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"Wunderbar": Ein Kultlokal feiert 30. Geburtstag

Von Siegfried und Ralf Otto sind die Macher hinter dem Höchster Kultlokal „Wunderbar“, das 1988 eröffnet wurde. Mit einer Party wird heute der 30. Geburtstag gefeiert. Vielleicht zum letzten Mal, denn die beiden Brüder möchten die „Wunderbar“ schon bald an Nachfolger abgeben.
Siegfried Otto von der „Wunderbar“ möchte sich in den Ruhestand verabschieden und den Schlüssel schon bald an seine Nachfolger abgeben. Heute Abend aber wird dort erst einmal gefeiert. Foto: Leonhard-Hamerski Siegfried Otto von der „Wunderbar“ möchte sich in den Ruhestand verabschieden und den Schlüssel schon bald an seine Nachfolger abgeben. Heute Abend aber wird dort erst einmal gefeiert.
Höchst. 

Wer heute Abend an der „Wunderbar“ in der Antoniterstraße 16 vorbeiläuft, der sollte sich die Zeit nehmen und hineingehen. Siegfried und Ralf Otto, die das Höchster Kultcafé im Jahr 1988 eröffneten, laden für 19 Uhr zur Geburtstagsparty mit Live-Musik ein. 30 Jahre wird die „Wunderbar“ und das soll gebührend gefeiert werden (siehe Info-Box).

Es ist vielleicht die letzte Feier, die von den beiden Brüdern in der Höchster „Wunderbar“ auf die Beine gestellt wird. Am 30. Juni dieses Jahres möchte Siegfried Otto (65), wenn alles klappt, das Lokal an seine Nachfolger abgeben. Der Ruhestand wartet, und er sagt ganz direkt: „Aus Altersgründen möchte ich mich aus dem Geschäft zurückziehen.“ Sein jüngerer Bruder Ralf Otto (59) führt jedoch die „Wunderbar Weite Welt“ in Eppstein weiter, die 2007 dort im alten Stadtbahnhof eröffnet wurde. „Ralf hat die Organisation dort, ich hier“, sagt Siegfried Otto. Das Höchster Lokal ist weit über die Grenzen des Stadtteils hinaus bekannt.

Nachfolger gefunden

Als mögliche Nachfolger haben sie mit Stefan Dychto und Sebastian Tag zwei kompetente Leute gefunden, die seit mehreren Jahren selbst in der „Wunderbar“ tätig sind und sie weiterbetreiben möchten. „Wir haben die beiden bereits dem Vermieter vorgeschlagen, der uns signalisiert hat, dass es so umgesetzt werden kann“, sagt Siegfried Otto.

Sebastian Tag steht seit fünf Jahren hinter dem Tresen und hat „Schlüsselgewalt“, wie es Otto erklärt. Stefan Dychto ist seit 2007 Küchenchef. „Bei uns in der ,Wunderbar‘ gibt es die Besonderheit, das wir die Küche immer unterverpachtet und die Pächter ihr eigenes Personal mitgebracht haben“, erklärt Otto weiter. „Wir haben ein Interesse, dass das Lokal weiter fortgeführt wird“, betont der Gastronom: „Um die Arbeitsplätze zu erhalten, für den Stadtteil und auch für Gäste des angrenzenden Neuen Theaters Höchst.“ Für den Stadtteil sei es einfach gut, wenn es so ein Lokal weiterhin gebe.

Seine 65 Jahre sieht man Siegfried Otto überhaupt nicht an. Täglich zwölf Stunden zu arbeiten ist für ihn ganz normal. Und doch gibt es natürlich auch noch andere Dinge im Leben, die weitaus wichtiger sind als die Arbeit – und das ist seine Familie. Mit seiner Frau und seinem 16-jährigen Sohn möchte er künftig mehr verreisen.

Das „Tylor Henderson Trio“ spielt Hendrix

Die „Wunderbar“ lädt für heute Abend zur Geburtstagsparty in die Antoniterstraße 16 ein. Die Besucher erwartet ab 19 Uhr Live-Musik des „Tylor Henderson Trio“, das unter dem Motto „Henderson plays

clearing

Die beiden Brüder haben sich in ihren jungen Jahren als Aktivisten für die Umwelt engagiert und waren beispielsweise auch mit dabei, als Ende der 70er Jahre der Damm in Kelkheim besetzt wurde und sie gegen den geplanten Bau einer Autobahn protestierten, die quer durch den Taunus gebaut werden sollte. Diese „wilden Jahre“ sind mittlerweile vorbei.

Dass die beiden damals die Räumlichkeiten in der Antoniterstraße anmieten konnten, ermöglichte ihr Vater. „Er hat mit seinem Haus für unser Vorhaben gebürgt“, sagt Otto. Das Vertrauen in seine Söhne wurde nicht enttäuscht: „Dass wir mit der ,Wunderbar‘ so einen Volltreffer landen, damit haben wir zu Beginn gar nicht gerechnet“, erinnert sich der Gastronom. Doch bereits nach einem Vierteljahr habe der Laden gebrummt. Damals waren sie noch zu viert im Leitungsteam.

Welche Ereignisse sind ihm aus den vergangenen 30 Jahren besonders in Erinnerung geblieben? „In der ganzen Zeit haben sich hier rund 100 Paare kennengelernt und gefunden“, erzählt der Gastronom. Außerdem habe es früher jedes Jahr ein großes Fest gegeben. „Das haben wir später dann nur noch alle zwei Jahre organisiert.“ Und auch die Künstler des Theaters seien gerne in der „Wunderbar“ eingekehrt. Auch die frühere Oberbürgermeisterin Petra Roth sei häufiger mal zu Gast gewesen – und habe stets mit einem Scheck bezahlt.

Sommerterrasse fehlt

Leider gibt es keine Möglichkeit für eine Sommerterrasse. „Das macht sich heute viel stärker an den Besucherzahlen bemerkbar als früher“, findet Otto. Zwar habe es mal Pläne der Stadt gegeben, die Straßenführung in der Antoniterstraße zu ändern und daraus eine verkehrsberuhigte Zone zu machen. Das wurde aber nie realisiert. Das Team der „Wunderbar“ stellt daher jährlich den Betrieb während der Sommerferien, wenn alle draußen sitzen möchten, ein – und renoviert das ganze Lokal von Grund auf. Jährlich wechselt das Lokal die Farbe.

In den Wintermonaten brummt es dafür: „Die ,Wunderbar‘ ist Café, Bar und Restaurant. Für jeden ist etwas dabei“, findet Otto. Außerdem sei es auch ein Ort für Familien; für die Jüngsten gibt es sogar eine eigene Spiel-Ecke. Und auch für Künstler ist das Lokal ein Raum, in dem sie ihre Werke ausstellen können. Ob es künftig so weitergeht, wird sich schon bald zeigen.

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