Aktivenmannschaften, seitdem ist er ihr Fan Nummer eins. Wenn Trikots bestellt werden – an den 12. Mann wird immer gedacht. Bei Weihnachtsfeiern und dem Kabinenfest mit Hackbraten-Essen ist er dabei, hilft bei Putzaktionen auf dem Gelände. Zuletzt bei seinem Geburtstag seien 28 Leute da gewesen, freut sich seine Mutter und sagt: „Die TuS Hornau fördert und lebt Integration. Für die Spieler, die nachrücken, ist es Normalität. Sie lassen es ihn nicht spüren, dass er behindert ist.“ Und sie dankt es mit regelmäßiger Verpflegung für die Kabine.

Vor der Partie gegen Niedernhausen klatscht Dominik mit Frank Brinnel, Sascha Kiefer und Gerrit Niederschlag ab. „Für mich ist das Normalität, er ist ein fester Bestandteil der Mannschaft“, sagt Brinnel. „Er ist ein Teil von uns“, fügt Kiefer an. „Das wird von der Mannschaft getragen – und vorgelebt von Dominik selbst“, freut sich auch Peter Morgenstern, Zweiter TuS-Vorsitzender und Ex-Abteilungsleiter.

Noch ein Beispiel für den Zusammenhalt: Dominik hat zwei Dauerkarten für die Eintracht, weil er bei jedem Besuch einen Begleiter braucht. Und es findet sich stets ein Partner aus der TuS. So geht etwa Reinhard John, ehemaliges Vorstandsmitglied, stets mit zu den Dortmund-Heimspielen. Doch Dominik schaut nicht nur zu. Er spielt selbst Fußball in zwei Gruppen mit Handicap in Wiesbaden und Eschborn. Daneben fährt er viel Rad, spielt Playstation und schaut im Fernsehen Fußball aller Art.

So kann er als Fachmann die Lage schon ganz gut beurteilen. „Ich habe mich gefreut, dass Kevin Trapp zurückgekommen ist.“ Und wünscht sich, dass der alte, neue Eintracht-Keeper in der Nationalelf mal im Tor steht. Dort sind Thomas Müller und der derzeit aussortierte Mario Götze seine Lieblingsspieler. Und bei der TuS? „Das ist eine gemeine Frage“, sagt Dominik. Das Team sei wichtig – dem traut er diese Saison als Aufsteiger etwas zu: „Ich hoffe, dass wir am Ende einen einstelligen Tabellenplatz erreichen.“ Um dann an seinem Traum arbeiten, mal in die Verbandsliga aufzusteigen. Gegen Niedernhausen hat sein Daumen drücken nicht geholfen, das Spiel endet 0:4. Sein Tipp für einen knappen TuS-Sieg ist im Eimer. Dennoch geht er in der zweiten Halbzeit mit der Spendenbox herum und sammelt hartnäckig für die Jugend. Für Dominiks Mutter ist der Tabellenstand zweitrangig. Wenn sie die Entwicklung ihres Sohnes sieht, ist das Fortschritt genug. „Es war nie klar, ob er im Rollstuhl sitzen wird.“

Radeln und Skifahren

Heute fährt er mit dem Rad zur Arbeit und mit Nicht-Behinderten in die Skifreizeit. Das lasse ihren Sohn genug strahlen. Die TuS-Fußballer haben ihn auf diesem Weg zum Erwachsenen hautnah begleitet. Nur ab und zu dämpft seine Mutter die Laune: „Das Schlimmste für ihn ist, dass ich Mainz-Fan bin.“

Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen