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Bürgerinitiative für Umweltschutz (BfU) wittert Gefahr für die Gesundheit: Eddersheim: Bohren auf alten Gräbern

Von Die geplante Bebauung des ehemaligen Kita-Geländes in der Ortsmitte ist manchen Bürgern ein Dorn im Auge. Sie verfolgen kritisch, was hier geschieht. Einige Behörden sind schon genervt.
Auf dem Gelände des ehemaligen Kindergartens wurden Bodenuntersuchungen gemacht. Dass dies ohne Mundschutz erfolgte, kritisieren Mitglieder der Bürgerinitiative für Umweltschutz. Foto: Hans Nietner Auf dem Gelände des ehemaligen Kindergartens wurden Bodenuntersuchungen gemacht. Dass dies ohne Mundschutz erfolgte, kritisieren Mitglieder der Bürgerinitiative für Umweltschutz.
Eddersheim. 

Ein Nachbar hatte die Polizei gerufen, als sich Handwerker auf dem Gelände des ehemaligen Kindergartens mitten in Eddersheim zu schaffen machten. Bekanntlich gefällt es einigen Bürgern gar nicht, dass dort Reihenhäuser gebaut werden sollen, weshalb die Stadt auch schon von dem Plan abgerückt ist, den angrenzenden Platz zur Einbeziehung in das Bauvorhaben zu verkaufen. Das Projekt wurde daher von acht auf sechs Reihenhäuser reduziert. Die Kirchengemeinde nämlich hat sich von den Debatten nicht beeindrucken lassen, sondern das Gelände bereits verkauft.

Diese sechs Häuser sind übrigens alle schon reserviert – und das ist für die Bauträger in der Regel der Anlass, mit den Bauarbeiten zu beginnen. Die Baugrunduntersuchungen, die dort jetzt vorgenommen wurden, bereiten dies auch vor – damit wird geklärt, ob etwa aus statischen Gründen zusätzliche Vorbereitungen zu treffen sind. Soweit es die Zuständigkeit der Polizei betreffe, sei alles in Ordnung, erklärte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Westhessen dem Kreisblatt. „Es handelt sich um richtige Handwerker“, hieß es, und diese seien auch vom Grundeigentümer beauftragt worden.

Frank Wolf, Pressesprecher der Bürgerinitiative für Umweltschutz (BfU), findet nicht, dass da alles in Ordnung ist. Es handele sich bei dem alten Friedhof um ein Bodendenkmal, gibt er zu bedenken. Und es gebe keine Genehmigung der zuständigen Behörde, das Grundstück zu bebauen. Wolf meint insbesondere die Gräber ehemaliger Pfarrer, die sich dort befinden.

Alle Friedhöfe seien als Bodendenkmäler einzustufen, was aber kein Grund dafür sei, sie nicht zu bebauen, sagt Katrin Förster von der Pressestelle des Main-Taunus-Kreises. Auch in dem Fall gebe es keine grundsätzlichen Bedenken. Nach Vorlage eines Bauantrages werde die Denkmalpflege über Auflagen entscheiden, berichtet Förster weiter. Der Denkmalschutz teilt offensichtlich nicht die Befürchtung, dass durch die Bohrungen übermäßige Schäden verursacht werden. Und noch eine Schlussfolgerung lässt die Auskunft zu: Ein Bauantrag wurde bislang noch gar nicht gestellt.

Was Wolf auch keine Ruhe lässt, ist die Beobachtung, dass die Arbeiter bei den Bodenuntersuchungen keinen Mundschutz trugen. Das findet er fahrlässig, denn nach seinen Informationen besteht ein gewisses Risiko, dass sich in ehemaligen Friedhöfen Milzbranderreger befinden. Deren Sporen können, das ist wissenschaftlich belegt, über Jahrhunderte überleben. Von einer gewissen Dosis an kann das Einatmen dieser Sporen tödlich enden. Die Krankheit ist nicht ansteckend und therapierbar. Wolf ist auf das Thema gekommen, weil im frühen 19. Jahrhundert mehrere Eddersheimer an einer Infektionskrankheit gestorben und über Nacht beerdigt wurden. Ursache könnte Milzbrand gewesen sein. Und er hat einen Wissenschaftler gefunden, der berichtet, diese Erreger seien im Boden alter Friedhöfe nachweisbar.

Der Main-Taunus-Kreis ist anderer Meinung. Seitens der Fachbehörden wurden bei der Bebauung alter Friedhöfe Untersuchungen in Richtung Milzbrand nicht für notwendig erachtet, ließ der Kreis Wolf wissen. Der Schriftwechsel zwischen Eddersheim und dem Landratsamt ging so lange, bis der Kreis Wolf erklärte, eine weitere „Unterstützung“ könne ihm nur gegen Kostenerstattung gewährt werden.

Der Kreis beruft sich übrigens auch auf Beratungen mit dem Hessischen Landes- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen (HLPUG). Wolf kritisiert, die Stellungnahme dieser beim Regierungspräsidium Gießen angesiedelten Behörde nicht bekommen zu haben. Es gebe keine schriftliche Stellungnahme, man habe sich mit dem Amt lediglich beraten, erklärt dazu der Kreis.

„Nach den bisherigen Erkenntnissen des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration ist kein Prüfauftrag an das HLPUG ergangen“, erklärt dazu wiederum Esther Walter, Pressesprecherin des Hessischen Sozialministeriums, der dem HLPUG vorgesetzten Behörde. „Wir weisen aber darauf hin, dass Hygienegutachten im Zusammenhang mit Sonderbaumaßnahmen nicht vom HLPUG, sondern vom Gesundheitsamt des Landkreises zu bewerten sind.“

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