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Roland Friedrich: Ein Glückscent für den Schornsteinfeger

Nein, er macht nicht nur den Schornstein sauber: Die Aufgaben eines Kaminkehrers sind facettenreich und haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Ebenso wie die traditionelle Kleidung.
Roland Friedrich beim Prüfen einer Abdichtblase im Pfälzer Hof. Foto: Hans Nietner Roland Friedrich beim Prüfen einer Abdichtblase im Pfälzer Hof.
Hofheim. 

Es ist kurz nach zwölf, als Roland Friedrich (53) an der Hattersheimer Straße vorfährt. Er grüßt freundlich, dann tritt er an den Kofferraum seines Kombis, um seine Arbeitskleidung hervor zu holen. Die schwarze Hose und das schwarze Hemd, das mit goldenen Knöpfen verziert ist, besonders aber der schwarze Zylinder lassen sofort auf seine Profession schließen: Friedrich ist Schornsteinfeger. In das traditionelle Gewand seiner Zunft wirft er sich an diesem Tag allerdings nur für den Termin mit dem Kreisblatt. „Zum Kehren trägt man die Kleidung heutzutage noch hin und wieder“, erklärt er. Doch längst besteht das Aufgabenfeld des Schornsteinfegers nicht mehr nur aus dem Fegen von Schornsteinen oder dem Kehren von Kaminen. Im Zeitalter des technologischen Wandels muss der moderne Schornsteinfeger eine Mischung aus Handwerker und Techniker sein.

 

Ein offener Wettbewerb

Was in Deutschland lange Zeit gewohnte Praxis war, das wurde von der EU vor knapp fünf Jahren als Unrecht abgestempelt. Früher hatte der Bezirksschornsteinfeger eine Monopolstellung in seinem Revier,

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Zum Pfälzer Hof ist Friedrich heute bestellt worden, um dort die jüngst installierte, moderne Heizungsanlage abzunehmen. Gesetzlichen Vorschriften folgend, ist er dafür zuständig, die Betriebssicherheit und die Einhaltung von Bauvorschriften der neuen Installation zu prüfen und etwaige Mängel zu melden. Arbeit eine Anlage nicht vorschriftsmäßig oder ist sogar undicht, kann das schwere Folgen – gesundheitliche Schäden bis hin zum Erstickungstod – für die Bewohner haben. Empfangen wird er im Haus nahe des Bahnhofes, in dem die Musikschule und der Volksbildungsverein ihre Räumlichkeiten haben, von einer verschlossenen Tür. Ein freundliches Gesicht, das zum Gruß dem Schornsteinfeger eine heiße Tasse Kaffee anbietet, gibt es heute nicht. „Diese Kunden gibt es aber auch noch“, erklärt Friedrich, „spontan fällt mir eine ältere Dame ein, die immer Kaffee serviert, wenn ich vorbei komme.“ Aber auch hier hat sich das Berufsbild in den vergangenen Jahren verändert. Früher wurde der Schornsteinfeger vom Bezirk ausgewählt und hatte dann für die jeweiligen Haushalte ein Monopol. Vor knapp fünf Jahren wurde dann der Markt für Kaminkehrer zum freien Wettbewerb (siehe unten stehenden Text). Eine (erzwungene) Bindung über Jahre und Jahrzehnte an ein und den selben Feger gibt es daher nicht mehr. Jeder Hausbesitzer darf nun den Dienstleister seiner Wahl engagieren.

„Das war schon eine Umstellung“, gesteht Friedrich, der seit seinem 17. Lebensjahr diesen Beruf ausübt. Doch letztlich änderte sich wenig für ihn, denn sein Kundenstamm war mit seiner Arbeit zufrieden. Knapp 2100 Häuser zählen 2017 zu seinem Revier, das sich von Weilbach über Marxheim bis hin zum Finanzamt in Hofheim erstreckt. Einen Gesellen hat Meister Friedrich zur Unterstützung, und mit einem Schmunzeln gesteht er, dass er diesem häufig die Kehrarbeit überlässt. Langeweile hat der Chef dadurch aber nicht. Nach der Abnahme am Pfälzer Hof stehen noch vier weitere Termine an. Danach geht es ins Büro, wo der Papierkram wartet. Gut, dass der aktuelle Termin reibungslos verläuft. Den Schlüssel zum Heizraum hatte er bereits im Vorfeld vom Hausmeister bekommen.

Vertrauensvorschuss

So einen Vertrauensvorschuss muss man sich auch erst einmal mit harter und zuverlässiger Arbeit verdienen. Und ein bisschen Glück hat Friedrich an diesem Vormittag auch. Als er gerade die Tür zum Heizungsraum aufschließen will, geht er in die Hocke und klaubt aus dem herbstlichen Laub am Boden ein Cent-Stück auf. „Da hat der Schornsteinfeger auch mal selbst Glück“, scherzt Friedrich. Sonst gelten die Männer in schwarz ja als Glücksbringer für andere.

Im Heizungsraum brummt und surrt es, was schon mal ein erstes, gutes Zeichen ist. Die neue Anlage arbeitet. Ob sie dies auch gemäß der Sicherheits- und Abgasvorschriften tut, prüft Friedrich zunächst am Touch-Display der modernen Heizung. Urig: Der Prüfmodus der Software wird im Menü durch zwei stilisierte Symbole – ein kleiner Zylinder und eine Leiter – dargestellt. Analog zur Digitalisierung der Heizungstechnik hat sich auch Friedrichs Repertoire an Werkzeugen gewandelt: Kehrgerät und Leiter gehören zwar weiterhin zur Ausrüstung, doch daneben kommen hochsensible elektronische Messgeräte zum Einsatz. Mit diesen fühlt Friedrich nun der neuen Heizung auf den Zahn, notiert dann allerlei Messwerte – etwa den CO2 Ausstoß – in sein Büchlein. „Die Zahlen könnte ich auch im Gerät speichern“, erklärt er grinsend, „aber ich schreibe immer noch ganz gerne auf Papier.“ In dieser Beziehung ist der Schornsteinfeger noch ganz ’Alte Schule’. In allen anderen Bereichen seines Berufes ist Roland Friedrich aber am Puls der Zeit. So, wie es eben von einem Schornsteinfeger heute verlangt wird.

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