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Fluglärm: Eddersheimer hat keine Hoffnung, dass es durch die verkündete Lärmobergrenze leiser wird

Von Der Eddersheimer Burkhard Schuster sieht nur eine Möglichkeit der Lärmreduzierung: weniger Flugbewegungen.
Je nach Wetterlage sorgen die Flieger am Himmel für mehr oder weniger Lärm in den Städten rund um den Flughafen. Foto: Maik Reuß (Maik Reuß) Je nach Wetterlage sorgen die Flieger am Himmel für mehr oder weniger Lärm in den Städten rund um den Flughafen.
Eddersheim. 

Eine Begrenzung des Fluglärms klingt nach etwas, das sich Burkhard Schuster sehnlichst wünschen würde. Der 78-Jährige wohnt am Rand des Gewerbegebietes Im Gotthelf, wo er regelmäßig in einer Höhe von rund 150 Metern von landenden Flugzeugen überflogen wird. Wer ihn im Garten hinter seinem Haus besucht, muss feststellen, dass die Belastung extrem ist.

Das Schallmessgerät, dass sich Schuster schon vor einigen Jahren zugelegt hat, zeigt bis zu 90 Dezibel, wenn die Maschinen am Himmel entlangdonnern. Über eine tatsächliche Begrenzung dieses regelmäßigen Lärms würde sich der Pensionär natürlich freuen. Die freiwillige Vereinbarung zur Lärmobergrenze, die Landesregierung und Luftverkehrswirtschaft vor wenigen Tagen verkündeten, wird dem stark belasteten Eddersheimer allerdings nicht helfen. „Bei uns hat sich nichts geändert“, betont Burkhard Schuster. Und das wird wohl auch in Zukunft so bleiben. Höchstens lauter könnte es trotz der Lärmobergrenze noch werden.

Davon abgesehen, dass die Lärmobergrenze auf Freiwilligkeit beruht, bietet sie außerdem keine Verbesserung für die Menschen, die bereits jetzt unter massivem Fluglärm zu leiden haben. Das Hessische Verkehrsministerium hat erklärt, dass das derzeitige Lärmniveau nicht wesentlich überschritten werden soll. Letztendlich soll der Lärm um 1,8 Dezibel niedriger bleiben, als dies im Planfeststellungsbeschluss für die Zahl von 701 000 Flugbewegungen angenommen wurde. Da diese Flugzahl längst nicht erreicht ist, kann der Lärm vorerst sogar noch steigen. „Leiser kann es doch gar nicht werden“, beklagt Burkhard Schuster. Die Einigung zur Lärmobergrenze sieht außerdem vor, dass die Zunahme der am höchsten betroffenen Gebiete mit Tagesdauerschallpegeln von 55 und 60 Dezibel begrenzt wird. In den bereits bestehenden Gebieten mit hoher Lärmbelastung wird es dadurch allerdings nicht leiser.

Die Billigflieger

Er mache sich keine Hoffnung mehr, dass es leiser wird, sagt Burkhard Schuster. Im Gegenteil: Oft habe er den Eindruck, dass der Lärm zugenommen hat. Die einzige Möglichkeit wäre eine deutliche Beschränkung der Flugzahlen, meint der 78-Jährige. Eine Verringerung der Flugbewegungen sieht die Lärmobergrenze jedoch ausdrücklich nicht vor. Fraport brauche die Billigflieger, meint Schuster. Der Eddersheimer glaubt, dass die Taktung der Flüge derzeit bereits zu knapp ist. Über seinem Grundstück erlebe er immer wieder, dass Maschinen im Landeanflug plötzlich noch einmal durchstarten müssen. „Dann wackelt hier das Haus“, betont Burkhard Schuster. Eine juristische Auseinandersetzung, in der er um Entschädigungszahlungen des Flughafenbetreibers Fraport kämpfte, verlor er zu Beginn dieses Jahres.

Die Lärmobergrenze wird Burkhard Schuster also keine Entlastung bringen – sie ist nicht auf eine Verbesserung des gegenwärtigen Zustandes ausgerichtet. Mehr Entschädigung könnte man vom Lastenausgleich erwarten, den die Landesregierung im September in den Landtag eingebracht hat. 4,5 Millionen Euro, die das Land jährlich für seine Anteile an Fraport erhält, sollen auf die betroffenen Kommunen verteilt werden. Das klingt zunächst einmal gut. Bei stark betroffenen Privatleuten wie Burkhard Schuster wird dieses Geld aber nicht ankommen.

„Beruhigungsgeld“

„Das ist Beruhigungsgeld“, klagt Schuster. Hattersheim erhalte 70 000 Euro, sei außer einem kleinen Bereich in Eddersheim aber gar nicht vom Fluglärm betroffen. „Das Geld müsste bei den Privatleuten ankommen“, findet der 78-Jährige. Ihm bleibt auch künftig nichts anderes übrig, als bei Ostwetterlage ins Gebäude zu fliehen und die Fenster zu schließen. Schallereignisse von 90 Dezibel seien im Garten auf Dauer nicht erträglich. „Das ist Käfighaltung“, betont der Eddersheimer. sas

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